Oldtimer: Heiliges Blechle

Was ist das Besondere an einem alten Auto im Vergleich zu einem modernen Wagen?

Zautner: „Wenn man von einem Oldtimer ins Alltagsfahrzeug umsteigt, ist das schon ein gewaltiger Unterschied. Bei mir sind schließlich mehr als 60 Jahre dazwischen. Ich habe einen Mercedes Ponton von 1956 und eine Mercedes Pagode. Nach einer Ausfahrt mit meinem Ponton tun mir die Hände weh, aber man hat einen anderen Bezug zur Landschaft, man genießt die Strecke viel mehr. Das ist noch echte Arbeit, da gibt es keine Assistenten oder Servounterstützung, dazu habe ich noch eine Lenkradschaltung, und vorne eine Dreiersitzbank, aber man riecht das Leder, das Benzin, das Öl. Man hat ein viel direkteres automobiles Erlebnis. Man genießt die Schalter, es gibt keine Displays und man muss sich selbst orientieren. Man entwickelt ein Gespür für das Auto, und hört sofort wenn etwas unrund läuft. Die Autos sind noch dazu relativ leicht zu reparieren. Man braucht kein Gerät um Fehler auszulesen, es gibt wenig Elektronik. Natürlich benötigt der Oldtimerfreund ein wenig Fingerspitzengefühl. Doch die Beschäftigung mit dem Auto macht nicht nur uns Freude, sondern auch den Menschen an der Straße, die uns oft fröhlich zuwinken. Es ist ein Kulturgut auf Rädern und weckt bei vielen Emotionen und Erinnerungen.“

Wie charakterisieren Sie den typischen Oldtimerfahrer?

Zautner: „Wir sind alle Menschen, die mit ihren Sachen wertschätzend umgehen. Es gibt mehrere Arten von Oldtimerfreunden. Es gibt jene, die den Beruf des Mechanikers gelernt haben und selber alles an ihren Autos machen, und es gibt die Nostalgiker, zu denen ich auch gehöre. Man tut was man kann, lässt aber dann die Profis ran. Wir haben Alle Benzin im Blut. Mein Vater hatte das Auto, das ich heute besitze. Das hat mich damals schon begeistert und ich habe es ins Herz geschlossen. Mein Vater war Autohändler und so hatte ich von Kindesbeinen an den Bezug dazu. Nach der Schule habe ich an Autos herumgeschraubt. Es gibt natürlich auch Menschen die den reinen Wertzuwachs sehen. Durch die Nullzinspolitik steigen die Oldtimerpreise. Alleine meine Pagode ist um 30% im Wert gestiegen, ich verkaufe sie aber trotzdem nicht.“

Wieso sollte man zu einem Oldtimerclub gehen. Was bieten Sie den Mitgliedern?

Zautner: „Wir sind eine Horde Gleichgesinnter und unterstützen uns gegenseitig, verbunden durch das gemeinsame Hobby. Der Vorteil an einem Club ist, dass man gut vernetzt ist, sich austauscht und Kontakt zu Spezialisten hat, die sich genau auskennen. Man wird nicht alleine gelassen. Wenn jemand in unserem Club ein Auto kauft, fahren immer andere Kollegen mit, die den Fahrzeugtyp kennen. Es reichen wenige Blicke und sie wissen sofort, ob man das Auto kaufen kann oder es bleiben lassen sollte. In der Pandemie bekamen wir überraschenderweise einige neue Mitglieder dazu. COVID hat irgendwie auf den Sehnsuchtsknopf gedrückt.“

 

 

 

 

 

Tags

Autor: Jürgen Philipp, 06.05.2021