Keiner in New York dabei: "Hirscher-Syndrom" in Österreichs Tennis

Am 25. November 1986 schlugen Ivan Lendl, Martina Navratilova und Co. bei den Australian Open auf. Damals wurde das Turnier noch am Ende des Jahres ausgetragen, noch auf Rasen und noch im alten Stadion von Kooyong, einem Vorort von Melbourne...

Und damals war zuletzt weder ein Mann noch eine Frau aus Österreich bei einem Grand Slam im Einzel am Start. Wie bei den nun startenden US Open 2021, genau ein Jahr nach Dominic Thiems großem Triumph in New York!

Österreich-freie Zone

Immerhin: Anders als damals versuchten sich wenigstens ein paar heimische Spieler in der Qualifikation - aber weder Jurij Rodionov noch Julia Grabher oder Barbara Haas überstanden die drei Quali-Runden. Einzige Mini-Chance noch: Falls ein Spieler aus dem Hauptfeld bis morgen absagt, könnte Rodionov mit Losglück als "Lucky Loser" ins Hauptfeld nachrücken...

Aber selbst wenn: Hinter Dominic Thiem klafft eine unglaubliche Lücke. Weder bei Frauen noch bei Männern ist noch jemand aus Österreich überhaupt in den Top-100 der Weltrangliste. Dennis Novak, der zu Beginn letzten Jahres diese Marke geknackt hat, ist auf Rang 125 zurückgefallen - und das ist immer noch besser als Jurij Rodionov, mittlerweile 22 Jahre alt und dem Talente-Alter längst entwachsen, jemals war.

Bald auch Thiem aus Top-100 draußen?

Bei den Frauen wartet Österreich überhaupt schon seit sieben Jahren auf eine Top-100-Platzierung, Barbara Haas pendelt als heimische Nummer eins zwischen Platz 140 und 170. Die Zeiten von Bammer, Schett, Paulus und Wiesner: Eine verblassende Erinnerung.

Ohne jeglichen Einsatz wird Thiem bis Jahresende etwa auf Platz 30 im ATP-Ranking zurückfallen und sollte er auch in Melbourne in Jänner 2022 nicht antreten können oder früh ausscheiden, rasselt er etwa auf Platz 100 zurück - schließlich fallen die Punkte von seinem Final-Einzug 2020 aus der Wertung. Es ist also durchaus möglich, dass Österreich in einem halben Jahr weder bei den Männern noch bei den Frauen nicht mehr in den Top-100 vertreten ist.

Fast wie beim ÖSV zur Hirscher-Zeit

Die Situation ist vergleichbar mit jener bei den ÖSV-Technik-Herren, als Marcel Hirscher alles dominierte. Von 2011 bis zu seinem Karriere-Ende 2019 hat es in acht Jahren insgesamt 60 ÖSV-Siege in Riesenslaloms und Slaloms gegeben - davon 58 von Hirscher. Jahrelang haben die Erfolge einer Ausnahme-Erscheinung übertüncht, dass dahinter sehr, sehr wenige Talente nachkamen.

Und als Hirscher weg war, tauchte der beste Österreicher im Riesenslalom-Weltcup 2019/20 gar nur auf Platz 17 auf. Was im Ski-Weltcup für den ÖSV in der Wertigkeit einem Tennis-Ranking von etwa 170 entspricht...

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Autor: Philipp Eitzinger, 30.08.2021