Kommentar: Sie nannten ihn "Django"

In der Welt der politischen TV-Berichterstattung gibt es zwei Kategorien von Gesichtern. Gesichter, die irritieren, weil sie unvermutet aus der Versenkung auftauchen und Gesichter, die die Irritation auslösen, weil man sie nicht mehr sehen kann (will). Zur ersten Kategorie gehört ohne Zweifel Reinhold Mitterlehner, einstmals die Nummer 1 in der ÖVP. Im Unterschied zu Walter Maischberger stellt man sich bei ihm nicht die Frage, „was ist seine Leistung“, sondern eher „was ist seine Befähigung“?

Beispielsweise als Präsident der Österreichischen Forschungsgemeinschaft. Diese Impulse erwachten, als Mitterlehner im Ibiza-Untersuchungsausschuss hinblicklich Parteiensponsoring und Gesetzeskauf durch Wirtschaftstreibende plaudern durfte. Im Übrigen war nichts so irreführend wie Mitterlehners einstiger Medien-Spitzname „Django“. Denn nach der Abmontage durch Sebastian Kurz war er nicht knallhart, sondern mimoserlmäßig unterwegs. Er, den sie Django nannten, wird uns also nicht raubeinig wie ein Westernheld, sondern sensibel wie die berühmte „Prinzessin auf der  Erbse“ in Erinnerung bleiben.

Der Ibiza-Ausschuss führt uns zu Kategorie 2. Denn Kai Jan „Semmelmampfer“ Krainer (SPÖ) und Stefanie „Des geht ma am Oasch“ Krisper (Neos) gehören ebenso zu den Gesichtern, die man nicht mehr sehen kann (will), wie etwa der zunehmend hilflos wirkende Rudi Anschober.“

Autor: Gerhard Gall, 26.03.2021