Hohe Wand: Ein wahrer Schatz in Niederösterreich

Wien geht mit dem Zentralfriedhof ins Rennen, Salzburg mit dem Welt-Wildnisgebiet Sulzbachtäler, trotzdem hat auch Niederösterreich exzellente Chancen. Denn die Hohe Wand hat so viel mehr zu bieten als den rund zweistündigen Rundweg vom Naturparkzentrum zum bekannten Skywalk und den Rückweg über die Postlwiese zu Streichelzoo und Damwildgatter. Es sind zum einen die Anstiege, welche auch für alpinistisch Ungeübte tolle Bergerlebnisse bieten, und zum anderen die sensationellen Wandabfälle, die es nicht nur auf der Ostseite, sondern – in geringerer Form – auch westseitig gibt. Die fantastischen Nah- und Fernblicke auf diesen Sonnenplätzen sind beliebte Fotomotive, die ungestüme Natur und die Möglichkeit, Wildtiere in freier Wildbahn zu erleben, ein zusätzlicher Anreiz.

 Maiersdorfer und Dürnbacher Krumme Ries 

Alpinsteig

Gefragt nach dem schönsten Anstieg möchte ich die Krumme Ries nennen, beide. Denn tatsächlich gibt es zwei Klettersteige mit diesem Namen. Die Maiersdorfer Krumme Ries ist ein unversicherter Klettersteig, also ohne Steighilfen, und nähert sich als seitlicher Anstieg einer senkrechten Wand mit Gipfelwiese und Gipfelkreuz. Einzig trittsicher sollte man sein, wobei es eigentlich kaum eine ausgesetzte Stelle gibt. Die Chance, hier auf Steinböcke oder Gämsen zu treffen, ist in diesem Gelände besonders gut. Die Dürnbacher Krumme Ries befindet sich auf der Westseite und führt zum Waldegger Haus. In diesem mit Föhren bewachsenen Felsgelände gibt es nur eine leichte Kletterstelle, die man allerdings auch umgehen kann.

Junge Steinboecke

Hohe Wand für Kinder

Doch durchwandern wir einfach Anstiege und Aussichtspunkte von Nord nach Süd. Der allererste Anstieg ist der Drobilsteig, eine mit Leitern zu durchsteigende Felsschlucht, ideal für Kinder. Oben wartet das seit kurzem wieder bewirtschaftete Herrgottschnitzerhaus, welches man auch geradlinig über den spektakulären Zischkasteig erreichen kann. Dessen Charakteristik bieten viele der Klettersteige: Von unten sieht man eine senkrechte Wand, welche der Steig dann aber tatsächlich seitlich umgeht. Ein tolles Felsgelände bietet auch der Hanselsteig, allerdings ist die lange, leicht schräge und überhängende zum Ausstieg führende Leiter für manche eine Mutprobe.

Panoramaausblick

Skywalk auf der Hohen Wand

Ein Klassiker ist der Völlerinsteig, der zur Postlwiese und zum berühmten Skywalk führt. Unten unterquert man eine überhängende Wand, oben gibt es einige Aufstiegshilfen, insgesamt auch für Unerfahrene ein Erlebnis. Eine Variante ist die Frauenlucke, wo man eine senkrechte Höhle mit einer Leiter durchsteigt.

Alpiner Steig
Paragleiter

Steinböcke und Gämsen sehen

Nach der schon erwähnten Krummen Ries führen der einfache „Straßenbahner“ und der sehr lange Leitergrabensteig nach oben, dort warten nicht nur schöne Sonnenplätze, sondern auch das weit über die Region hinaus bekannte Berggasthaus Luf. Auf der anderen Seite des Leitergrabens führt der Springlesssteig (gesichert mit einer Leiter und Stahlseilen) zum Hubertushaus, auch hier gibt es viele freundliche Steinböcke, die im Gegensatz zu den scheuen Gämsen kaum Berührungsängste haben. Der Holzknechtsteig und der dann auf die Große Kanzel führende Wagnersteig sind nicht jedermanns Sache, der Holzknechtsteig erfordert in einer Passage drei, vier Klettergriffe, der Wagnersteig ist mit 13 Leitern gesichert und kann in dem dramatischen Gelände für nicht Schwindelfreie problematisch werden.

Gipfelkreuz, Schneebergblick

Blickpunkt Große Kanzel

Die Große Kanzel ist mit der Eicherthütte ist einer der schönsten Plätze der Hohen Wand, hierher kommen auch die Wanderer, welche mit dem Auto bis ans Ende der Mautstraße (Kleine Kanzel) gefahren sind. Damit nicht genug, wartet am Südzipfel der Hohen Wand noch ein wenig frequentierter Klassiker: das Zahme Pechersteiglein bietet eine Durchstiegshöhle und darüber ein Sonnenplatzerl neben einer überhängenden Wand, wo gerne Gämsen die Wanderer beobachten. Ideal für Kinder! Und nachdem der Steig bald in einen Geröllweg übergeht, wechselt man 50 Meter nach rechts zum Oberen Appelsteig, der mit roten Punkten am Fels markiert ist und einfach gefahrloses Kraxeln bietet.

Gipfelwiese

Hohe Wand erleben und voten

Last not least gibt es auf der Westseite noch mit der Waldegger Klause einen durch eine tief eingeschnittene Schlucht führenden Anstieg mit sieben Leitern und einer Höhle sowie mit dem Stangelsteinweg einen tollen Natursteig. Wer jetzt allen Wandertipps im Naturpark Hohe Wand nachgehen möchte sollte sich zumindest zwei Wochen Urlaub nehmen. Aber vorher gilt es noch, für den Naturpark Hohe Wand zu voten, einem der schönsten Plätze und einem wahren Schatz in Österreich!

Schlucht
Autor: Andi Dirnberger, 08.10.2020