Formel-1-Legende: Das war Sir Frank Williams

Als Fahrer hatte er es nur bis zur Formel 3 gebracht, darum verlegte er sich schon als Mittzwanziger darauf, sein eigenes Team aufzuziehen. 1968 kam er in die Formel 1, mit seinem persönlichen engen Freund Piers Courage am Steuer. Dieser kam bei einem Rennunfall in Zandvoort 1970 ums Leben - für Jahre war der persönlich gebrochene Williams nur am Kämpfen, um finanziell zu überleben. Er verkaufte sein Team an Walter Wolf und zog 1977 ein völlig neues Team auf.

Erste Blütephase mit Saudia

1978 riss er Sponsor-Millionen der arabischen Fluglinie Saudia auf - mit diesem Geld konnte sein Chef-Konstrukteur Patrick Head in Rekordzeit ein Top-Auto bauen. Schon im Herbst 1979 setzte Williams mit Alan Jones und Clay Regazzoni zu Seriensiegen an, 1980 wurde Jones Weltmeister. Im Jahr darauf verlor Williams den Titel erst im letzten Rennen, 1982 holte er ihn sich mit Keke Rosberg am Lenkrad zurück.

Zweite Blütephase mit Honda

1984 schloss Williams einen Vertrag mit Honda ab, die Japaner waren dabei, einen Top-Turbomotor zu bauen. Nach einzelnen Siegen 1984 und 1985 dominierte Williams 1986 mit Nigel Mansell und Nelson Piquet am Steuer, gewann 9 der 16 Rennen, der WM-Titel ging aber im letzten Rennen verloren – auch, weil die teaminterne Rivalität zwischen den Piloten in der reha-bedingten Abwesenheit von Frank Williams nach dessen schwerem Unfall (der ihn an den Rollstuhl fesselte) außer Kontrolle geriet. Im Jahr darauf gab es kein Halten mehr, Piquet sicherte Williams den dritten WM-Titel.

Dritte Blütephase mit Renault

Nachdem sich Honda zu Konkurrenz McLaren verabschiedet hatte, stand Williams wieder vor einem Neuaufbau. Mit den Aggregaten von Renault und mit Super-Designer Adrian Newey - der derzeit für Red Bull arbeitet - ging es aber schnell wieder bergauf. 1991 war Mansell lange im Titel-Rennen, ehe er 1992 praktisch unschlagbar war und sein Nachfolger Alain Prost 1993 ähnlich mühelos Weltmeister wurde.

Nach dem Tod von Ayrton Senna 1994 - neben Courage der einzige tödliche Unfall in einem Williams-Wagen - stieg Damon Hill zum Konkurrenten für Michael Schumacher auf. Zweimal scheiterte Hill knapp, ehe er 1996 Weltmeister wurde. Im Jahr darauf folgte ihm Jacques Villeneuve nach, ehe sich Renault zurückzog.
 

Vierte Blütephase mit BMW

Auf der Suche nach dem nächsten Wunder-Motor wurde Williams bei BMW fündig, als diese einen Partner für den Neueinstieg 2000 suchten. Sechs Jahre lang dauerte die Partnerschaft, gemeinsam gewann man mit Juan-Pablo Montoya und Ralf Schumacher zehn Rennen und war 2003 ernsthaft im Rennen um den Gesamtsieg.

Die Motoren von BMW waren die stärksten Antriebe ihrer Zeit, aber die Qualität der Autos konnte nicht mehr mithalten. Die Formel 1 wurde langsam zu groß für Williams, der immer darauf stolz war, alles selbst zu produzieren. Nach 2005 nahm BMW frustriert Abschied und ging mit einem eigenen Werksteam an den Start, nachdem Williams den Rennstall nicht an die Münchner verkaufen hatte wollen.

Frustrierende letzte Jahre

Die Konkurrenz wuchs Williams zunehmend über den Kopf. Nach der BMW-Trennung gab es nur noch einen einzigen Rennsieg - Maldonado in Barcelona 2012 - und zwei starke Jahre mit Mercedes-Power 2014 und 2015. Williams wurde bis ans Ende des Feldes durchgereicht, letztes Jahr erfolgte der Verkauf an die US-Investment-Firma Dorilton Capital.

Der "Rollstuhl-General" ist tot

Williams, stets schlank und top-fit, ist seit einem Autounfall 1986 auf den Rollstuhl angewiesen gewesen, was ihm den Beinahmen "Rollstuhl-General" eingebracht hat. Er war in den letzten 35 Jahren seines Lebens stets auf 24-Stunden-Pflege angewiesen, verlor aber niemals seine Lust an der Formel 1. Siebenmal gewannen seine Fahrer den WM-Titel (Jones 1980, Rosberg 1982, Piquet 1987, Mansell 1992, Prost 1993, Hill 1996 und Villeneuve 1997), neunmal war Williams den beste Konstrukteur (1980, 1981, 1986, 1987, 1992, 1993, 1994, 1996, 1997), es gab 114 Grand-Prix-Siege.

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Autor: Philipp Eitzinger, 30.11.2021