Neutralität: Wir lieben unsere Heilige Kuh

Der Bundeskanzler hat uns verboten, über die Neutralität nachzudenken. Daran halten wir uns natürlich.
Autor: Robert Eichenauer, 11.03.2022 um 14:13 Uhr

Der genetische Code der ÖVP steht seit jeher für Beständigkeit, Kontinuität und Tradition. Daher ist es nur konsequent, dass in Anlehnung an Sebastian Kurz, der letzten Sommer die Pandemie für beendet erklärte, dieser Tage dessen Nachfolger Bundeskanzler Karl Nehammer die Diskussion um die Neutralität abwürgte. Tradition, Heilige Kuh und so. Völlig zu Recht, sagen viele, schließlich sei der Österreicher schon mit der Corona-Pandemie sowohl intellektuell als auch mental ge- wenn nicht gar – überfordert. Und jetzt hat er bekanntlich noch die Zusatzaufgabe bekommen, einerseits Verhandlungsstrategien für die Ukraine zu entwickeln und andererseits militärische Expertisen abzugeben. Wie soll er sich da auch noch über unsere Neutralität Gedanken machen? Virologe und Militärexperte geht ja irgendwie noch, weil verwandte Disziplinen. Den Verfassungsjuristen soll aber jetzt bitte wer anderer machen. Wo sind die Zeiten, in denen wir bloß Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft waren. Dafür bleibt leider gar keine Zeit mehr. Dabei bräuchte Franco Foda so dringend Unterstützung.

Mit dem Leben verteidigen

Wenn sich also nicht einmal Frau und Herr Österreicher diese Aufgabe zutrauen, dann will das was heißen. Es ist einfach zu viel in zu kurzer Zeit. Selbst für uns Genies. Da kann die Neutralität hundertmal überholt sein und uns im Ernstfall eh nix helfen. Die wird nicht angerührt. Notfalls verteidigen wir sie mit unserem Leben, mindestens aber mit Zähnen und Klauen. Naja, und Veränderung wollen und brauchen wir sowieso nicht. Weil was hat uns das jemals gebracht. Und außerdem sind wir mit der Neutralität immer gut gefahren. Wohin eigentlich? Wurscht, wir brauchen keine Diskussion. Basta.