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Herbert Kickl beim ORF-Sommergespräch im Gespräch
FPÖ-Chef Herbert Kickl lieferte sich beim ORF-Sommergespräch einen hitzigen Schlagabtausch mit Moderatorin Simone Stribl.
FPÖ-Chef Herbert Kickl lieferte sich beim ORF-Sommergespräch einen hitzigen Schlagabtausch mit Moderatorin Simone Stribl.
ORF/Roman Zach-Kiesling

Kickl geht auf ORF Moderatorin los: „Wie kann man so blöd fragen?“

08.09.2026 um 08:42, Stefanie Hermann
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Herbert Kickl spricht im Sommergespräch über Pensionen, Klima und Migration. Bei einer Frage von Simone Stribl eskaliert die Stimmung im ORF.

Es war ein Eklat mit Ansage: „Heute Abend ist es wieder soweit: Sommergespräch bei meinem ‚Lieblingssender‘.“ Mit dieser Spitze gegen den ORF hat FPÖ-Chef Herbert Kickl seinen Auftritt bei Simone Stribl angekündigt. Wenig später kracht es tatsächlich. Eine Frage der Moderatorin bezeichnet Kickl als „blöd“, „unqualifiziert“ und schließlich als „unwürdig“ für den ORF. Zuvor liefert der FPÖ-Chef klare Ansagen zu Pensionen und Migration, zweifelt am menschlichen Einfluss auf den Klimawandel und kündigt ein eigenes „Remigrationsgesetz“ an.

Wehrdienst: Kickl wartet auf das Modell

Ob die FPÖ einer Reform des Wehrdienstes zustimmt, lässt Kickl offen. Zuerst müsse die Regierung ein konkretes Modell auf den Tisch legen. Die bisherigen Pläne bezeichnet er als „faulen Kompromiss“.

Für Kickl zählt eine möglichst gute Ausbildung der Grundwehrdiener samt funktionierendem Übungssystem danach. Komme eine „einigermaßen vernünftige Lösung“, werde sich die FPÖ nicht verschließen.

Pensionsalter 67 bekommt klare Absage

Beim Pensionsalter legt sich Kickl fest: „Wir bleiben jetzt dabei.“ Das gesetzliche Antrittsalter soll bei 65 Jahren bleiben. Auch eine generelle Regelung mit 45 Arbeitsjahren lehnt er ab.

Wer freiwillig länger arbeitet, soll stattdessen steuerliche Vorteile bekommen. „Wir arbeiten, um zu leben, aber wir leben nicht nur, um zu arbeiten“, sagt Kickl.

Eine andere Linie von FPÖ-Wirtschaftssprecher Arnold Schiefer lässt er nicht gelten. „Der Parteiobmann bin ich und es ist nicht der Herr Schiefer“, stellt Kickl klar.

Klimawandel kommt Kickl „ein bisserl komisch“ vor

Beim Klimawandel lässt der FPÖ-Chef aufhorchen. Die Freiheitlichen seien die einzige Partei, die den Klimawandel nicht leugnen würden. „Ich bin aber nicht davon überzeugt, dass das alles menschengemacht ist“, sagt Kickl zur aktuellen Erderwärmung. Die Argumentation rund um den menschlichen CO₂-Ausstoß komme ihm „ein bisserl komisch“ vor.

Österreich verursache laut Kickl lediglich 0,17 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen, für 99,83 Prozent sei man also nicht verantwortlich. Die Klimaneutralität bis 2040 lehnt er in der derzeit angestrebten Form gänzlich ab. Kickl verweist auf Kosten von rund 180 Milliarden Euro und warnt vor Folgen für Wirtschaft und Industrie. Einen Ausbau erneuerbarer Energien befürwortet er grundsätzlich, solange Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Energiepreise gewährleistet bleiben.

Bei Identitären wird es hitzig

"Wie hältst du es mit den Identitären", ist nicht erst seit dem Sommer Kickls Gretchenfrage. Auch bei Simone Stribl lehnt Kickl eine pauschale Distanzierung ab. Stattdessen definiert er Grenzen für die eigene Partei. Wer die Demokratie nicht akzeptiert, einen autoritären Staat anstrebt, die Verfassung ablehnt oder Gewalt als politisches Mittel gutheißt, überschreitet für ihn eine rote Linie.

„Wenn ich merke, dass irgendjemand in diese Richtung aktiv wird, dann fliegt er bei uns hinaus“, sagt Kickl. Zugleich erklärt er: „Für mich gibt es auch keine Identitären in der Partei.“ Ein entsprechendes Mitgliederregister gebe es nicht.

Eigenes „Remigrationsgesetz“ angekündigt

Am Begriff der Remigration hält Kickl trotz politischer Kontroversen fest. „Worte an sich sind immer neutral“, argumentiert Kickl und holt im selben Atemzug gegen den ORF aus: Wer ORF höre, denke vielleicht an „objektiv und unabhängig und neutral“, das würden laut Kickl allerdings „die Wenigeren sein“. Andere würden damit Begriffe wie „Wanzenbohrer, Steuerparadies, Gehaltsgagen“ oder eine „Unternehmenskultur unter jeder Sau“ verbinden. Seine Argumentation: Es sei dasselbe Wort, entscheidend sei, welche Bedeutung ihm gegeben werde. Das gelte aus seiner Sicht auch für den Begriff Remigration.

Für den Herbst kündigt Kickl einen eigenen Gesetzesantrag der FPÖ zur Remigration an. „Vielleicht sogar ein Verfassungsgesetz“, sagt der Parteichef.

"Ist Ihnen das nicht zu blöd?“

Stribl verweist auf eine Position aus der AfD, wonach für Deutschland auch 60 statt rund 83 Millionen Einwohner ausreichen würden – und löst damit den heftigsten Schlagabtausch des Gesprächs aus. Österreich habe rund neun Millionen Einwohner. Die Moderatorin will deshalb wissen, welche Größenordnung Kickl für Österreich für richtig hält.

„Wollen Sie mir jetzt allen Ernstes unterstellen, dass ich Menschen da zuhauf aus Österreich deportieren will?“, fragt Kickl und bezeichnet die Frage als „derartig unqualifiziert“, dass sie „unwürdig“ für den ORF sei.

Haben Sie da jemals von der FPÖ irgendetwas gehört, dass wir gesagt hätten, wir brauchen irgendwo eine Obergrenze und mehr dürfen es nicht sein?“ Dann legt er nach: „Ich weiß gar nicht, wie man auf so eine blöde Frage kommen kann, mit Verlaub.“

Als Stribl erneut auf die Gemeinsamkeiten zwischen FPÖ und AfD verweist, bleibt Kickl bei seiner Kritik: „Ja, man kann schon fragen, aber man kann auch blöd fragen, nicht wahr?“ Eine konkrete Einwohnerzahl nennt er nicht. Stattdessen bezeichnet er die Frage als „absurd“ und weist auch Stribls Bezeichnung der AfD als Schwesterpartei zurück.

Kickl jubelt über AfD-Erfolg

Den Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt bezeichnet Kickl dennoch als „großartiges Lebenszeichen der Demokratie in Deutschland“. Eine politische Gleichsetzung von AfD und FPÖ weist er dennoch zurück.

Als Unterschied führt er die Atomkraft an. Die FPÖ habe hier eine „völlig andere Positionierung“. Ein Einstieg Österreichs in die Kernenergie etwa, wie ihn die AfD für Deutschland fordert, komme für Kickl nicht infrage.

Kanzlerfrage bleibt auf dem Tisch

Bei der nächsten Nationalratswahl erwartet Kickl erneut eine starke FPÖ. Entscheidend sei danach, wer den Regierungsauftrag erhält und welche Mehrheiten möglich sind.

Eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien schließt er nicht grundsätzlich aus. Gleichzeitig rechnet Kickl mit dem Versuch, die FPÖ erneut von der Regierung fernzuhalten. Seine Rechnung: Wird die FPÖ noch stärker, könnten die politischen Mitbewerber dafür künftig sogar vier Parteien benötigen.

Quelle

Weitere Informationen und das Sommergespräch mit Herbert Kickl finden Sie beim ORF: Sommergespräche.

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