Spaltung ist eigentlich eine Abspaltung

Dieser Tage beklagt man allerorts die angebliche Spaltung in der Gesellschaft. Welche Spaltung, frage ich mich? Umfragen zeigen, dass es in Österreich nur rund zehn bis maximal 15 Prozent Hardcore-Impfverweigerer gibt. Das sind im Übrigen diejenigen, die bei jeder Maßnahme Zeter und Mordio schreien, den Untergang des Rechtsstaates heraufbeschwören und Social-Media-Kanäle mit ihrem Mist und ihren Fake News zumüllen. Der Rest der (noch) Ungeimpften ist lediglich unsicher oder zu faul, um sich den Stich zu holen. Das Wort „Spaltung“ impliziert jedoch, dass die Gesellschaft in ungefähr zwei gleich große Teile zerrissen ist. Davon sind wir weit entfernt. Es ist eine kleine Minderheit, die – aus welchen Motiven auch immer – lautstark gegen die Interessen der überwiegenden Mehrheit der Menschen auftritt. Ihr „Geschrei“ ist es, das uns glauben macht, es wären ganz viele, wenn nicht gar die Hälfte der Österreicher. Und weil sie so laut sind, räumen wir ihnen eine weitaus höhere Bedeutung ein, als sie verdienen.

Die Stimmung kippt

Allmählich schlägt die Stimmung aber um. Der Großteil der Menschen verliert zunehmend die Geduld und reagiert mit Fasssungslosigkeit auf die immer gleichen Verschwörungserzählungen. Auch in der Politik liegen bei manchen die Nerven blank. Zuletzt etwa bei Beate Meinl-Reisinger, die mit ihrem „Fetzendeppert-Sager“ die FPÖ aus der Reserve lockte. Nun ja, das ist sicher nicht die feine englische Art, in der Sache hat sie allerdings recht. Es ist unverantwortlich, ständig die Ängste der Menschen zu schüren, um davon zu profitieren. Amüsant in diesem Zusammenhang ist auch die Wortmeldung Herbert Kickls, in der er der Regierung vorwirft, die Gesellschaft zu spalten. Ihm ist nicht klar: Nur ein Spalter erkennt einen Spalter.

Autor: Robert Eichenauer, 10.09.2021