Nach öffentlicher Kritik: Gottwald legt nach

Die Wogen gingen hoch, als Felix Gottwald Anfang November die Pandemie-Maßnahmen der Regierung in einem offenen Brief aufs schärfste kritisierte und gleichzeitig seinen Rückzug als Vorsitzender der Breitensportkommission der Bundes-Sport GmbH bekanntgab. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Der ehemalige Spitzensportler setzte damit nach eigenen Angaben ein persönliches Zeichen des Protests "gegen die Ausgrenzung vom sozialen und damit auch vom sportlich bewegten Leben". In seinem Brief schrieb Felix Gottwald unter anderem, er habe jegliches Vertrauen in die Regierung verloren.Spaltung, Hetze, Diskriminierung - das seien in seinen Augen die Regierungsgebote der Stunde…

Gottwald distanziert sich von FPÖ

Während Vizekanzler Werner Kogler, an den Gottwalds Brief gerichtet war, den Rückzug des Salzburgers bedauerte, nutzte die impfkritische FPÖ die Worte des Vorzeigesportlers für parteipolitische „Werbung“ auf Social Media. Der Salzburger setzte sich daraufhin gegen die Vereinnahmung zur Wehr und leitete rechtliche Schritte ein. In einem persönlichen Facebook-Posting wandte er sich nun erneut an die Öffentlichkeit – und speziell an all jene, die auf seinen Brief mit Zustimmung oder Ablehnung reagiert hatten. Er habe "viel erlebt" in den letzten Tagen und seine Stimme erhoben, "weil ich es nicht mehr ausgehalten habe". Sein offener Brief habe ihm viel Zuspruch eingebracht, aber: "Ich kann euch auch sagen: Es ist in diesen Tagen nicht immer bequem, eine Meinung zu haben."

Das schreibt Felix Gottwald in seiner persönlichen Nachricht

„Ich möchte mich von Herzen für die vielen Zuschriften, E-Mails und Rückmeldungen, die mich über die unterschiedlichsten Postkasteln und Kanäle erreicht haben und nach wie vor erreichen bedanken. Es ist mir leider unmöglich, sie alle zu beantworten, wenngleich (fast) jeder und jede Einzelne sich eine persönliche Antwort verdient hätte. Und ja, ich bin froh darüber, dass wir nicht alle einer Meinung sind und dass Meinungsvielfalt und Diskurs als Werte in unserer Gesellschaft noch existieren. Ich bin aber auch froh darüber, dass die überwältigende Mehrheit von euch Bezug genommen hat auf jene Zeilen, die ich geschrieben habe. Und ich übe mich in Verständnis für all jene, die sich hinreißen haben lassen, das zu kommentieren, was Dritte über meine Zeilen kommentiert und in sie hineininterpretiert haben. Ich kann euch sagen: Ich habe viel erlebt in den vergangenen Tagen. Ich bekam Einblick in so viele Schicksale, von denen es die meisten niemals in den medialen Mainstream schaffen werden. Ich habe meine Stimme erhoben, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, es nicht zu tun. Dass dies schon als „Zivilcourage“ verbucht wird, hätte ich mir in dem Ausmaß bis vor Kurzem in unserem Land nicht vorstellen können. Ich habe vielen „aus der Seele gesprochen“, viele halten das, was ich getan habe, für „mutig“, viele hoffen, dass sich nun „auch andere trauen, ihre Stimme zu erheben“. Ich kann euch aber auch sagen: Es ist in diesen Tagen nicht immer bequem, eine Meinung zu haben.  Ein Dankeschön den Mutigen unter euch, die mich ermutigen. Danke für die vielen Geschichten, die mich zu Tränen rühren. Und vielen Dank auch jenen, die mich aufs Wüsteste beschimpft und sich wenige Minuten später dafür wieder entschuldigt haben. Ich persönlich werde auch in Zukunft eigenes Denken bevorzugen. Und nein, ich gehöre keiner politischen Partei, keiner Ideologie und keiner Gruppierung an und lasse mich von nichts und niemandem vereinnahmen. Ich mache lediglich Gebrauch von meinem Recht der freien Meinungsäußerung. Für mich bleibt die Würde des Menschen und damit auch meine eigene Würde unantastbar. Passend dazu: Unsere ältere Tochter (7) hat uns neulich beim Mittagessen gefragt: „Welcher Mensch ist der mächtigste auf der ganzen Welt?“ Daraufhin unaufgeregt unsere Jüngere (6): „Jeder Mensch für sich selbst.“

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Autor: Sandra Eder, 25.11.2021