Servus Michael Fleischhacker

Während der eine, Ferdinand Wegscheider, mit seinen bauernschlauen Satiren Servus TV in die Untiefen der radikalen Verschwörerei schwurbelt, strahlt der andere, Michael Fleischhacker, jene erzkonservative Intellektualität aus, die wohl auch den Eigentümer des Senders das eine oder andere Mal von seinen Bauernmöbeln hochfahren und wohlwollend mit der Zunge schnalzen lässt. Ein kongeniales Duo, der Wegscheider und der Fleischhacker, wie gesagt wird.
Den Charakterkopf mit den scharfgeschnittenen Gesichtszügen immer bedeutungsschwanger, nie kokettierend in die Kamera haltend, verführt Michael Fleischhacker sein Publikum mit dem Charme des Wissenden. Und wir dürfen uns glücklich schätzen, in finsteren Coronazeiten der Lichtgestalt eines über jeden Zweifel Erhabenen Woche für Woche andächtig zu lauschen. Unverständlich, warum der Mann nicht auch einen Wochenkommentar betreiben darf, wo er doch so gescheit und auch gutaussehend ist. Aber wahrscheinlich zu komplex für das Medium Fernsehen. Das Kommentieren bleibt dem Wegscheider vorbehalten. Und das ist gut so, denn der Ferdinand ist schließlich der Garant dafür, dass auch Krethi und Plethi verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält und wer momentan die Herrschaft über sie hat.

Des Widerspenstigen Zähmung

So muss sich der „Fleischi“ weiterhin damit begnügen,  den einen oder anderen Schuss Meinung in seine Moderationen einzubauen. Das gelingt ihm im Großen und Ganzen recht gut. Da springt man schon mal einem sich nicht ganz so geschliffen ausdrückenden Impfgegner zur Seite, auf dass die Botschaft auch die rechte Richtung annehme.
Manchmal ist es aber zum schöne Haare raufen. Dann nämlich, wenn sich ein Gast derart widerborstig erweist, dass selbst der sonst so geduldige Fleischhacker Mühe hat, das Gespräch dorthin zu führen, wo es Wegscheider und Mateschitz haben wollen. So geschehen dieser Tage, als der Virologe Hendrik Streeck zum Interview in den Hangar gekommen war. Dass es der Hamburger Virologe überhaupt dorthin schaffte, hat er seiner zu Beginn der Pandemie abweichenden Meinung über die Gefährlichkeit des Virus zu verdanken.

Diskussion statt Interview

Fleischhacker verband mit Streeck die Hoffnung, dass nun endlich mal ein anerkannter Virologe den Impffans und Coronajüngern in Österreich die Meinung geigen würde. Was für eine Enttäuschung. Streeck tat nichts dergleichen, erwies sich als undankbar, wollte und wollte die Impfung einfach nicht schlecht reden. Schließlich empfahl er den Stich des Teufels sogar eindringlich, egal wie verschwurbelt der Fleischhacker auch frug. Wie soll man auf eine solche Impertinenz nur reagieren? Ganz einfach: man macht aus einem Interview kurzerhand eine Diskussion. Und nun raten Sie mal, wer schlussendlich der bessere Virologe war?

Autor: Robert Eichenauer, 19.12.2021