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Allan McNish im Interview über Audi und den Einstieg in die Formel 1
Allan McNish spricht im Interview über Audis Einstieg in die Formel 1, den Druck auf junge Talente und den schwierigen Weg an die Spitze.
Allan McNish spricht im Interview über Audis Einstieg in die Formel 1, den Druck auf junge Talente und den schwierigen Weg an die Spitze.
APA-Images / dpa Picture Alliance / HZ

Allan McNish: „Talent allein bringt dich nur bis in die Formel 3“

10.09.2026 um 12:16, Stefanie Hermann
min read
Allan McNish über Audis Formel-1-Start, warum Talent nur bis in die Formel 3 reicht, was junge Fahrer heute brauchen und wie hart der Weg nach oben wirklich ist

Für Audi ist die Formel 1 Neuland, für Allan McNish ist sie es nicht. 2022 hat der deutsche Hersteller seinen Einstieg angekündigt, seit 2026 startet Audi mit dem übernommenen Sauber-Team und eigener Power Unit als Werksteam. McNish begleitet dieses neue Kapitel aus einer besonderen Perspektive: Der Schotte ist selbst in der Formel 1 gefahren, hat dreimal Le Mans gewonnen und über Jahre große Erfolge für Audi gefeiert. Heute ist er Racing Director des Formel-1-Teams und kümmert sich auch um den Nachwuchs. Im Interview spricht McNish darüber, wie Audi ein komplettes Team aus dem Boden gestampft hat, warum Talent allein keine Karriere garantiert und wann eine Frau den Sprung in die Formel 1 schaffen könnte.

Allan McNish im Steckbrief

Nationalität: Schottisch
Formel 1: Ehemaliger Formel-1-Pilot
Le Mans: Dreifacher Gesamtsieger
Audi: Langjähriger Audi-Werksfahrer und Motorsport-Legende
Heute: Racing Director des Audi F1 Teams und Leiter des Audi Driver Development Programme

Audi zum Formel-1-Einstieg: „Wir sind zu 95 Prozent dort“

Mit Audi ist nicht nur ein neues Formel-1-Auto entstanden, sondern auch eine völlig neue Organisation. Was war bisher die größte Herausforderung?
Allan McNish: Ich würde sagen, es gibt zwei große Herausforderungen. Einerseits erleben wir die größte Regeländerung in der Geschichte unseres Sports, weil sowohl die Power Unit als auch das Chassis betroffen sind. Es handelt sich um ein komplett neues Konzept und eine neue Arbeitsweise. Gleichzeitig ist das Ganze sehr komplex, etwa durch die zunehmende Elektrifizierung und den vollständig nachhaltigen Kraftstoff.

Die zweite große Herausforderung ist, all diese Bereiche zusammenzubringen. Wir haben in Neuburg ein Team für die Formel 1 aufgebaut. Die Entwicklung der Power Unit hat dort schon früher begonnen als der Aufbau des eigentlichen Rennteams.

Am Ende muss alles wie bei einem Rennwagen zusammenspielen. Motor, Power Unit und Chassis müssen gemeinsam funktionieren. Man kann die beste Power Unit haben, aber mit einem schlechten Chassis bekommt man die Leistung nicht auf die Straße. Umgekehrt gewinnt man mit einem großartigen Chassis nicht, wenn die Leistung oder Effizienz fehlt. Es braucht die richtige Balance.

Es geht nicht nur um die Power Unit, sondern darum, eine Struktur zu schaffen, in der alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten. Genau wie bei einem Auto müssen alle Bereiche zusammenspielen. Das Konzept steht, aber es braucht Zeit, bis jeder Teil wirklich funktioniert. Und jetzt, in Rennen acht von 22*, sind wir mittendrin. Jetzt ist es echter Rennbetrieb, mit all der Energie, die dazugehört.

Wie weit ist der Aufbau der Organisation inzwischen?
Allan McNish: Ich würde sagen, wir sind zu 95 Prozent dort, wo wir sein wollen. Natürlich kommen weiterhin neue Leute hinzu und wir verstärken einzelne Positionen. Matt Caller etwa ist als Chefmechaniker von Red Bull zu uns gekommen. Er war leitender Mechaniker am Auto von Max Verstappen und ist in Miami zu uns gestoßen.

Das Konzept und die grundlegende Struktur stehen aber. Jetzt geht es vor allem darum, weiterhin gemeinsam in dieselbe Richtung zu arbeiten. Bei großen Organisationen ist die Kultur entscheidend. Es geht darum, eine gemeinsame Arbeitsweise zu entwickeln und tatsächlich zu leben.

Können Sie einen konkreten Moment nennen, in dem Sie zum ersten Mal gedacht haben: Jetzt funktioniert es, jetzt wächst alles zusammen?
Allan McNish: Es gab viele solcher Meilensteine. Ein ganz besonderer Moment war aber, als wir die Power Unit zum ersten Mal in einem Chassis in Hinwil gestartet haben. Das war das erste Mal, dass das komplette Auto zum Leben erwacht ist. Mir stellen sich heute noch die Nackenhaare auf, wenn ich daran denke. Es war das erste lebendige Audi-Formel-1-Auto. Ein bisschen wie bei einem Baby, das zum ersten Mal schreit. Nur hat unsere Schwangerschaft deutlich länger als neun Monate gedauert.

Ein weiterer Meilenstein war, die Autos zum ersten Mal aus der Garage fahren zu sehen. Wir hatten sie schließlich zwei Jahre lang aufgebaut. Und dann kamen die ersten Punkte.

Für mich persönlich war das letzte Rennen in Barcelona ein Meilenstein, und zwar aus zwei Gründen. Unsere Mechaniker haben mit 2,2 Sekunden den zweitschnellsten Boxenstopp geschafft. Das ist eine große Leistung. Der zweite Punkt war, wie konkurrenzfähig wir waren und wie wir reagiert haben, als Nicos Auto wegen des Kieses ausgegangen ist. Auch dort haben wir einen großen Fortschritt gemacht.

Inwiefern? Ein Ausfall ist doch kein Fortschritt?

Allan McNish: Was ebenfalls wichtig ist: Wir sind inzwischen nicht mehr zufrieden damit, einfach nur dabei zu sein und mitzufahren. Wir sind frustriert, wenn uns Punkte entgehen, die eigentlich in unseren Händen lagen. Dasselbe ist uns in Monaco passiert, als Nico nach dem Zwischenfall mit Carlos Sainz eine Strafe bekommen hat und uns dadurch zwei Punkte verloren gegangen sind.

Für mich ist genau diese Enttäuschung ein gutes Zeichen für die Entwicklung des Teams: Wir haben mittlerweile den Anspruch, wirklich um Ergebnisse zu kämpfen. Deshalb sind wir enttäuscht, wenn wir Chancen durch Dinge verlieren, die wir nicht kontrollieren können.

Audi-Formel-1-Auto mit Nico Hülkenberg auf der Rennstrecke während eines Grand Prix
Audi ist seit 2026 mit einem eigenen Werksteam in der Formel 1 vertreten. Für das Projekt hat der Hersteller nicht nur ein neues Auto entwickelt, sondern auch eine neue Organisation aufgebaut.

McNish über Druck und Frustration: „Wir sind unsere härtesten Kritiker“

Es klingt ungewöhnlich, Enttäuschung als etwas Positives zu sehen. Normalerweise gilt sie eher als negatives Gefühl.
Allan McNish: Weil sie etwas über die Einstellung aussagt. Wenn man enttäuscht ist, weil man eine Chance verpasst hat, zeigt das, dass man die richtige Mentalität entwickelt. Diese Mentalität wird uns künftig Möglichkeiten eröffnen.

Wie wichtig ist der Umgang mit Frust speziell im Motorsport?
Allan McNish: Sehr wichtig. Für Sportler ist das aus zwei Gründen schwierig. Alle zwei Wochen steht man öffentlich auf der Bühne. Die Formel 1 ist ein globaler Sport. Heute kommt durch Social Media hinzu, dass Reaktionen unmittelbar und weltweit sichtbar sind. Man wird ständig danach beurteilt, wie konkurrenzfähig man im Vergleich zu anderen Teams oder Fahrern ist.

Gleichzeitig beurteilen wir uns selbst am härtesten. Ich schaue jeden Tag in den Spiegel und frage mich: Habe ich wirklich mein Bestes gegeben? Was hätte ich besser machen können?

Als Fahrer war das bei mir genauso. Wenn ich einen Fehler gemacht hatte, gab es Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte, weil ich so wütend auf mich selbst war. Wir sind unsere härtesten Kritiker. Aber genau darin liegt auch eine Stärke dieses Sports. Nach einem schlechten Rennen kommen wir zwei Wochen später zurück und bekommen die nächste Chance.

Aber wenn man nachts wachliegt, alles immer wieder durchdenkt und sich über Fehler ärgert: Wie geht man richtig mit dieser Frustration um?
Allan McNish: Man muss sie positiv nutzen und darf nicht zulassen, dass sie einen negativ beherrscht. Für mich lautet die wichtigste Frage immer: "Was können wir kontrollieren?"

Wir sind enttäuscht, wir sind frustriert. Aber was davon können wir tatsächlich beeinflussen? Darauf müssen wir uns konzentrieren. Dann geht man in kleinen Schritten vor. Man sucht sich jene Bereiche heraus, an denen man jetzt arbeiten kann, und hat gleichzeitig eine klare Strategie für das langfristige Ziel. Manchmal geht es deshalb auch darum, den Ehrgeiz und die Erwartungen der Menschen richtig zu steuern. Am Ende ist es ein Teamsport.

Was braucht es also, um langfristig erfolgreich zu sein?
Allan McNish: Ein klares Ziel, einen klaren Zeitplan, Menschen, die dieses Ziel verstehen und gemeinsam darauf hinarbeiten, dazu Geduld und einen guten Umgang mit Energie und Emotionen.

Nichts davon ist einfach. Wir sprechen hier von einigen der erfolgreichsten Rennfahrer der Welt. Für die Athleten ist das vergleichbar mit einem permanenten WM-Finale. Wer dort bestehen will, muss mit diesem Druck umgehen können.

Wie haben sich die Erwartungen an Formel-1-Fahrer verändert?
Allan McNish: Heute bekommt man sofort Reaktionen auf Ergebnisse und Leistungen. Gleichzeitig ist das Leben der Fahrer außerhalb der Rennstrecke viel wichtiger geworden. Fahrer sind heute globale Botschafter und gleichzeitig wird ihr Privatleben immer öffentlicher.

Der Weg in die Formel 1 wird immer härter

Wie hat sich der Weg in die Formel 1 in den vergangenen 20 Jahren verändert?
Allan McNish: Ich glaube weiterhin, dass sich die Besten am Ende durchsetzen. Aber der Weg ist heute deutlich schwieriger. Das durchschnittliche Leistungsniveau ist höher. Junge Fahrer arbeiten mit Simulatoren, Psychologen, Experten für körperliche Leistungsfähigkeit und Ingenieuren. Sie müssen sich vieles nicht mehr selbst beibringen, sondern werden schon sehr früh auf einem extrem hohen Niveau vorbereitet. Dadurch ist es schwieriger geworden, sich von den anderen abzuheben.

Nehmen wir Freddie Slater. Er ist 17 Jahre alt. Als ich mit dem Rennsport begonnen habe, war ich ebenfalls 17. Aber Freddie hat in diesem Alter bereits in der Formel 4 gewonnen, in der Formula Regional gewonnen und fährt bereits in der Formel 3 vor dem Formel-1-Publikum.

Das Rampenlicht trifft die Fahrer heute viel früher, gleichzeitig ist das Niveau höher. Der Druck auf junge Fahrer ist heute deutlich größer. Ich bin froh, dass ich in den 1980er- und 1990er-Jahren Nachwuchsfahrer war und nicht heute.

Stimmt es also nicht, dass man schon mit vier Jahren anfangen muss, um später Profi zu werden?
Allan McNish: Nein, das ist völlig falsch. Mit vier Jahren weiß niemand, ob ein Kind tatsächlich das nötige Talent hat. Menschen entwickeln sich unterschiedlich. Ein 15-Jähriger kann mental eher auf dem Niveau eines Zwölfjährigen oder eines 18-Jährigen sein. David Coulthard und ich sind gemeinsam aufgewachsen. Wir haben uns unterschiedlich schnell entwickelt, obwohl wir sogar im selben Krankenhaus geboren wurden.

Für mich gilt deshalb: Bis zum Alter von zwölf oder 13 Jahren sollte es vor allem Spaß machen. Kinder müssen Freude daran haben. Mit zehn Jahren sollte man nicht ständig über eine Karriere nachdenken.

Später wird der Rennsport ernst. Und dann muss man sehr vernünftig damit umgehen. Nicht jeder, der im Kartsport bei Europa- oder Weltmeisterschaften antritt, wird später eine erfolgreiche Karriere haben. Die allermeisten schaffen es nicht. Deshalb ist mir schulische Bildung sehr wichtig. Das dürfen wir nicht vergessen.

„Talent allein“ reicht nur bis in die Formel 3

An welchem Punkt gehen besonders vielversprechende Talente auf dem Weg zum Profi verloren?
Allan McNish: Oft verstehen sie nicht, was tatsächlich nötig ist. Wir hatten an diesem Wochenende vier Fahrer der ADAC Stiftung Sport hier. Sie sind alle schnell. Jeder Einzelne von ihnen. Aber ich suche nicht einfach einen schnellen Fahrer, denn davon habe ich 20 mögliche Kandidaten.

Ich suche denjenigen, der heraussticht. Denjenigen mit der richtigen Arbeitseinstellung. Jemanden, der bereit ist, mehr zu tun, der den Kontakt hält und versteht, dass der Beruf eines Rennfahrers aus mehr besteht, als Rennen zu gewinnen. Es geht auch darum, ein guter Teamkollege zu sein.

Was ist wichtiger: Talent oder harte Arbeit?
Allan McNish: Mit Talent allein wird man niemals gewinnen. Mit harter Arbeit allein ebenfalls nicht.

Aber mit harter Arbeit kann man sein Talent bis zum Maximum entwickeln. Wer sich ausschließlich auf sein Talent verlässt, kommt vielleicht bis in die Formel 3. Weiter nicht. Das ist für mich die Grenze, die Talent allein erreichen kann.

Sie arbeiten auch mit Emma Felbermayr zusammen. Welcher Rat war für sie besonders wichtig?
Allan McNish: Vielleicht lässt sich das besser erklären, wenn ich erzähle, warum ich mich überhaupt für Emma entschieden habe.

Bei einem Test waren zwei oder drei Fahrerinnen dabei. Es war ein kalter, regnerischer Tag in Pembrey in Wales. Nach ihrem ersten oder zweiten Run kam Emma zurück in den Truck. Sie nahm ihren Helm ab, kümmerte sich darum, räumte alles ordentlich weg und legte die Sachen zum Trocknen. Das zeigte mir Respekt vor ihrer Ausrüstung, Vorbereitung und Organisation.

Danach ging sie in den Besprechungsraum. Wenn sie sprach, war sie klar und präzise. Da wusste ich: Sie denkt strukturiert. Wenn ich oder ihr Ingenieur ihr einen Rat geben, wird sie ihn aufnehmen und damit arbeiten.

Das war für mich der entscheidende Unterschied. Sie war natürlich auch eine sehr gute Fahrerin. Aber die anderen kamen herein, legten ihren Helm irgendwo hin, die Sturmhaube lag irgendwo anders. Da fragt man sich schon: Findest du die später überhaupt wieder?

Wann fährt die erste Frau fix in der Formel 1?

Allan McNish: Und damit kommen wir zu einem größeren Punkt, den ich auch Emma vermittelt habe. Die Fahrerinnen in der F1 Academy bewegen sich in einem schwierigen Sport. Motorsport ist überwiegend männlich geprägt und sie kämpfen gegen viele Vorurteile von Männern.

Wir müssen sie in erster Linie als Athletinnen behandeln, genauso wie wir jeden männlichen oder weiblichen Athleten behandeln würden. Gleichzeitig sind Menschen unterschiedlich. Deshalb müssen wir uns jeden Athleten individuell ansehen und fragen: Was braucht diese Fahrerin, was braucht dieser Fahrer?

Bei Emma gab es dafür im vergangenen Jahr in Miami ein gutes Beispiel. Sie war konkurrenzfähig und kämpfte um einen Podestplatz. Dann wurde sie getroffen und musste das Rennen aufgeben. Das war unglaublich frustrierend. Ich ließ sie danach ein paar Stunden in Ruhe. Später, am Samstagabend, kam ich zurück in die Box und sah sie dort mit einem iPad sitzen. Ich dachte: "Klar, sie schaut sich die Daten an." Das würde schließlich jeder Rennfahrer nach so einem Rennen machen. Aber sie schaute sich keine Renndaten an. Sie machte ihre Hausaufgaben für Prüfungen, die am Dienstag zurück in der Schule anstanden.

Das war für mich bemerkenswert. Ein vergleichbarer männlicher Fahrer hätte sich dafür wahrscheinlich überhaupt nicht interessiert und die Schularbeit in letzter Minute erledigt. Bei Emma sehe ich dagegen eine sehr strukturierte und funktionale Herangehensweise. Und ich glaube, dass Fahrerinnen generell häufig strukturierter an solche Dinge herangehen. Deshalb müssen wir darüber nachdenken, wie wir unsere Unterstützung daran anpassen.

Also ein besserer Umgang mit Emotionen?
Allan McNish: Ein besseres Emotionsmanagement und ein ausgewogeneres Verständnis der Gesamtsituation. Das ist ein Faktor, den wir berücksichtigen müssen, wenn wir junge Fahrer unterstützen.

Ich habe dabei selbst viel gelernt. Sie haben nach meinen Ratschlägen für Emma gefragt, aber tatsächlich frage ich auch Emma häufig um Rat. Dasselbe gilt für Carrie Schreiner, unsere Mentorin in der F1 Academy. Ich greife sehr oft auf ihre Erfahrung zurück. Ich weiß, wie es ist, Rennfahrer zu sein. Aber sie weiß, wie es ist, als Frau Rennfahrerin zu sein. Dieser Unterschied ist wichtig.

Wann werden wir eine Frau als Stammfahrerin in der Formel 1 sehen?
Allan McNish: Das ist sehr schwer vorherzusagen. Dort fahren einige der besten Fahrer der Welt. Aber wenn ich zurückblicke: 1982 gab es im britischen Kartsport vielleicht zwei oder drei Mädchen. Das waren vielleicht 0,5 Prozent. Heute sind im Durchschnitt ungefähr sechs Prozent der Lizenzinhaber weiblich. Im Kartprogramm Champions of the Future Academy liegt der Anteil bei ungefähr 30 Prozent.

Das ist eine enorme Veränderung. Eine neue Generation von Fahrerinnen kommt gerade durch den Kartsport und steigt in den Automobilsport auf. Angelina Simón Torres zum Beispiel testet diese Woche erstmals ein Formel-4-Auto. Sie ist eine sehr schnelle, 15-jährige Spanierin.

Wir brauchen zwei Dinge: die richtige Unterstützung für diese Fahrerinnen und eine größere Anzahl an Mädchen und Frauen im Motorsport. Wenn nur fünf Prozent der Fahrer weiblich sind und nur ein sehr kleiner Teil aller Fahrer die Spitze erreicht, ist die statistische Basis sehr klein. Der Anteil muss also weiter wachsen. Das wird Zeit brauchen. Für mich ist es aber eine Frage des Wann, nicht des Ob. Entscheidend ist, dass wir die Fahrerinnen richtig fördern und einen nachhaltigen Entwicklungsweg schaffen.

Zum Abschluss: Was ist Ihr wichtigster Rat an junge Fahrerinnen und Fahrer?
Allan McNish: Dieser Sport ist fantastisch. Man muss ihn genießen. Wer noch sehr jung ist, sollte nicht über eine Formel-1-Karriere nachdenken. Denkt an das nächste Rennen. Konzentriert euch auf das nächste Rennen und darauf, euch dafür zu verbessern. Es ist sehr einfach, ständig an die Zukunft zu denken und dabei die Gegenwart zu vergessen. Aber das, was man heute macht, entscheidet darüber, was morgen möglich ist.

Wenn ich ein Rennen gewinne, konzentriere ich mich danach auf das nächste. Dann auf das dritte, das vierte und so weiter. Wenn ich dagegen nur denke: „Ich will die Meisterschaft gewinnen“, aber keine Strategie dafür habe, werde ich sie wahrscheinlich verlieren.

Deshalb: Holt heute das Maximum heraus, verbessert euch morgen und geht Schritt für Schritt vor.

Und vor allem muss es Spaß machen. Wenn man keinen Spaß daran hat, ist es ein harter Job.

*Anmerkung der Redaktion

Das Interview wurde im Rahmen des Großen Preis von Österreich am 27. Juni 2026 geführt.

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