Stars & Stripes: Österreicher, die US-Ligen rock(t)en

Wir nehmen Bernhard Raimanns Premierensaison in der NFL zum Anlass, um einen Blick auf erfolgreiche österreichische Kapitel in der US-amerikanischen Sportgeschichte zu werfen.
Autor: Stefan Kohlmaier, 23.09.2022 um 09:45 Uhr

Als Bernhard Raimann zum Auftakt der diesjährigen Saison der National Football League (NFL) im Dress der Indianapolis Colts auf der Position des Offensive Tackle vor knapp 70.000 Zuschauern im NRG Stadion von Houston auflief, war vielen US-amerikanischen Fans die historische Tragweite dieses Ereignisses wahrscheinlich gar nicht bewusst: Mit Raimann ist Österreich zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder personell in der stärksten Football-Liga der Welt vertreten. Darüber hinaus ist der Wiener der erste Austro-Legionär, der nicht auf die Rolle des Kickers abonniert ist. Der 1,98 Meter große Hüne ist jedoch nicht der erste Österreicher, der in einer US-Profiliga für Furore sorgte.

Toni Fritsch

Bereits zu Beginn der 1970er-Jahre eroberte die 2005 im Alter von 60 Jahren viel zu früh von uns gegangene Rapid-Legende Toni Fritsch die Herzen der Fans der Dallas Cowboys im Sturm. Der Freistoßspezialist, der mit den Hütteldorfern drei Bundesligatitel bejubeln durfte, war für das texanische Kult-Team von 1971 bis 1975 als Kicker im Einsatz und krönte sich 1972 zum ersten heimischen Super Bowl-Sieger. Fritsch gelang damit das bis dato einmalige Kunststück, sowohl in einer professionellen Fußball- als auch einer Footballliga Meisterschaftsehren zu erlangen. Bevor seine NFL-Karriere schlussendlich 1982 ihr Ende fand, stand er noch in Diensten der San Diego Chargers, Houston Oilers sowie New Orleans Saints und erzielte dabei in insgesamt 125 Partien 137 Field Goals.

Thomas Vanek

Der in Baden geborene Thomas Vanek ging zwar nicht als erster Österreicher in der Eliteeishockeyliga NHL auf Puckjagd, kann jedoch die bisher erfolgreichste Ausbeute vorweisen. Seine Blütezeit erlebte er im Dress der Buffalo Sabres, bei denen er von 2005 bis 2013 unter Vertrag stand und dabei gleich mehrere Rekorde aufstellte. So war er unter anderem der erste Österreicher, der sich in die Torschützenliste zu den NHL-Playoffs eintrug, zum Kapitän einer NHL-Mannschaft bestimmt wurde und zum Torschützenkönig eines NHL-Teams avancierte. 2007 wurde ihm zudem der Titel „Österreichs Sportler des Jahres“ zuerkannt – womit bis heute kein zweiter Eishockeyspieler bedacht wurde.

Andreas Ivanschitz

Das Gastspiel des ehemaligen Kapitäns der österreichischen Fußballnationalmannschaft in der MLS (Major League Soccer) gestaltete sich als kurzes, jedoch erfolgreiches Intermezzo. Von 2015 bis 2017 zählte er zur Stammformation der Seattle Sounders, mit denen er 2016 den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte feierte. Mit einem souverän verwandelten Penalty im Elfmeterschießen des entscheidenden Finalspiels gegen Toronto FC hatte er zudem wesentlichen Anteil an dem historischen Triumph.

Jakob Pöltl

Um einen weiteren Debütanten handelt es sich bei dem Wiener Jakob Pöltl, der 2016 als erster Österreicher das Parket der National Basketball Association (NBA) betrat. Der 2,16 Meter große Center begeisterte die Fans, während seiner ersten beiden Saisonen für die Toronto Raptors, unter anderem mit seinen wuchtigen Slam Dunks, die ihm den Spitznamen „The Austrian Hammer“ einbrachten. Seit 2018 ist Pöltl ein Teil der Mannschaft des fünffachen NBA-Champions San Antonio Spurs. Des Weiteren wurde das Online-Computerspiel Poeltl, bei dem es täglich einen NBA-Spieler zu erraten gilt, nach ihm benannt

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme des ehemaligen Sportsman's Park der Baseball-Mannschaft St. Louis Cardinals

Kurt Krieger

Eine ehrende Erwähnung verdient außerdem der gebürtige Traisner Kurt Krieger. Er ist der bis zum heutigen Tag einzige Österreicher, der den ausgesprochen hohen Qualitätsansprüchen der MLB (Major League Baseball) gerecht werden konnte und daher von einem Team der US-amerikanischen Baseballliga unter Vertrag genommen wurde. Nachdem er mit seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs in die Staaten ausgewandert war, brachte er es von 1949 bis 1951 auf drei Einsätze für die St. Louis Cardinals. Krieger verstarb bereits 1970, einen Monat vor seinem 44. Geburtstag, in seiner neuen Wahlheimat an den Folgen einer Krebserkrankung.