Wiesberger und Co.: Anderswo ein Star, Randnotiz in Österreich

Es ist das größte und mit Abstand prestigeträchtigste Golf-Event der Welt – und wenn von Freitag bis Sonntag im US-Bundesstaat Wisconsin zum 43. Mal der Ryder Cup ausgespielt wird, ist ermstals auch ein Österreicher beim großen Vergleichskampf zwischen den besten Golfern aus Europa und den USA mit dabei: Bernd Wiesberger. Damit steht der 35-Jährige am Gipfel seiner Karriere und in einer Reihe mit Allzeit-Größen wie Tiger Woods, Nick Faldo, Jack Nicklaus und Colin Montgomerie.

Star in der Golfwelt, nicht aber in Österreich

Wie der ganze Golfsport ist auch Bernd Wiesberger in Österreich eine Randnotiz: Sportinteressierte wissen, wer er ist, aber ein Star mit Breitenwirkung ist er nicht. Das ist in den USA und vor allem in Großbritannien, wo Golf ein Volkssport ist, anders – als elffachter Turniersieger auf der PGA-Tour, einem Gesamt-Karrierepreisgeld von knapp 15 Millionen Euro (das ist mehr als Thomas Muster) und nun vor allem als Ryder-Cup-Spieler hat Wiesberger dort echten Star-Status.

Das gilt umso mehr, wenn er in möglichen Duellen mit den US-Stars Morikawa, DeChambeau und Koepka, noch dazu auf US-Boden vor zehntausenden aufgeheizten US-Fans, erfolgreich spielen würde.

Mit diesem Schicksal ist Wiesberger in Österreich aber kein Einzelfall. Dass jeder in Österreich Bode Miller erkennen würde, aber so gut wie niemand in seiner Heimat USA, gilt analog auch für einige Österreicher.

Werner Schlager

Der Tischtennis-Weltmeister von 2003 - bis heute der letzte, die nicht aus China kommt - war damals Sportler des Jahres in Österreich. Aber das Nischendasein seiner Sportart und sein etwas sprödes Naturell verhinderten, dass er wirklich nachhaltig in Superstar-Sphären aufgestiegen wäre. In China, dem absoluten Mekka des Tischtennis, ist das anders: Dort kann sich Schlager kaum frei bewegen, er wurde einst sogar zum populärsten Sportler in China überhaupt gewählt. Als er für Olympia in Peking einflog, wurde er von chinesischen Tischtennis-Fans wie ein Popstar der Marke Michael Jackson empfangen, seine Popularität im Reich der Mitte ist ungebrochen. In Österreich ist es jedoch ruhig um den bald 49-Jährigen geworden.

Schlager dürfte übrigens überhaupt der letzte nicht-chinesische Einzel-Weltmeister bleiben: Denn der Weltverband plant, die WM zugunsten einer Major-Turnierreihe wie beim Tennis einzustellen.

Ludwig Paischer

Als zweifacher Europameister und Olympia-Silbermedaillengewinner ist "Lupo", wie der Flachgauer genannt wird, in Österreich beileibe kein Unbekannter. Weil sein Sport hierzulande aber nur einmal alle vier Jahre wirklich in den Fokus rückt und er sich den Klatsch-Spalten immer entzog, wurde auch kein Star aus ihm. In Japan, dem Heimatland des Judo, ist das anders: Dort ist Paischer, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Noriko auch seit Jahren lebt, auch recht passabel japanisch spricht und im Sportmarketing arbeitet, eine große Nummer.

Vanessa Herzog

Als Welt- und Europameisterin im Eisschnelllaufen, wie Vanessa Herzog, ist man vor allem in Holland berühmt. Dort ist das "Schaatsen" die neben Fußball bedeutendste Sportart überhaupt und die dortigen Stars sind Werbe-Millionäre und Fan-Ikonen wie bei uns Marcel Hirscher und Hermann Maier. In Österreich ist die Innsbruckerin Herzog bestenfalls eine Randerscheinung. In den Niederlanden ist das anders – vor allem, weil Herzog einige Zeit in der renommierten holländischen Trainingsgruppe "Team Reggeborgh" engagiert war.

Fabio Wibmer

"Bitte wer?", werden sich jetzt viele denken. Aber der 26-Jährige Moubtainbiker aus Osttirol hat tatsächlich weltweite Prominenz – mit seinen 6,7 Millionen YouTube-Abonnenten und 1,2 MILLIARDEN Aufrufen seiner Videos sowie 2,1 Millionen Instagram-Followern sind seine Tricks und Downhill-Videos auf der ganzen Welt bekannt. Und das, obwohl er in tatsächlichen sportlichen Wettkämpfen "nur" einen Staatsmeistertitel im Mountainbike-Downhill vorzuweisen hat. Dank seines Sponsors Red Bull, zu deren Werbeträgern Wibmer seit 2017 gehört, kann er sich aber ganz auf seine Videos konzentrieren.

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Autor: Philipp Eitzinger, 24.09.2021