"Respektvolle Tötung": Tierpark schockt mit Ankündigung
Inhalt
Im Tierpark Bern spitzt sich eine emotionale Debatte zu. Was als Erfolg moderner Tierhaltung begann, stellt den Zoo Bern nun vor eine dramatische Herausforderung. Dank besserer Pflege, medizinischer Betreuung und optimierter Fütterung werden die Tiere immer älter. Doch genau dieser Fortschritt führt dazu, dass vermehrt alte Tiere getötet werden müssen, um Platz für den Nachwuchs zu schaffen. Tierarzt Stefan Hoby spricht im Gespräch mit "Der Bund" offen darüber, dass im Tierpark Bern künftig häufiger alte Tiere getötet werden. Eine Entwicklung, die viele Tierfreunde schockiert und die Diskussion rund um Artenschutz neu entfacht.
Tierpark Bern Tötung: Hintergrund
Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass Zoo-Populationen weltweit überaltern. Auch der Tierpark Bern ist betroffen. Ältere Tiere pflanzen sich weniger fort. Fehlt der Nachwuchs und sterben gleichzeitig mehrere betagte Tiere, kann eine Population langfristig schrumpfen. Der Artenschutz ist jedoch die zentrale Aufgabe moderner Zoos. Ziel ist es, Tierarten europaweit durch koordinierte Zuchtprogramme zu erhalten, ohne neue Tiere aus der Wildnis zu entnehmen. Gerät die Altersstruktur aus dem Gleichgewicht, gerät dieses System ins Wanken. Genau hier liegt das Dilemma im Zoo Bern.
Tierpark Bern: Tiere getötet, um Arten zu sichern
Als Reaktion setzt der Tierpark Bern auf sogenanntes aktives Artenmanagement. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine harte Maßnahme. Ältere, kranke oder stark geschwächte Tiere werden gezielt getötet, um Platz und Perspektive für jüngere, fortpflanzungsfähige Tiere zu schaffen. Laut Verantwortlichen soll dies respektvoll und möglichst stressfrei erfolgen. Kritik kommt von Tierrechtsorganisationen, die das Vorgehen als ethisch problematisch bezeichnen. Dennoch ist der Zoo Bern mit dieser Praxis nicht allein. Laut der European Association of Zoos and Aquaria werden europaweit jedes Jahr mehrere tausend Tiere getötet, weil sie nicht in Zuchtprogramme passen oder es an Platz fehlt.