Hamilton vs. Verstappen: Die Formel 1 hat ihr Hass-Duell!

Die verbalen Giftpfeile fliegen schon länger hin und her. Nun sind beim Grand-Prix von Saudi-Arabien zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton schon zum dritten Mal in dieser Saison auch die Karbonteile geflogen - der nächste Crash nach dem High-Speed-Unfall von Silverstone und dem Huckepack-Manöver von Monza.

Wenn das Tischtuch vor dem Foul von Jeddah - als Verstappen unvermittelt bremste, um Hamilton vorbeizulassen, dieser jedoch verwirrt auf Verstappen auffuhr - noch nicht zerrissen war, spätestens jetzt ist es das. Verstappen war nicht mehr der gereifte Titelkandidat, sondern wieder der "Mad Max" von früher, der sich aufführt wie ein bockiger Teenager. Hamilton verhielt sich wie ein gehetzter Oberstufen-Streber, der sich bei jeder Gelegenheit beklagt, wie fies die kleinen Gfraster zu ihm sind.

Vorbilder waren beide nicht.

Tiefste Abneigung auf allen Ebenen

"Max hat das bewusst gemacht, um mich in einen Crash zu locken", maulte Hamilton. "Ich weiß nicht, was los war mit ihm", gab sich Verstappen unschuldig. Dass er seinen Rivalen bewusst abbremsen und vor der DRS-Zone vorbeilassen wollte, um sofort zu kontern, gehört aber auch zur Wahrheit dazu.

"Max' Fahrstil gehört eine strengen Überprüfung unterzogen", giftet Mercedes-Boss Toto Wolff. "Hamilton fährt hinterlistig, er kriegt nur zurück, was er selbst oft macht", giftet Red-Bull-Teamchef Christian Horner zurück. Schon seit Monaten überziehen sich die Teams gegenseitig mit Protesten, Schuldzuweisungen und werfen dem jeweils anderen schmutzige Tricks vor.

Was an der saudi-arabischen Rotmeer-Küste passiert ist, war der vorläufige Höhepunkt. Ob am Sonntag, wenn sich im letzten Rennen in Abu Dhabi die WM entscheidet, alles noch weiter eskaliert?

Hass-Duelle in der Formel-1-Geschichte

Das letzte Mal, dass sich zwei Titel-Rivalen so beflegelten, waren Ayrton Senna und Alain Prost 1989 und 1990. Erst biss Senna seinen Rivalen aus dem damals dominierenden McLaren-Team, wofür sich Prost revanchierte: Er rammte im entscheidenden Rennen Senna, fixierte somit den Titel. Ein Jahr später folgte die Rache Senna, in dem er selbst Prost durch einen Rammstoß die letzte Chance nahm.

Hamilton selbst war in seiner Debüt-Saison 2007 schon in ein ähnliches Duell verwickelt - der Grant von Teamkollege Fernando Alonso richtete sich aber eher gegen das McLaren-Team, weniger gegen den jungen Hamilton, gegen den er sich nicht genug unterstützt sah. Launige Werbespots für Mercedes gab's nur am Beginn ihrer Partnerschaft.

Die Boshaftigkeit zwischen Nelson Piquet - Verstappens Schwiegervater in spe - und Nigel Mansell ging 1986 und 1987 so weit, dass sie sich gegenseitig das Klopapier versteckten, wenn der andere Durchfall hatte. Mansell warf den Titel 86 weg, Piquet holte ihn 87.

Auch bei den Ferrari-Kollege Gilles Villeneuve und Didier Pironi regierte spätestens ab Frühjahr 1982 der blanke Hass. Mit tragischen Folgen: Villeneuve verunglückte in Zolder in blinder Wut auf Pironi tödlich, Pironi selbst musste vier Monate später nach einem schweren Unfall seine eigene Karriere beenden, er starb fünf Jahre später bei einem Motorboot-Unfall.

In unterschiedlichen Teams

Was auffällt: Die ärgsten Rivalitäten fanden praktisch immer bei Teamkollegen statt, die zusätzlich um die Vorherrschaft im Rennstall kämpften - bei McLaren, bei Williams, bei Ferrari.

Das macht das Hass-Duell zwischen Mercedes-Pilot Hamilton und Red-Bull-Fahrer Verstappen so einzigartig...

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Autor: Philipp Eitzinger, 06.12.2021