„Wer soll das Kind sein?“: Toto Wolffs Meisterstück
- Toto Wolff setzt auf einen Elfjährigen
- Hamilton geht, für Wolff steht der Nachfolger fest
- Zwei Sponsoren verlassen Mercedes wegen Antonelli
- Neun Rennen ohne Punkte: Die Kritik wird lauter
- 2026 liefert Antonelli die Antwort auf der Strecke
- Wolff rechnet mit seinen Kritikern ab
Zwei Sponsoren haben Mercedes wegen ihm verlassen. Kritiker hielten ihn für zu jung, andere Fahrer wollten sein Cockpit. Toto Wolff hat trotzdem auf Kimi Antonelli gesetzt. Jetzt ist der Italiener mit 20 Jahren der jüngste Formel-1-Weltmeister aller Zeiten. Hinter dem Titel steckt ein Plan, den der österreichische Mercedes-Teamchef bereits vor neun Jahren begonnen hat.
Toto Wolff setzt auf einen Elfjährigen
Als Antonelli 2017 gerade einmal elf Jahre alt war, hat Mercedes bereits Kontakt zu seiner Familie aufgenommen. Der Italiener war im Kartsport aufgefallen, hatte außergewöhnliche Leistungen gezeigt und das Interesse mehrerer Rennställe geweckt.
Auch Ferrari hatte den Buben damals im Blick. Antonelli durfte sogar den Simulator in Maranello ausprobieren. Zu einer Verpflichtung kam es allerdings nicht. Mercedes hat sich das Talent gesichert.
Wolff hat Antonellis Karriere anschließend über das Nachwuchsprogramm begleitet. 2022 gewann der Italiener die italienische und die deutsche Formel 4, ein Jahr später die Formula Regional European Championship. Für Wolff waren diese Ergebnisse mehr als ausreichend, um an Antonellis Zukunft in der Formel 1 zu glauben.
Kimi's greatest supporters 🫶 https://t.co/oONvMCC7ps
— Mercedes-AMG PETRONAS F1 Team (@MercedesAMGF1) November 2, 2026
Hamilton geht, für Wolff steht der Nachfolger fest
Als Lewis Hamilton Anfang 2024 seinen überraschenden Wechsel zu Ferrari ankündigte, begann die Suche nach einem Nachfolger. In den Medien wurden mehrere Namen gehandelt, darunter sogar der damals amtierende Weltmeister Max Verstappen.
Wolff aber hatte seine Entscheidung nach eigener Darstellung zu diesem Zeitpunkt längst getroffen. „In dem Moment, in dem er bestätigt hat, dass er zu Ferrari gehen wird, wusste ich, dass Kimi im Auto sitzen wird“, erklärt der Österreicher gegenüber Sky.
Kurz darauf hat er seinen Pressechef Bradley Lord und Technikdirektor James Allison informiert. „Ich habe ihnen gesagt: 'Kimi sitzt im Auto.' Die meinten nur: 'Wovon redest du?' Aber wir hatten die Daten.“
Zwei Sponsoren verlassen Mercedes wegen Antonelli
Antonelli war damals noch nicht einmal 18 Jahre alt. Eine Formel-1-Saison hatte er nicht bestritten, seine erste Formel-2-Saison verlief durchwachsen. Wolff wollte ihn trotzdem direkt in den Werks-Mercedes setzen. Die Entscheidung hat Mercedes sogar Geschäftspartner gekostet, wie er nach dem WM-Triumph in Mexiko enthüllt.
„Wir hatten zwei Sponsoren, die uns deswegen verlassen haben. Die haben mich gefragt: 'Kimi Antonelli, wer soll das Kind bitte sein?'“, erzählt der Teamchef. „Und es gab andere, die sind bis heute bei uns geblieben, und die ernten jetzt die Früchte“, sagt Wolff. Welche beiden Unternehmen ausgestiegen sind, verrät er aber nicht.
Bekannt ist, dass Tommy Hilfiger und Puma ihre Zusammenarbeit mit Mercedes Ende 2024 beendet haben. Ob es sich dabei um die von Wolff angesprochenen Sponsoren handelt, ist nicht bestätigt.
Neun Rennen ohne Punkte: Die Kritik wird lauter
2025 hat Antonelli sein Formel-1-Debüt gegeben. Der direkte Aufstieg aus der Formel 2 in Hamiltons Mercedes-Cockpit war ein gewaltiger Schritt. Und zunächst schien sich die Skepsis zu bestätigen.
Zwischenzeitlich blieb Antonelli neun Rennen in Folge ohne Punkte. Beim Grand Prix von Belgien in Spa erlebte er eines seiner schwierigsten Wochenenden. Laut Wolff flossen damals sogar Tränen.
Kritiker monierten, Antonelli hätte zunächst bei einem kleineren Team Erfahrung sammeln sollen. Auch Teamkollege George Russell war vor seinem Wechsel zu Mercedes schließlich drei Jahre für Williams gefahren. Wolff hat davon aber nichts wissen wollen. „Für uns, für mich persönlich, gab es nie auch nur den geringsten Zweifel“, sagt er.
Er habe von Anfang an mit mindestens zwei Jahren gerechnet, bis Antonelli sein Potenzial zeigen würde.
2026 liefert Antonelli die Antwort auf der Strecke
Und bereits im zweiten Jahr hat Antonelli die Formel 1 tatsächlich auf den Kopf gestellt. Nach seinem ersten Sieg in Shanghai gewann er auch in Suzuka, Miami, Montréal und Monaco. Insgesamt hat er in den ersten 19 Saisonrennen neun Siege gefeiert.
Sein erfahrener Teamkollege George Russell, der als Titelkandidat in die Saison gestartet war, konnte nicht mithalten. Antonelli hat sich in der Fahrerwertung abgesetzt und beim Großen Preis von Mexiko mit Platz drei den WM-Titel fixiert.
Mit 20 Jahren und 68 Tagen hat er Sebastian Vettel als jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte abgelöst. Zugleich ist er der erste italienische Champion seit Alberto Ascari 1953.
Wolff rechnet mit seinen Kritikern ab
Nach dem Titelgewinn erinnert Wolff an jene, die Antonelli das Mercedes-Cockpit nicht zugetraut haben. Die Zweifel seien ausschließlich von außen gekommen: von ehemaligen Partnern, anderen Teams, Fahrern und Medien.
„2025 war genau die Saison, die ich erwartet hatte“, erklärt Wolff. Das zweite Jahr sollte bestätigen, was Mercedes schon lange in Antonelli gesehen hatte. „Ich bin einfach unglaublich stolz auf das Team, darauf, dass alle weiterhin an ihn geglaubt haben. Und er hat geliefert.“