Das letzte Original tritt ab: Fünf Gründe, warum wir Formel-1-Star Räikkönen lieben

Die Marke von 350 Rennen wird sich noch ausgehen. Aber dann ist Schluss! 20 Jahre und 10 Monate nach seinem Formel-1-Debüt wird Kimi Räikkönen am Ende der laufenden Saison seine Karriere in der Königsklasse beenden. Seine dann (vermutlich) 351 Rennstarts sind Rekord, Fernando Alonso könnte die Marke in zwei Jahren knacken. Der bald 42-jährige Finne war 2007 der letzte Weltmeister für Ferrari und er hatte eigentlich zwei Karrieren in der Formel 1. Denn 2010 und 2011 ist der Tausendsassa in der Rallye-WM an den Start gegangen.

Das macht Kimi zum Kult-Star:

"Lass mich in Ruhe, ich weiß was ich tue!"

Kimi am Boxen-Funk – das hat oftmals Kabarett-Format. Wie er seine Ingenieure anpflaumt, über Gegner flucht und einfach er selbst ist – damit könnte man Bücher füllen.

Originelles Verhalten, ungeschliffene Interviews

2018 tat Kimi im letzten Rennen alles, um in der WM noch von Platz drei auf Rang vier zurückzufallen. Warum? Weil er sich die FIA-Gala sparen wollte, wo er als WM-Dritter dabei sein musste, was sich, allen Bemühungen zum Trotz, nicht verhindern ließ. Räikkönen kam – sturzbetrunken. Keinesfalls vorbildlich und einem Lewis Hamilton würde das nicht im Traum einfallen.

Auch seine einsilbigen und zuweilen rohen Interview-Antworten sind legendär. Auf die Frage, warum er die Abschieds-Zeremonie beim letzten Rennen von Michael Schumacher schwänzte, sagte er nur: "Ich war am Sch***haus!"

Für jeden Spaß zu haben

Ein Rennen auf Rasenmähern gegen die Ex-F1-Piloten und nunmehrigen TV-Experten Martin Brundle und Paul di Resta? Kimi ist dabei! Winter-Zeitvertreib mit Driftrennen in finnischen Winterlandschaften? Kimi ist dabei — Stilecht unter dem Namen "James Hunt", in Erinnerung an den F1-Playboy der 1970er! Kart-Rennen gegen seinen sechsjährigen Sohn Robin? Kimi ist dabei. Und auch am Snowboard fühlt sich Räikkönen heimisch.

Alles außer gewöhnlich

Ob ihm sein Image egal ist oder ob er es im Gegenteil bewusst pflegt, sei dahingestellt. Aber kaum eine Szene hat sich in den letzten 20 Jahren so sehr als "Typisch Kimi" ins Gedächtnis eingebrannt, wie sein Ausfall beim Rennen von Monte Carlo im Jahr 2006. Anstatt zurück zu den Boxen zu gehen, bog Kimi ab und verkroch sich auf seiner Yacht - mit einem Drink in der Hand, während das Rennen noch 45 Minuten weiter an ihm vorbei raste.

Der schnellste Mann der Nuller-Jahre

2001 kam der damals blutjunge Räikkönen nur mit einer Sondergenehmigung in die Formel 1, Teamchef Peter Sauber drückte ihn gegen den ausdrücklichen Willen seines damaligen Hauptsponsors von Red Bull durch (Mateschitz wollte seinen "eigenen" Piloten Enrique Bernoldi im Cockpit sehen). Er beeindruckte sofort, wurde 2002 bei McLaren Nachfolger von Mika Häkkinen und war sofort schnell. 2003 wurde er beinahe Weltmeister, 2005 war er der schnellste Fahrer im Feld – erst scheiterte an Michael Schumacher, dann an zu vielen Defekten.

Zu dieser Zeit hatte Räikkönen fraglos mehr Pace als Michael Schumacher und Fernando Alonso, die wegen ihrem weniger fragilen Material die WM-Titel holten.

Der Wechsel zu den völlig anders gebauten Bridgestone-Reifen nach dem Michelin-Rückzug nach 2006 bremste Kimi, sein natürlich schneller Fahrstil passte nicht mehr. Dennoch erbte Räikkönen 2007 in seinem ersten Jahr bei Ferrari den WM-Titel, weil sich die Konkurrenten Fernando Alonso und Lewis Hamilton gegenseitig zerfleischten. Nach 2009 hatte Ferrari aber genug von der steigenden Lustlosigkeit Räikkönens, dem das Fahrverhalten der Bridgestone-Pneus die Freude am Fahren vergällte, und setzte ihn vor die Tür.

Nach zwei Jahren Rallye-WM kehrte er 2012 zurück, er war nicht mehr ultimativ schnell, aber immer zuverlässig. Das brachte ihm zwei Siege im guten, aber keineswegs überragenden Lotus und einen Vertrag bei Ferrari als Nummer 2 zunächst für Fernando Alonso, dann für Sebastian Vettel. In fünf Jahren gab es noch 22 Podest-Plätze und einen Sieg. In den letzten drei Jahren fuhr er bei Alfa Romeo noch hinterher – eher aus Spaß am Rennfahren, längst nicht mehr getrieben von Ehrgeiz.

Und jetzt? Jetzt ist Schluss.

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Autor: Philipp Eitzinger, 03.09.2021