Rendi-Wagners Kanzlerwunsch: Selbstinszenierung und heiße Luft

Rendi-Wagner stellt den Anspruch auf die Kanzlerschaft. Die Reaktionen darauf fallen gemischt aus.
Autor: Stefanie Hermann, 27.03.2022 um 17:45 Uhr

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat in ihrer Grundsatzrede mit der Regierung abgerechnet und den Anspruch auf die Kanzlerschaft erhoben. Die SPÖ solle das Land in eine bessere Zukunft führen. "Dazu braucht es euch. Dazu braucht es mich", so Rendi-Wagner. Die Rede hat in Opposition und Regierung heftige Reaktionen provoziert.

Kickl: Kanzlerwunsch ist grotesk

Die FPÖ schießt in einer ersten Stellungnahme gewohnt scharf gegen die SPÖ. Die Grundsatzrede sei ein Akt der Selbstinszenierung gewesen, bei dem sich Rendi-Wagner mit ihren Vorgängern Vranitzky, Klima, Gusenbauer, Faymann und Kern feiern habe lassen. "Rendi-Wagner vergisst vollkommen, dass genau diese Herren eine ehemals stolze Sozialdemokratische Partei in den Abgrund geführt haben", so FPÖ-Chef Herbert Kickl. "Von Staatsschulden-Explosion über Arbeitslosenheere, bis Migrantenflut war in diesen Jahren alles dabei, was uns nur schaden konnte." Den Anspruch Kanzlerin zu werden, nennt er "grotesk". Als Draufgabe habe Rendi-Wagner Corona-Maßnahmengegner als ungebildete Corona-Leugner bezeichnet und abgekanzelt. "Alles was von diesem Kabarett überbleibt, ist heiße Luft und ‚Ich will Kanzlerin werden!‘ – sonst aber auch gar nichts."

Sachslehner: Das ist verantwortungslos

Aber auch aus Regierungskreisen hagelt es Kritik. Allen voran von ÖVP-Generalsekräterin Laura Sachslehner, die sich alles andere als amused zeigt: "Mit ihrer groß inszenierten Rede ist Rendi Wanger endgültig von Sachpolitik auf Showpolitik umgeschwenkt. Dass die SPÖ in Krisenzeiten einen Wahlkampf heraufbeschwört, ist verantwortungslos und genau das Gegenteil dessen, was sich die Menschen zurecht erwarten", twittert die Wiener Landtagsabgeordnete.

Abwesenheit des lautesten Kritikers

Und auch in den eigenen Reihen gibt es nicht nur uneingeschränkte Zustimmung. Einer glänzte wie so oft durch ostentatives Fernbleiben. Burgenlands Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil fand sich nicht unter den Anwesenden. Der innerparteiliche Kontrahent hatte sich mit Verweis auf einen familiären Termin in Deutschland entschuldigt.