Wohnkrise in Salzburg: Neue Zahlen schockieren
- Mehr als 900 Betroffene erfasst
- Verdeckte Wohnungsnot besonders häufig
- Stadt sieht dringenden Handlungsbedarf
Die Wohnungsnot in Salzburg hat ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Eine aktuelle EU-Studie hat 910 wohnungslose Menschen in der Stadt erfasst. Mehr als ein Drittel der Betroffenen schläft auf der Straße oder in Notschlafstellen. Experten gehen zudem von einer hohen Dunkelziffer aus.
Die Ergebnisse wurden am Montag präsentiert und zeigen, wie unterschiedlich Wohnungslosigkeit aussehen kann. Neben Menschen ohne Obdach leben viele Betroffene vorübergehend bei Freunden oder Verwandten oder in unsicheren Wohnverhältnissen.
Mehr als 900 Betroffene erfasst
Laut der Erhebung des "European Homelessness Count" wurden in Salzburg insgesamt 910 wohnungslose Menschen registriert. Davon schliefen 323 Personen auf der Straße oder in Notschlafstellen. Weitere 129 Menschen lebten in Übergangswohnungen, während 60 Personen in öffentlichen Einrichtungen untergebracht waren.
Besonders problematisch sind auch die 40 Menschen, die in unsicheren Wohnformen wie leerstehenden oder zum Abbruch vorgesehenen Gebäuden ohne ausreichende Infrastruktur leben.
Die Studie zeigt zudem, dass 78 Prozent der Betroffenen Männer und 22 Prozent Frauen sind. Rund 41 Prozent besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft, die übrigen stammen aus EU- oder Drittstaaten.
Verdeckte Wohnungsnot besonders häufig
Die größte Gruppe bilden Menschen, die vorübergehend bei Familienmitgliedern, Freunden oder Bekannten unterkommen. Insgesamt 341 Personen leben derzeit in dieser sogenannten verdeckten Wohnungslosigkeit und verfügen über keinen eigenen Wohnraum.
Besonders alarmierend sei laut Experten auch die Situation von Familien. Neben den 910 erfassten Betroffenen wurden 40 Kinder registriert, die gemeinsam mit ihren Eltern von Wohnungsnot betroffen sind. Dies könne langfristige Auswirkungen auf ihre Bildungs- und Entwicklungschancen haben.
Sozialarbeiter Peter Lienhuber vom Forum Wohnungslosenhilfe Salzburg spricht zudem von einer hohen Dunkelziffer. Viele Betroffene würden in keiner Statistik aufscheinen, insbesondere Frauen seien häufig verdeckt wohnungslos.
Stadt sieht dringenden Handlungsbedarf
Für Wohnungsreferent und Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl besteht angesichts der neuen Zahlen akuter Handlungsbedarf. Die Stadt habe bereits Maßnahmen gesetzt und unter anderem die Richtlinien für die Wohnungsvergabe angepasst sowie die Delogierungsprävention und den Kautionsfonds ausgebaut.
Langfristig soll auch der Anteil an leistbaren Mietwohnungen steigen. Dankl verweist dabei auf wirtschaftliche Argumente: Studien zeigen, dass Obdach- und Wohnungslosigkeit deutlich höhere Kosten für die öffentliche Hand verursachen als eine frühzeitige Versorgung mit dauerhaftem Wohnraum.
Auch Studien-Koordinator Philipp Schnell sieht unterschiedliche Herausforderungen. Während knapp die Hälfte der Betroffenen erst seit weniger als einem Jahr wohnungslos ist und rasch stabilisiert werden könnte, lebt mehr als ein Drittel bereits seit über zwei Jahren ohne festen Wohnsitz. Für diese Menschen seien langfristige Lösungen notwendig. Die Ergebnisse der EU-weiten Studie sollen nun helfen, politische Maßnahmen gezielter zu planen und Wohnungslosigkeit nachhaltig zu bekämpfen.