Djokovic gibt fast alles zu - aber es gibt neue Ungereimtheiten

Wissentlich positiv zum Foto-Shooting

Am 14. Dezember wäre er in Belgrad bei einem Basketball-Match gewesen, es handelte sich um die 69:76-Niederlage von Roter Stern gegen Barcelona. Tags darauf hieß es, dort habe es einige Corona-Fälle gegeben, also habe sich Djokovic selbst testen lassen. Dies führte zu dem ominösen positiven (?) Befund vom 16. Dezember. Vom positiven Ergebnis will Djokovic noch nichts gewuss haben, als er tags darauf eine Charity-Veranstaltung besucht habe.

Sehr wohl aber, das gibt der Tennis-Star zu, ging er am 18. Dezember im Wissen um den positiven PCR-Test zu einem Interview- und Fototermin mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe". "Ich fühlte mich verpflichtet, der Termin nicht platzen zu lassen", so Djokovic, "im Nachhinein betrachtet, war das eine Fehleinschätzung und ich gestehe ein, dass ich diesen Termin auch absagen hätte sollen."

 

Dass seine Reisetätigkeit im Visums-Antrag völlig falsch angegeben war, schiebt Djokovic seinem Team in die Schuhe: "Sie haben die Formulare für mich ausgefüllt und es wurden dabei die falschen Kästchen angekreuzt", so Djokovic in seinem ausführlichen Instagram-Posting, "es ist eine komplizierte Zeit und so etwas kann schon mal passieren!"

Das ist zweifellos richtig. Dafür gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass es gar keinen positiven Test am 16. Dezember gegeben hat.

Panschen beim Zeitpunkt der Testergebnisse

Denn der vermeintlich positive Test vom 16. Dezember hat einen unveränderlichen Zeitstempel, der gar nicht vom 16. Dezember ist, sondern vom 26. Dezember. Auch die fortlaufende Test-ID-Nummer der serbischen Behörden passt nicht zusammen, weil der zweifellos als echt bewiesene negative Test vom 22. Dezember eine niedrigiere ID-Nummer hat als der vermeintlich positive vom 16. Dezember. Wurde da also ein positiver Test um zehn Tage vordatiert, um Djokovic die Einreise nach Australien zu ermöglichen?

Ob es überhaupt jemals einen tatsächlich positiven Test gegeben hat, wirkt angesichts all dieser Ungereimtheiten immer unwahrscheinlicher. Zumal Djokovic, anders als bei seiner ersten Infektion im Sommer 2020, nie irgendetwas von einem positiven Test erwähnt hat - bis er als Grund zur Einreise-Ausnahmegenehmigung brauchbar wurde. Hinzu kommt, dass selbst der 16. Dezember für eine Ausnahmegenehmigung eigentlich zu spät kam, hier war die Deadline der 10. Dezember.

Wie geht es weiter?

Am frühen Donnerstag Morgen (europäischer Zeit) findet die Auslosung statt, Djokovic wird dort an Nummer 1 gesetzt sein. Ob er am kommenden Montag tatsächlich aufschlagen darf, steht aber noch in den Sternen. Denn in der Sache wurde von den australischen Gerichten noch gar nicht entschieden, sondern "nur" ein Formalfehler erkannt.

In Australien - wo die Impfung extrem populär ist, über 90 Prozent der impfbaren Bevölkerung auch tatsächlich geimpft sind - ist Djokovic jedenfalls komplett untendurch. Down Under hat man keinerlei Verständnis, dass sich ein Star die Einreise erschleichen will und dafür nicht einmal das simple Minimum, nämlich eine Impfung, tun möchte. Die Winterpause haben fast alle anderen Tennis-Profis übrigens genützt: Waren vor zwei Monaten noch kaum 65 Prozent der Top-100 geimpft, sind dies mittlerweile weit über 90 Prozent.

 

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Autor: Philipp Eitzinger, 12.01.2022