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Iranisches Nationalteam, das nicht an der Fußball-WM 2026 teilnehmen wird
Politische Zerreißprobe: Der Iran droht damit, die Fußball-WM 2026 in Nordamerika zu boykottieren.
Politische Zerreißprobe: Der Iran droht damit, die Fußball-WM 2026 in Nordamerika zu boykottieren.
APA-Images / AFP / ATTA KENARE

Paukenschlag bei WM: Iran sagt Teilnahme ab

11.03.2026 um 12:26, Marcel Toifl
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Der Iran schließt seine Teilnahme an der Fußball-WM 2026 praktisch aus. Sportminister Donjamali äußert schwere Vorwürfe gegen die USA.

Die Teilnahme vom Iran an der Fußball-WM 2026 wird aufgrund massiver politischer Spannungen immer unwahrscheinlicher. Der iranische Sportminister Ahmad Donjamali hat in einer offiziellen Stellungnahme einen Start der Nationalmannschaft in Nordamerika praktisch ausgeschlossen. Grund für die drohende Absage sind die eskalierenden militärischen Konflikte zwischen dem Iran und dem Co-Gastgeber USA.

Iran-Minister schließt WM-Teilnahme aus

In einem brisanten TV-Interview machte Irans Sportminister Ahmad Donjamali deutlich, dass das Land derzeit keine Basis für eine Entsendung des Teams zur Fußball-WM sieht. Das Turnier, das im Sommer 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, droht damit einen seiner Teilnehmer zu verlieren. „Es herrschen keine Bedingungen, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen“, konstatiert Donjamali unmissverständlich.

Der Minister verweist dabei auf die direkten militärischen Auseinandersetzungen mit den Vereinigten Staaten. Die USA greifen seit Ende Februar Ziele im Iran an, was eine friedliche Teilnahme an einem Sportfest in Nordamerika aus Sicht Teherans demnach unmöglich machen würde.

Scharfe Vorwürfe gegen die USA

Die Wortwahl der iranischen Führung verschärft sich zusehends. Donjamali bezeichnete die US-Administration als „korrupte Regierung“, die für den Tod iranischer Führungspersönlichkeiten verantwortlich sei. Besonders schwer wiegen die Vorwürfe hinsichtlich der zivilen Opfer: „Angesichts der bösartigen Maßnahmen, die gegen den Iran durchgeführt wurden, wurden uns innerhalb von acht oder neun Monaten zwei Kriege aufgezwungen, und mehrere tausend unserer Menschen wurden getötet. Daher haben wir definitiv keine Möglichkeit zu einer solchen Teilnahme“, so der Minister weiter.

Besonders pikant: Laut Auslosung hätte der Iran bei der Fußball-WM alle drei Vorrundenspiele auf dem Boden der Vereinigten Staaten bestreiten müssen, was die Sicherheitsbedenken zusätzlich befeuert.

Trump sichert Iran Startrecht zu

Trotz der feindseligen Rhetorik betont die FIFA, dass der Iran rein sportlich weiterhin fester Bestandteil der Fußball-WM ist. FIFA-Präsident Gianni Infantino suchte das Gespräch mit dem Weißen Haus, um Garantien für die Sportler zu erwirken. „Während der Gespräche bekräftigte Präsident Trump, dass die iranische Mannschaft natürlich herzlich eingeladen sei, an dem Turnier in den Vereinigten Staaten teilzunehmen“, berichtet Infantino nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump.

Die WM 2026, die erstmals mit einem erweiterten Feld von 48 Nationen ausgetragen wird, soll am 11. Juni starten – mit oder ohne derAuswahl aus Teheran.

Boykott noch nicht endgültig

Noch ist die Tür für eine diplomatische Lösung einen Spalt breit offen, eine endgültige Entscheidung über den Boykott steht aus. Dennoch herrscht auch im iranischen Verband große Skepsis. Verbandspräsident Mehdi Tadsch äußert sich kritisch über die vermeintliche politische Instrumentalisierung des Sports: „Welcher vernünftige Mensch würde seine Nationalmannschaft in die USA schicken, wenn es bei der WM genauso politisch zugehen sollte wie in Australien“, fragt Tadsch rhetorisch. Fünf Spielerinnen des Iran haben in Australien humanitäres Asyl erhalten, nachdem sie erklärt haben, nicht in das Konfliktgebiet zurückkehren zu wollen.

Der Iran hatte sich bereits im März des Vorjahres sportlich souverän für die WM qualifiziert. In der Gruppenphase träfe das Team laut aktuellem Spielplan auf Belgien, Neuseeland und Ägypten.

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