Tränen und Rassismusvorwurf! Die Emotionen kochten über

Stefan Lainer – Botschaft an Eriksen

Mit seinem Tor zum 1:0 für Österreich legte der Gladbach-Legionär den Grundstein zum historischen rot-weiß-roten EM-Sieg. Doch, anstatt sich von den Teamkollegen feiern zu lassen, lief Steve Lainer auf direktem Weg zur Ersatzbank, schnappte sich ein Shirt mit der Aufschrift „ERIKSEN STAY STRONG“ und hielt es in die Kamera. Damit sandte er eine Botschaft an den dänischen Nationalspieler Christian Eriksen, der tags zuvor auf dem Spielfeld zusammengebrochen war, und reanimiert werden musste. Eine Geste, die zeigt, wie sehr der Vorfall auch die österreichischen Teamspieler berührte – und die vor allem für den starken Charakter des Torschützen spricht.

Michael Gregoritsch – Tränen beim Interview

Nach seinem „wichtigsten Tor der Karriere“ – wie Gregerl selbst den Treffer zum 2:1 bezeichnete – strahlte der Steirer über das ganze Gesicht. Seinen Emotionen ließ er nach dem Schlusspfiff im Interview freien Lauf.  „Das bedeutet mir alles“, jubelte der 27-Jährige und vergoss dabei auch ein paar Tränchen. „Es war ein schwieriges Jahr für mich. Das ist für alle, die an mich geglaubt haben.“ Den Treffer widmete er vor allem seinem Bruder, der just an dem historischen Tag seinen Geburtstag feierte. Michael Gregoritsch strafte mit seinem Tor alle Kritiker Lügen, die seine EURO-Nominierung nach wenig Spieleinsätzen für Augsburg in Frage gestellt hatten. Sein Ziel: Mit guten Leistungen auf sich aufmerksam zu machen und sich so auch auf Vereinsebene zu empfehlen. Der erste Schritt ist in jedem Fall gelungen.

Gregoritsch | Credit:  MARKO DJURICA / AFP / picturedesk.com

Marko Arnautovic – Wutausbruch und Rassismusvorwurf

Sein Gefühlsausbruch nach dem Treffer sprach Bände: Die Jokerrolle sorgte bei Arnautovic für dermaßen viel Frust, dass er nach dem Tor wie ein Rohrspatz schimpfte. Wild gestikulierend rannte er über den Rasen, motzte in Richtung Fans und Gegenspieler. Kapitän David Alaba hielt ihm daraufhin den Mund zu, um den 32-Jährigen vor sich selbst und den Folgen des emotionalen Ausbruchs zu schützen. „Wir Spieler wollen immer spielen. Man hat aber gesehen, was für ein Charakter er ist. Er ist reingekommen und hat direkt 100 Prozent gegeben. Deshalb habe ich ihn positiv wahrgenommen. Er war immer für die Mannschaft da, auch als der Trainer ihm die Entscheidung mitgeteilt hat, dass er erst auf der Bank sitzt“, verteidigte Alaba seinen Kollegen. Ein Nachspiel hatte der Gefühlsausbruch dennoch, da es zu rassistischen Äußerungen gegenüber den Nordmazedoniern gekommen sein soll. Dem trat der Österreicher aber entschieden entgegen, sagte am Tag nach dem Match:  "Ich bin kein Rassist. Meine Freunde, die zu meiner Familie herangewachsen sind, sind von überall auf der Welt." Der China-Legionär stellte sich auf eigenen Wunsch den Medien. "Es war ein Wortgefecht in den Emotionen, von der einen wie der anderen Seite", so Arnautovic. In einer Instagram-Story entschuldigte er sich zudem bei seinen "Freunden aus Nordmazedonien und Albanien".

 

Arnautovic | Credit: Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
A & A | Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
Autor: Sandra Eder, 14.06.2021