Doppelgold und Damenspitz in Gramastetten

5.000 Einwohner zählt Gramastetten und es gibt erstaunlich viele berühmte Söhne und Töchter der Marktgemeinde. Die Schauspielerin Maria Hofstätter etwa, der dreifache Eiskletter-Weltmeister Harald Berger (2006 verstorben), oder der Olympionike im Ringen Ernst Hack (verstorben 1986). Derzeit überstrahlt den Ort der berühmten Krapferln aber ein Name: Vincent Kriechmayr. Dabei wäre dem Ski-Doppelweltmeister eine Karriere als Maler in die Wiege gelegt worden. Seine Mutter stammt aus Belgien und unterrichtet Kunstgeschichte. Der Vorname ist daher kein Zufall, sondern leitet sich von Vincent van Gogh ab. Dennoch entschied er sich für die Skihauptschule in Windischgarsten und das hat sich ausgezahlt. Ganz Gramastetten steht nun Kopf und wahrscheinlich hatte der eine oder andere Einwohner der Gemeinde mehr als einen „Damenspitz“, den unser Ski-Ass nach dem zweiten Gold zugegeben hat.

„Skination“ Gramastetten

Wir treffen beim Spaziergang durch die Marktgemeinde Herrn Leopold. Der ältere Herr ist aus dem Häuschen: „Was glauben Sie was hier losgewesen wäre, wenn wir keine Pandemie gehabt hätten und die Gasthäuser geöffnet wären.“ Auch Frau Elisabeth ist voller Euphorie. „Ich habe ihn früher beim Einkaufen getroffen, ein lustiger Kerl und immer sehr ehrgeizig, aber er ging schon bald nach Windischgarsten“, weiß sie zu berichten. Selbst die Polizeidienststelle im Ort hat auf den Vince-Hype reagiert. Sie postete einen alternativen Medaillenspiegel der WM in Cortina. Wäre Gramastetten ein Land wäre es beim Medaillenspiegel vor der USA, Italien und Deutschland auf Rang fünf. Und dann gibt es noch seinen eigenen Fanclub „Veni-vidi-vinc“ samt Merchandising-Produkten wie einer coolen blitzblauen Fanjacke. Blitzblau wie der Himmel über Gramastteten, wo derzeit eine Debatte um die Umbenennung des Rodltalstadions des Fußballclubs SV Gramastetten entbrannt ist. Der Verein will seinen aktuell berühmtesten Sohn zum Namensgeber machen, doch ganz überzeugt scheint der Ort noch nicht vom „Vincent Kriechmayr Stadion“ zu sein.

 

 

Autor: Jürgen Philipp, 24.02.2021