Anastasia Potapova: Debüt für Österreich sorgt für Aufsehen
Anastasia Potapova schlägt seit Anfang des Jahres offiziell für Rot-Weiß-Rot auf und bestreitet beim Upper Austria Ladies in Linz ihr erstes Turnier im neuen Heimatland. Die gebürtige Russin aus Saratow startet nach ihrem Doppelauftritt an der Seite von Lilli Tagger auch im Einzel vor heimischem Publikum.
Erster Auftritt als Österreicherin in Linz
Nach dem gemeinsamen Doppel, das Potapova und Tagger im Achtelfinale knapp im Match-Tiebreak verloren, geht es für die 25-Jährige nun im Einzel weiter. In der TipsArena trifft sie am Dienstag erstmals als Österreicherin im WTA-Einzel auf Zhang Shuai.
Sportliche Ausgangslage und Linz-Historie
Potapovas Start in Linz hat sportlich Gewicht. Die dreifache WTA-Turniersiegerin gewann 2023 das Upper Austria Ladies und kehrt damit als ehemalige Titelträgerin an einen ihrer erfolgreichsten Schauplätze zurück.
Im Ranking ist die ehemalige Nummer 21 der Welt nach Verletzungsproblemen auf einen Platz knapp außerhalb der Top 100 zurückgefallen. Anfang des Jahres erlitt sie einen Fingerbruch. Zuletzt zeigt sie bei den Australian Open aber starke Form: Gegen die aktuelle Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka verlor sie in der dritten Runde nur hauchdünn mit 6:7, 6:7.
Auch ihr Einstand im rot-weiß-roten Doppel verläuft vielversprechend. Gemeinsam mit Lilli Tagger bot Potapova den späteren Siegerinnen Ulrikke Eikeri und Quinn Gleason im Achtelfinale lange Paroli, unterlag aber nach 6:3, 6:7 (5/7) und 10:12 im Match-Tiebreak.
Gründe und Ablauf des Nationenwechsels
Der Schritt von Russland zu Österreich ist für Potapova sportlich wie persönlich ein Einschnitt. Bereits im Dezember des Vorjahres wurde angekündigt, dass die in Saratow geborene Spielerin ab 2026 offiziell für Österreich antreten würde. Nun spielt sie schon seit Jahresbeginn unter österreichischer Flagge und damit wieder unter einer Flagge, nachdem Akteurinnen aus Russland und Belarus bei WTA-Turnieren seit Jahren ohne Fahne geführt werden.
Potapova nennt in erster Linie sportliche Motive für den Nationenwechsel. Sie erklärt, als Tennis-Spielerin wolle sie sich verbessern, und sie finde, in Österreich sei der bessere Platz dafür. Es sei ein notwendiger Schritt gewesen, auch mit Blick auf Reisen und Logistik. Sie verweist auf den Standortvorteil durch den Flughafen Wien und meint, sie könne immer zurückkommen, was es leicht mache, sich als Athletin zu entwickeln.
Gänzlich unpolitisch ist die Entscheidung aber nicht. Potapova hält fest, politische Rahmenbedingungen und Restriktionen hätten eine Rolle gespielt und die Entscheidung sei nicht aus dem Nichts gekommen. Ihren russischen Pass hat sie dennoch behalten wollen.
Eine zentrale Rolle im Ablauf spielt Erfolgscoach Günter Bresnik, der früher schon Alexander Schewtschenko trainierte, Potapovas früheren Partner. Potapova sagt, sie kenne Bresnik sehr gut, sei mit ihm auch schon auf dem Court gewesen, er habe ihr einige Male geholfen und sei auch beim Nationalitätenwechsel involviert gewesen.
Mit Blick auf den Billie Jean King Cup laufen die letzten formalen Schritte. Für den Internationalen Tennis-Verband werden derzeit alle Dokumente für die nötige Erlaubnis vorbereitet. Potapova plant fest ein, künftig für den ÖTV im Teambewerb anzutreten. Sie betont, es sehe im Moment gut aus, man warte auf die Entscheidung der ITF.
Leben zwischen Wien, Familie und neuer Identität
Potapova ist seit einigen Jahren in Wien sesshaft, auch wenn ihr Alltag von Reisen geprägt bleibt. Sie beschreibt, es sei schwer zu sagen, wo man lebe, weil Tennisspielerinnen ständig unterwegs seien. Ihre Eltern wohnen seit über fünf Jahren in der Türkei, die Großeltern leben weiterhin in Russland.
Sprachlich ist sie in Österreich noch in der Aufbauphase. Sie berichtet, sie habe bereits einige Stunden in Deutsch investiert und hoffe, im nächsten Jahr bei ihrer Rückkehr nach Linz sprechen zu können. Noch kann sie sich nicht auf Deutsch unterhalten.
Emotional ist der Start unter rot-weiß-roter Flagge für sie etwas Besonderes. Potapova schildert, es fühle sich ungewohnt an, sie sei sehr aufgeregt, in Linz zu sein, und stolz auf den neuen Status. Zwischen Wien, ihrer Familie in der Türkei und Russland sowie der neuen sportlichen Heimat wächst langsam eine neue Identität, mit Linz als erstem großen Schaufenster.