Bronze für Österreich! Vom Flüchtlingslager zum Edelmetall

Der Sieg von Radfahrerin Anna Kiesenhofer war eine der größten Sensationen der Olympia-Geschichte. Aber auch der dritte Platz von Judoka Shamil Borchashvili, "nur" auf Platz 36 in der Weltrangliste, ist eine faustdicke Überraschung.

Traiskirchen, Wels, Tokio

Als Elfjähriger ist er mit den Eltern und sieben Geschwistern aus dem Kaukasus nach Österreich gekommen, kam vorübergehend im Flüchtlingslager Traiskirchen unter. Später wurde die Familie im oberösterreichischen Gallspach (zwischen Wels und Grieskirchen gelegen) heimisch. Gemeinsam mit seinen Brüdern Kimran und Wachid - die drei bekamen 2017 die österreichische Staatsbürgerschaft - kam er zum Judo-Klub in Wels, wo sie vor allem Trainingspartner für Sabrina Filzmoser waren.

Die Grand Dame des heimischen Judo-Sports bescheinigte ihnen schon damals "unheimliches Potenzial" und Shamil, der älteste des Trios, etablierte sich tatsächlich in der erweiterten Weltspitze. Der große Durchbruch blieb aber bisher aus. Die Qualifikation für Olympia in Tokio gelang, die Medaillen-Hoffnungen im heimischen Judo-Lager lagen aber auf anderen.

Sensationen als Grundstein

Doch im Nippon Budokan, dem Wimbledon des Judo, lief der 26-Jährige zur Top-Form auf: In der 1. Runde besiegte er den amtierenden EM-Dritten Portugiesen Egutidze, danach Ex-Weltmeister und Gold-Kandidat Sagi Muki aus Israel - jeweils nach Verlängerung, wie auch beim Viertelfinal-Sieg über den Usbeken Boltabojev. Es folgte die Halbfinal-Niederlage gegen den Mongolen Mollaei.

Im Kampf um Bronze hätte er den Deutschen Ressel beinahe schon nach 12 Sekunden besiegt, nach 1:21 Minuten war die Sache aber erledigt: Borchashvili holte Bronze!

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Autor: Philipp Eitzinger, 27.07.2021