Gewessler gibt grünes Licht für S10-Ausbau ab 2023

Die Mühlviertler Schnellstraße S10, die derzeit bei Freistadt Nord endet, soll voraussichtlich ab 2023 um rund sieben Kilometer bis Rainbach Nord verlängert werden.
Autor: Conny Engl, 10.08.2021 um 09:35 Uhr

Überraschend, aber umso erfreulicher war die gestrige Bekanntgabe des Klimaschutzinisteriums: Der S10-Lückenschluss bis zur tschechischen Grenze soll umgesetzt werden. Es handle sich dabei um ein "notwendiges Projekt insbesondere auch zur Entlastung der Anrainergemeinde", zeigte sich Verkehrs- und Umweltministerin Leonore Gewessler in der gestrigen Presseaussendung einsichtig. Wobei sie Anfang Juli noch verlautbarte, dass alle Asfinag-Bauprojekte evaluiert und bis zum Herbst gestoppt werden.

Landeshauptmann Thomas Stelzer, der in den vergangenen Wochen die Evaluierungspolitik heftig kritiserte, freut sich über die Einsicht im Klimaschutzministerium: "Damit hat das für die Menschen in der Region wichtige Projekt entscheidende Hürden genommen. Wir erwarten uns, dass das Projekt jetzt zügig in die Umsetzung geht", so Stelzer. Auch Infrastruktur-Landesrat Günther Steinkellner ist froh, dass "die Vernunft am Ende des Tages gesiegt hat und keine weiteren Verzögerungen durch zusätzliche Evaluierungen erfolgen." Sehr erfreut über die Entscheidung ist auch Rainbachs Bürgermeister Günter Lorenz, er rechne jedoch mit Einsprüchen einer Bürgerbewegung.

Projektdetails

Geht alles gut, wird ab 2023 mit dem Ausbau der 7,2 Kilometer langen Westumfahrung von Rainbach gestartet. Die Fertigstellung des rund 227 Millionen-Euro-Projekts ist für 2027 geplant, dann sollen nur mehr acht Kilometer bis zur Staatsgrenze nach Wullowitz fehlen. Berechnungen zufolge würden dank der S10 Nord im Jahr 2035 weniger als 1.500 Autos pro Tag durch das Ortszentrum von Rainbach fahren. Ohne diesen Ausbau wären es täglich rund 19.400 Autos. Somit verringert die Umfahrung den Verkehr im Ort um 92 Prozent.

Visionen und Uneinsichtigkeiten

Neben der Zustimmung zum S10-Ausbau will das Klimaschutzministerium sofort mit den Untersuchungen zum Bau einer Hochleistungsbahnstrecke zwischen Linz und Prag beginnen. "Zweieinhalb Stunden von Oberösterreich in die tschechische Hauptstadt – das geht und das ist unsere Vision", sagt Gewessler.

Einsicht oder gar Unterstützung für klimaschonende Verkehrsprojekte wie dem Linzer Stadtseilbahn-Projekt sucht man bei der Grün-Ministerin jedoch vergeblich. Während Linz massiv in innovative, klimafreundliche Konzepte investiert, kommt seitens Gewessler kein Cent. Und warum? Es handle sich dabei nicht um Schienenprojekte. "Ein Stadtseilbahnprojekt lasse ich nicht einmal prüfen", teilte Gewessler dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger mit. "Die Weigerung widerspricht allen internationalen Trends für klimafreundliche Verkehrslösungen", ist Luger verärgert.