Oberbank: Weniger Gewinn, solide Geschäfte

Oberbank-Chef Franz Gasselsberger glaubt, dass Inflation Höhepunkt bald überschritten hat. Unterm Strich blieb ein Gewinn nach Steuern von 86,4 Millionen Euro, das waren 24 Prozent weniger als im Halbjahr des Vorjahres.
Autor: Klaus Schobesberger, 25.08.2022 um 17:04 Uhr

Das Minus an den Börsen, Marktschwankungen und Kursverluste eigener Beteiligungen wie jener an der voestalpine bescherten der Oberbank AG im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang von fast 25 Prozent. Nach Abzug der Steuern verdiente die Bank 86,4 Millionen Euro, im Vorjahres-Halbjahr waren es noch 113,7 Millionen Euro. Das eigentliche Bankgeschäft lief aber sehr gut. Vor allem Kredite wurden stark nachgefragt. Das brachte einen Rekordwert beim Zinsergebnis von plus 13,6 Prozent auf 189,5 Millionen Euro. Auch bei den Provisionen verdiente die Bank bestens (plus 12,8 Prozent auf 109,2 Millionen Euro). Für notleidende Kredite mussten mit 3,6 Millionen Euro dafür um 57,2 Prozent weniger Rückstellungen gebildet werden als in der ersten Hälfte des Vorjahres. "Wir hatten noch nie so ein gutes Zinsergebnis, starkes Dienstleistungsgeschäft und niedriges Risiko. Das zeigt, dass die Oberbank im operativen Geschäft hervorragend aufgestellt ist", sagte Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank, heute bei einer Pressekonferenz. Auch das Eigenkapital konnte neuerlich deutlich um 223 Millionen auf 3,4 Milliarden Euro erhöht werden (plus 7,1 Prozent). Die Oberbank zählt damit zu den bestkapitalisierten Banken Europas.

"Viele können sich das Sparen nicht mehr leisten"

Ein belastbarer Ausblick sei für die nächsten Monate laut Gasselsberger nicht möglich. Im Halbjahresbericht geht man aufgrund der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen von einer schwächeren Kreditnachfrage und höheren Risikokosten aus. "Nur sehen wir das aktuell in den Büchern der Oberbank nicht oder noch nicht abgebildet. Denn die Pipeline insbesondere für das Kommerzgeschäft ist gut gefüllt", sagt Gasselsberger. 85 Prozent der Firmenkunden würden demnach mit einem positiven Jahresergebnis 2022 rechnen. 95 Prozent der Unternehmen hätten ihren Liquiditätsbedarf geregelt. Besorgniserregend sei allerdings, dass 15 Prozent der Firmen Probleme haben, steigende Preise weiterzugeben. Bei der Wohnbaufinanzierung sieht die Bank aufgrund der hohen Preise am Bausektor einen leicht rückläufigen Markt. Im Privatkundengeschäft verzeichnet das Institut einen deutlichen Rückgang der Sparquote. Die privaten Kundeneinlagen stiegen nur noch leicht um 0,6 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro.  "Viele können sich das Sparen einfach nicht mehr leisten", sagt Gasselsberger. Auch die Konsumstimmung sei nicht gut.

"Inflation steuert auf Höhepunkt zu"

Grund dafür ist natürlich die hohe Teuerung, die im Juli bei rekordverdächtigen 9,3 Prozent gelegen ist. Gasselsberger sieht aber die Inflation bereits auf ihren Höhepunkt zusteuern."Es kann sein, dass die Inflation noch leicht zweistellig wird, aber spätestens im vierten Quartal geht sie zurück." Der Oberbank-Chef glaubt auch nicht, dass uns eine schwere Rezession ins Haus steht. "Wir werden ein Soft Landing sehen", verbreitet er Optimismus. Für die Regierung gibt es Lob und Tadel. Die Abschaffung der kalten Progression sei gut und wichtig gewesen.  Kritik gibt es für die vielen Teuerungshilfen, welche die Inflation nur weiter befeuern würden. Der Fokus müsse auf Einkommensschwache bei den Hilfen gelegt werden. Für den zahlenden Mittelstand fordert Gasselsberger "endlich eine Steuerentlastung". Das alles wäre der Regierung auch möglich. Denn sie habe noch nie so viele Steuereinnahmen wie jetzt verzeichnet – heuer wird die 100 Milliarden Euro Steuer-Einnahmensschwelle überschritten. Kritik auch an strukturverbessernde Maßnahmen: Es gibt nicht wirklich einen mittel- und langfristigen Plan für den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs."