Hader: „Alle sind ein wenig wahnsinnig"

Schauspieler, Autor, Regisseur und Kabarettist: Langweilig wird Josef Hader so schnell nicht. Der nächste Film ist für 2022 geplant, aktuell steht der gebürtige Oberösterreicher mit „Hader on Ice“ (Regie: Petra Dobetsberger) auf der Bühne. Im Rumrausch zelebriert Hader den geistigen und körperlichen Zerfall, philosphiert über Hitlers Mundgeruch und warnt vor der hereinbrechenden Apokalypse. Selbstironisch und tiefschwarz schaut er dahin wo’s weh tut. Zyniker, Verschwörungsmacho, Midlife-Krisler: Wie viel Bühnen-Hader steckt eigentlich im Josef?

"Hader on Ice“ ist Ihr erstes Programm seit 17 Jahren. Ein Corona-Kind?
Josef Hader: Nach dem Film  „Wilde Maus“ habe ich mir gedacht: ‚Jetzt mach ich ein neues Kabarettprogramm. Der Höhepunkt der Trump-Ära, Realitätsverweigerung, Hang zu Tyrannen und unschöne Machtpolitik: Es ist die richtige Zeit, alle sind gerade ein wenig wahnsinnig.‘ Dann ist Corona gekommen und es hat nicht viel verändert, sondern verstärkt. Eine Pandemie fördert immer das Irrationale: Realitätsverweigerung, Religion oder  Religionsersatz – wovon der Mensch sich Erlösung verspricht …

Und woran glauben Sie?
Josef Hader: Ich glaube an das Schöne, das zwischen Menschen passieren kann. Beim Musik hören, beim Lesen oder wenn ich etwas anschaue. Das Schöne ist schon der Mitmensch.

 

HADER ON ICE Das neue Solo von Josef Hader ab 10. Juni * Stadtsaal Wien ab 13. Juni * Orpheum Wien ab 12. Juli *...

Gepostet von Josef Hader am Montag, 10. Mai 2021

Der Bühnen-Hader verfolgt ja einen anderen, eher zynischen Ansatz.
Josef Hader: Das ist mein Stil. Ich habe von Anfang an immer versucht, die Grausligkeiten der Zeit in der Figur zu versammeln. Sie soll überzeugend in sich vereinen was schlecht ist, so dass es dem Publikum graust.

Wieviel von Ihnen steckt in der Figur?
Josef Hader:  Man muss es selber auch ein bisschen in sich haben, damit es echt wirkt. Wenn man die eigenen Schwächen nicht mitverwendet oder weiterdenkt, dann spüren die Leute, dass man sich von der Figur distanziert. Meine Vorbilder sind Qualtinger und Polt. Da hat man das Gefühl, dass sie sehr genau über menschliche Schwächen und die eigenen Bescheid wissen.

Josef Hader steht mit ausgebreiteten Händen im Rüdigerhof und hält links und rechts einen roten Vorhang. Im Hintergrund sieht man Kaffeehaus-Mobiliar.

Das klingt ein bisschen nach Parade-Österreicher. Was ist für Sie typisch Österreichisch?
Josef Hader: Diese Kombination aus Arroganz und Minderwertigkeitsgefühl – ein kleines Land mit großer Vergangenheit. Es kulminiert auch in so Städten wie Salzburg. Erst Kleinstadt, dann plötzlich Zentrum der Kultur. Das macht was mit den Menschen – und die Geschichte auch. Zuerst die Enttäuschung, wie klein man nach dem 2. Weltkriegt ist und dann das für sich nützen: ‚Wir sind so unbedeutend, so herzig wir haben doch gar nix verbrochen, wir sind ja so kulturell.‘

Ein sehr negatives Bild.
Josef Hader: Geschichte wird man nicht leicht los.

Und Wien selbst?
Josef Hader: Hier gibt es viel mehr diese hierarchischen Systeme. Gerade Wien mit so einer langen Tradition vom kaiserlichen Hof. Aber: Wien ist meine absolute Lebensstadt und ich möchte nirgends hin.

Josef Hader im Gespräch mit Stefanie Hermann und Robert Eichenauer.

Auf der Bühne erzählen Sie nicht nur von Ihrer erfundenen Flucht aufs Land, sondern auch vom Hadern mit dem Älterwerden. Wie blicken Sie persönlich Ihrem 60er entgegen?
Josef Hader: Sehr gelassen. Ich weiß jetzt ja schon länger, dass ich 60 werde. Außerdem war ich als Jugendlicher auch nicht so wirklich jung. Ich war immer ein bisschen weltfremd, ein bisschen Clown. Deswegen glaube ich, dass ich mich mit der Methode im Alter auch ganz gut durchmogeln kann. Weil ich sie schon als Kind trainiert habe.

Gibt es Pläne, wie Sie Ihren Geburtstag feiern werden?
Josef Hader: Ohne Interview und ohne Party, so viel kann ich verraten. Zum 50er habe ich mir eine kleine Auszeit geschenkt und das werde ich diesmal wahrscheinlich auch so machen. Schlimm wird’s, wenn ich beginnen würde Memoiren zu schreiben. Dann weiß man, dass ich im Arsch bin.

Das Interview führten Stefanie Hermann und Robert Eichenauer.

Autor: Stefanie Hermann, 24.06.2021