Kommentar: Falsches Lob

Birgit Gerstorfer – Landeschefin einer in den Seilen hängenden SPÖ, die in Umfragen auf dem dritten Platz dahindümpelt und aufpassen muss, dass sie den nicht auch noch verspielt. Bei internen Wahlen kämpft sie mit sinkender Zustimmung, an der Basis gilt sie nicht unbedingt als Charismakanone, die die angeschlagenen Roten aufzurichten vermag. Bei einem angeschlagenen Roten hat Gerstorfer das offensichtlich aber unnötigerweise versucht: Bei Christian Makor – bis zum Alko-Selbstfaller mit Rücktritt Klubobmann und Hoffnungsträger der waidwunden oö. Sozialdemokraten. Für den schnellen Abgang hat ihm die rote Chefin unverzüglich und wortreich ihre Hochachtung ausgedrückt. Eine befremdende Komplimentierung. Selbst in einem Land mit unausgeprägter Rücktrittskultur sollte so ein Schritt als nichts empfunden werden, dem man Hochachtung. zollt. Er sollte als Selbstverständlichkeit gelten, die man zur Kenntnis nimmt, um sofort wieder zur Tagesordnung überzugehen. Es wäre interessant zu wissen, ob es den Schritt auch gegeben hätte, wenn Makor nicht bei einem ähnlichen Lapsus eines Politgegners sofort den Zeigefinger ausgefahren und Rücktritt geplärrt hätte. Das werden wir leider nie erfahren. Meine Hochachtung gilt im Übrigen den unzähligen Menschen, die oft über ihre Kräfte hinaus alles tun, um Österreich am Laufen zu halten. Ihnen sollten Gerstorfer & Konsorten den Respekt ausdrücken. Und zwar tagtäglich.

Autor: Gerhard Gall, 04.12.2020