Chöre: Seit einem Jahr in „Chorantäne“

Von den rund 1.000 Chören in OÖ mit etwa 20.000 aktiven Mitgliedern ist es nur dem einzigen Profichor im Lande erlaubt unter strengen Schutzmaßnahmen Proben abzuhalten; dem Chor des Musiktheaters Linz. „Juristisch gesehen, gilt eine Probe als Veranstaltung, somit sind wir ans Veranstaltungsverbot gebunden“, schildert Harald Wurmsdobler, Präsident des Chorverbandes Oberösterreich. Nur in einem kurzen Zeitfenster im Herbst durften die inzwischen leicht verstaubten Noten aus den Probelokalen genommen werden. „Seit 25. Oktober 2020 ist damit wieder Schluss“. Dabei stiftet Chorgesang weit mehr Nutzen als bloß musikalischen Genuss. „Singen – das ist wissenschaftlich erwiesen – macht glücklich. Nach etwa 20 Minuten Gesang schüttet das Gehirn Serotonin aus.“ Und dann wäre da noch der gesellschaftliche Aspekt. „Man lebt Partizipation, damit wird das Demokratieverständnis im Kleinen geschult. In einem Chor zu singen, ist ein Gemeinschaftserlebnis. Man steckt sich ein Ziel, stellt sich aufeinander ein, und erreicht es dann auch gemeinsam.“ Jede Stimme zählt und das macht diese Kunstform zu einem immateriellen Kulturgut.

Große Veränderung der Chorszene nach der Pandemie erwartet

Aus einzelnen Stimmen wird ein Gesamtkunstwerk. „Natürlich unterscheidet sich das Niveau unserer Chöre. Manche wollen auf internationalen Wettbewerben glänzen, für andere wiederum ist es eine schöne Freizeitbeschäftigung, doch jeder Chor hat seine Berechtigung.“ Wie lange die Chöre noch schweigen müssen, kann niemand seriös beantworten. Der Chorverband ist daher in stetigen Kontakt mit Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer. Welche Auswirkungen die lange Stille in den Chören haben wird, steht ebenfalls in den Sternen. „Es gibt zwei Meinungen, die einen glauben, dass die Chorszene nach der Pandemie einen großen Zulauf erfährt, die anderen sehen einen Schwund auf uns zukommen. Ich bin davon überzeugt, dass es in jedem Fall eine große Veränderung geben wird. Nicht alle Chöre werden wieder ihren Betrieb starten, dafür werden sich neue gründen.“

Autor: Jürgen Philipp, 21.02.2021