Wird Weihnachten heuer ein Desaster?

Teuerung, Ukraine-Krieg, Pandemie und Klimawandel: Die Feiertage könnten heuer im Worst Case richtig unangenehm werden.
Autor: Simone Reitmeier, 09.09.2022 um 11:09 Uhr

Keine Geschenke unter dem Baum

Für alle Eltern gleicht das wohl einer Hiobsbotschaft: Der Handel befürchtet Lieferverzögerungen für Weihnachtsgeschenke, insbesondere bei Waren aus China. „79 Prozent aller österreichischen Händler kämpfen zurzeit mit Lieferverzögerungen und Lieferantenausfällen“, informiert Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands Österreich. Betroffen sind Spielzeug, Unterhaltungselektronik, aber auch Autos und E-Bikes. Vieles werde aktuell zu spät oder in der falschen Menge geliefert. Mit einer Entspannung bis Weihnachten rechnet Will nicht, mehr als zwei Drittel der heimischen Betriebe erwarten für Dezember Lieferschwierigkeiten. Die Hauptursachen sind die Null-Covid-Strategie in China, der Klimawandel sowie der Ukraine-Krieg und die Rohstoff- und Gaskrise.

Einige Container-Schiffe hängen immer noch in Asien fest. Der weltweite Chipmangel bremst die globale Produktion seit mehr als zwei Jahren massiv, davon sind vor allem der Auto- sowie der Elektrohandel betroffen.

Regale in einem Spielwarenladen | Credit: RICHA NAIDU / REUTERS / picturedesk.com

Internetbetrug: Fake-Shops nutzen die Gelegenheit

Experten raten, Geschenke möglichst früh zu kaufen, bei Marke und Modell flexibel zu sein sowie auf Second-Hand-Plattformen oder B-Ware zurückzugreifen. Bei Letzterem handelt es sich meist um Ausstellungstücke, geprüfte Rücksendungen oder um Produkte, die leichte Beschädigungen/Gebrauchsspuren aufweisen. Sie sind trotz kleiner Macken voll funktionsfähig. Vorsichtig sollte man hingegen bei Fake-Shops sein, „fast ein Fünftel der österreichischen Konsumenten sind bereits Opfer davon geworden“, so Rainer Will vom Handelsverband Österreich. Die hohe Nachfrage an Produkten nutzen in der Regel auch Betrüger mit gefälschten Online-Shops aus. Vor einem Kauf sollten Impressum, Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Widerrufsbelehrung in jedem Fall überprüft werden. Hilfreich sind außerdem Kundenbewertungen und eCommerce-Gütesiegel wie Trustmark Austria.

Skiurlaub wird zum Luxus

Für viele Familien ist der Skiurlaub ein Ferien-Highlight. Heuer muss man dafür aber tief in die Tasche greifen, denn die Skitickets werden teurer und kratzen in den Hotspots an der 70,– Euro-Marke (Tageskarte Erwachsene). Explodieren die Preise bis Weihnachten weiter, müsse laut Insiderquellen bei den Preisen erneut nachjustiert werden. Von Teuerungen betroffen sind auch die Hotelübernachtungen, insbesondere in Häusern mit großen Wellnessbereichen und demnach hohen Energiekosten. „Wir werden die Preise zwischen acht und zwölf Prozent erhöhen müssen, um dasselbe zu erreichen – falls wir die Auslastung erreichen“, erklärte Felix Berger, Geschäftsführer des Sporthotel Wagrain gegenüber dem ORF Anfang August.

Skier im Keller | Credit: iStock.com/Kyryl Gorlov

Kein Schnee: Grüne Weihnachten

Dicke Schneeflocken, eine weiße Winterlandschaft und kalte Temperaturen – so stellt man sich romantische Weihnachten vor. Der Klimawandel macht uns allerdings einen Strich durch die Rechnung: Laut ZAMG-Daten ist der Dezember in Österreich seit den 1950er Jahren um 1,0 bis 1,5 °C wärmer geworden. Die Aussicht auf Schnee an Heiligabend hat sich in den vergangenen Jahren halbiert und schwindet weiter. „In vielen Regionen, vor allem in tieferen Lagen unter 1.000 Metern Seehöhe hat die Chance auf einen weißen Heiligabend abgenommen“, erläutert ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. In den Landeshauptstädten ist eine weihnachtliche Schneedecke mittlerweile die Ausnahme. Am besten schneiden Salzburg und Innsbruck ab, wo statistisch gesehen alle zwei bis drei Jahre an Weihnachten Schnee liegt. In Wien und Linz ist das nur alle vier bis sechs Jahre der Fall.

Wetter-Grafik von der ZAMG | Credit: ZAMG

Festessen: S’Börserl schonen

Wer sich regelmäßig um den wöchentlichen Einkauf kümmert, wird beim Gedanken an das große Weihnachtsessen ins Schwitzen geraten. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt um 12,5 Prozent, der sogenannte „Miniwarenkorb“ (= 60 typische Güter des wöchentlichen Einkaufs) verzeichnete im Juli eine Teuerung von 19,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Viele internationale Lebensmittelproduzenten kämpfen mit Dürren, Waldbränden, Überflutungen und anderen Naturkatastrophen. Die exorbitanten Teuerungen in der Beschaffung machen sich überall bemerkbar“, so Rainer Will vom Handelsverband zu Lieferengpässen. Statt Braten, Fisch und Delikatessen geht sich heuer für viele womöglich „nur“ eine traditionelle Würstelsuppe aus.

Allein an Heiligabend

Bleibt Omikron BA.5 die dominante Corona-Variante sind Kontaktbeschränkungen um Weihnachten sehr unwahrscheinlich. „Wir rechnen mit einer Welle im Herbst, die früher als in den vergangenen Jahren kommen wird, da keine dämpfenden Maßnahmen wie Masken mehr vorhanden sind. Die Infektionshöhe wird ähnlich der im Vorjahr sein, womöglich eine Spur höher. Davon wird aber nur ein Bruchteil gemessen werden“, erklärt Christoph Urach von dwh (Technical Solutions Simulations Services). Der Simulationsforscher hält eine Überlastung der Spitäler und die Rückkehr von Maßnahmen für unwahrscheinlich. Nicht absehbar ist allerdings, ob eine neue und virulentere Variante auftritt. „Die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering, ausschließen kann man dieses Szenario aber nicht“, so Urach. Tritt dieses ungünstige Szenario tatsächlich ein, werden Lockdowns und Maßnahmen erneut diskutiert werden müssen.

Ältere Frau mit Mundschutz-Maske blickt aus dem Fenster. | Credit: iStock.com/lucigerma