„Mexiko-Bua“: So prägte Alfred Tatar Österreichs Fußballwelt
Inhalt
- Vom „Mexiko-Bua“ zur Kultfigur
- Erfolgreiche Karriere als Trainer
- Kultstatus als Sky-Experte
- Emotionale Abschiede bei der Vienna
Die österreichische Fußballwelt trauert um Alfred Tatar. Der frühere Trainer, TV-Experte und langjährige Kult-Analytiker ist im Alter von 62 Jahren verstorben. Tatar erlag den Folgen der unheilbaren Nervenkrankheit ALS, gegen die er seit rund zwei Jahren gekämpft hatte.
Mit ihm verliert Österreich eine der prägendsten und zugleich außergewöhnlichsten Persönlichkeiten des heimischen Fußballs. Spieler, Vereine, Weggefährten und Fans reagierten tief betroffen auf die Nachricht seines Todes.
Vom „Mexiko-Bua“ zur Kultfigur
Alfred Tatar galt über Jahrzehnte hinweg als schillernde Figur des österreichischen Fußballs. Schon früh machte er sportlich auf sich aufmerksam. 1983 gehörte er jener legendären österreichischen U20-Nationalmannschaft an, die bei der Weltmeisterschaft in Mexiko für Aufsehen sorgte. Gemeinsam mit Spielern wie Toni Polster oder Andreas Ogris wurde Tatar damals zu einem der sogenannten „Mexiko-Buam“.
Polster verabschiedete sich nach Bekanntwerden des Todes emotional via Social Media: „Mei Bua, ich bin unendlich traurig.“ Auch als aktiver Fußballer hinterließ Tatar Spuren. Unter anderem spielte er für die Vienna, den Wiener Sport-Club und VSE St. Pölten. Bei der Vienna stand er sogar gemeinsam mit Weltstar Mario Kempes auf dem Platz.
Erfolgreiche Karriere als Trainer
Nach seiner aktiven Laufbahn wechselte Tatar auf die Trainerbank. Dort arbeitete er unter anderem bei der SV Ried, Admira Wacker, SV Mattersburg und beim First Vienna FC. Auch international sammelte er Erfahrung. Als Co-Trainer von Raschid Rachimow war Tatar zeitweise bei Lokomotiv Moskau tätig.
Wegbegleiter beschrieben ihn stets als akribischen Arbeiter mit enormem Fußballwissen. Seine analytische Denkweise wurde später auch zu seinem Markenzeichen im Fernsehen.
Kultstatus als Sky-Experte
Einem breiten Publikum wurde Alfred Tatar schließlich vor allem als TV-Experte bei Sky Sport Austria bekannt. Mit seinen emotionalen Diskussionen, ungewöhnlichen Formulierungen und oft philosophischen Analysen entwickelte er sich über Jahre hinweg zur Kultfigur.
Der studierte Biologe und Mathematiker analysierte Fußballspiele oft auf besondere Weise und polarisierte damit regelmäßig. „Er war einer der interessantesten Fußballanalysten Österreichs“, hieß es immer wieder aus der Branche.
Viele Fans liebten genau diese Mischung aus Emotion, Fachwissen und unkonventioneller Sprache. Andere wiederum empfanden seine Art als übertrieben. Gerade diese Polarisierung machte Tatar aber zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit des heimischen Sports. Im Sommer 2025 hatte er sich wegen seiner schweren Erkrankung aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und seine Tätigkeit als TV-Experte beendet.
Emotionale Abschiede bei der Vienna
Besonders eng verbunden blieb Tatar stets mit dem First Vienna FC. Erst vor wenigen Tagen präsentierte der Traditionsverein gemeinsam mit ihm noch ein Sondertrikot zugunsten der ALS-Forschung. Die Nachricht seines Todes traf den Klub deshalb besonders hart. Beim Spiel gegen SW Bregenz ist die Mannschaft mit Trauerflor aufgelaufen.