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Österreich-Flagge mit Geldstapeln und steigender Kurve symbolisiert wirtschaftliche Kosten und Inflation durch den Iran-Krieg
Steigende Energiepreise treiben die Kosten nach oben: Der Iran-Krieg belastet Österreichs Wirtschaft massiv.
Steigende Energiepreise treiben die Kosten nach oben: Der Iran-Krieg belastet Österreichs Wirtschaft massiv.
dall.e / weekend.at

So viel kostet der Iran-Krieg Österreich: Was jetzt jeder zahlen muss

10.04.2026 um 10:24, Stefanie Hermann
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Der Iran-Krieg treibt Energiepreise in die Höhe und kostet Österreich Milliarden. Die Inflation bleibt hoch, das Wachstum schwächelt deutlich.

Der Iran-Krieg wird für Österreich richtig teuer. Laut aktueller Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) und Berechnungen des IHS kostet der Konflikt die heimische Wirtschaft bis zu 2,6 Milliarden Euro an Wohlstand. Der erhoffte Aufschwung nach zwei Jahren Rezession gerät damit erneut ins Wanken.

Umgelegt auf die Bevölkerung entspricht das einem Verlust von rund 280 Euro pro Einwohner. Wie stark die Belastung tatsächlich ausfällt, hängt jedoch maßgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts ab.

Iran-Krieg: Energiepreise treiben Kosten in Österreich

Auslöser ist vor allem der starke Anstieg der Energiepreise. Rohöl und Erdgas haben sich seit Beginn der Eskalation deutlich verteuert. Im pessimistischen Szenario steigt der Rohölpreis zeitweise auf bis zu 120 Dollar je Barrel. Auch Erdgas verteuert sich deutlich und kann bis zu 70 Euro je Megawattstunde erreichen. Selbst im günstigeren Verlauf bleibt Energie spürbar teurer als vor dem Konflikt. Die Folgen treffen Unternehmen, Haushalte und den Staat gleichzeitig.

„Die Entwicklung der Rohöl- und Erdgaspreise ist sowohl für die Inflationsprognose als auch für den von den Unternehmen erwarteten Kostendruck entscheidend“, erklärt WIFO-Ökonom Marcus Scheiblecker.

Das zentrale Problem: Der Kriegsverlauf ist nicht absehbar. Preissprünge bei Energie sind daher kaum kalkulierbar. Die Unsicherheit führt wiederum dazu, dass Unternehmen Investitionen verschieben und Konsumenten vorsichtiger werden.

Österreich: Wachstum bricht drastisch ein

Wie stark Österreich tatsächlich betroffen ist, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. „Da der Iran-Krieg nicht prognostizierbare Preissprünge auslöst, hat sich das WIFO entschlossen, von unterschiedlichen Preisszenarien auszugehen“, so Scheiblecker. Entscheidend ist dabei vor allem, wie lange der Krieg andauert und ob wichtige Energie-Infrastruktur im Nahen Osten beschädigt wird. Das WIFO rechnet mit einem von drei möglichen Szenarien:

Im wahrscheinlichsten Fall wächst die Wirtschaft 2026 nur noch um 0,9 Prozent. Im optimistischen Szenario sind es 1,1 Prozent, sollte sich die Lage rasch beruhigen. Dauert der Krieg jedoch länger und bleiben die Energiepreise hoch, droht ein massiver Einbruch: Dann liegt das Wachstum 2026 bei nur 0,2 Prozent – die Konjunkturerholung wäre praktisch gestoppt.

Teuerung in Österreich bleibt: Entlastung verzögert sich

Auch bei der Inflation macht sich der Krieg bemerkbar. Zwar dürfte die Teuerung grundsätzlich weiter zurückgehen, doch deutlich langsamer als bisher erwartet.

Im Hauptszenario liegt die Inflation 2026 bei 2,7 Prozent. Im schlimmsten Fall steigt sie sogar wieder auf über vier Prozent. Für österreichische Haushalte hat das direkte Auswirkungen auf die Alltagskosten. Die Preise für Energie und Lebensmittel werden sich in absehbarer Zeit nicht entspannen. Erst 2027 soll die Inflation im Hauptszenario weiter auf rund 2,3 Prozent sinken.

Besonders betroffen ist Österreichs Industrie, die bereits seit Jahren unter schwacher Nachfrage leidet. Steigende Energiepreise treffen hier auf eine ohnehin fragile Ausgangslage.

Konsum und Investitionen unter Druck

Dazu kommt: Der private Konsum wächst nur schwach. Die real verfügbaren Einkommen sinken, da die Preise schneller steigen als die Löhne. Im Krisenszenario legen viele Haushalte wieder mehr Geld zur Seite – die Sparquote steigt. Gleichzeitig investieren Unternehmen weniger – im Krisenszenario gehen die Investitionen 2026 sogar zurück. Konkret schrumpfen die Bruttoanlageinvestitionen in diesem Fall um rund ein Prozent, während sie im Hauptszenario nur schwach wachsen. Damit fällt der dringend benötigte Motor der Wirtschaft weitgehend aus.

Arbeitsmarkt tritt auf der Stelle

Die wirtschaftliche Unsicherheit zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Trotz leichter Beschäftigungszuwächse fehlt die Dynamik für eine spürbare Entspannung. Die Arbeitslosenquote bleibt 2026 auf dem hohen Niveau des Vorjahres und sinkt voraussichtlich erst 2027 leicht. Sie liegt damit weiterhin bei rund 7,4 Prozent und verändert sich je nach Szenario nur geringfügig.

Staat muss gegensteuern: Defizit bleibt hoch

Der Staat versucht gegenzuhalten und die Wirtschaft zu stabilisieren. Trotz Sparzielen steigen die Ausgaben weiter – wenn auch langsamer als bisher. Das Budgetdefizit bleibt dennoch hoch und liegt im Hauptszenario bei rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung.

Bereits 2025 lag das Defizit bei rund 4,2 Prozent des BIP. Die aktuellen Prognosen gelten zudem als wichtige Grundlage für die Budgetverhandlungen der Bundesregierung für die kommenden Jahre.

Krieg entscheidet über Österreichs Wirtschaft

„Der Iran-Krieg gefährdet die Konjunkturerholung“, fasst das WIFO die Lage zusammen. Ob die Erholung gelingt oder erneut scheitert, hängt nun fast ausschließlich davon ab, wie lange der Konflikt dauert – und wie stark die Energiepreise weiter steigen.

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