ZIB2: Kommunistin Kahr im Kreuzverhör

Elke Kahr ist die strahlende Siegerin der Grazer Gemeinderatswahl. Mit einem Zuwachs von 8,5 Prozentpunkte auf 28,8 Prozent hat sie Siegfried Nagls ÖVP hinter sich gelassen. Noch am Wahlsonntag hat der Ex-Stadtchef das Handtuch geworfen. Künftige Herrin der Stadt könnte also eine Kommunistin werden – bzw. was heißt könnte: Als klare Siegerin, ist dieses Szenario mehr als wahrscheinlich.  Dass Kahr nicht vor der Aufgabe zurückschrecken würde, hat sie im Gespräch mit Armin Wolf deutlich betont: „ Selbstverständlich bin ich den Menschen in der Pflicht.“ Noch muss sich Kahr allerdings der Wahl durch den Gemeinderat stellen. Wie nicht anders zu erwarten, kann sie dabei weder auf schwarze, noch auf blaue Unterstützung hoffen. Wie es von Seiten der SPÖ oder den NEOs aussieht, ist noch nicht klar.

Wolf fragt nach

Dass Kommunistin Kahr ideologisch polarisiert, steht außer Frage. Ihr vielbeachtetes Interview in der ZiB 2 hat aber noch aus ganz anderen Gründen für Aufregung gefragt. Die Frage, wie gefährlich die KPÖ denn eigentlich sei, ist man gewohnt. Ungewohnt hart war aber die Art, in der das Moderator Wolf diesmal getan hat. Nicht nur in Graz hat man dafür wenig Verständnis. So schreibt Veronika Bohrn Mena: „Wenn Elke Kahr weiter zu Stalin befragt, ihr als Person eine "menschenverachtende Ideologie" attestiert und sie mit Faschisten verglichen wird, trete ich aus Trotz in die KPÖ ein.“

 

Twitteria regt sich auf

Nicht nur der Gast selbst, auch Wolfs Fragen haben die Zuseherinnen gewohnt polarisiert. Vor allem das Thema um den Anspruch auf den Bürgermeistersessel stieß vielen sauer auf. So stellt Userin Sybille Zeisel fest: „Frau Kahr will als Chefin der stimmenstärksten Partei in Graz und glänzende Wahlsiegerin Bürgermeisterin werden. Total verrückt, nicht wahr, Herr Wolf?“

Und natürlich blieben auch Vergleiche mit der oberösterreichischen Landtagswahl nicht aus. So möchte Userin nudlegg etwa wissen: „Warum wird Stelzer von der #zib2 nicht gefragt, woher er den Anspruch nimmt wieder Landeshauptmann zu werden zumal ihn 63% der Wählerinnen in OÖ NICHT gewählt haben?“

Kanzler mit weniger Stimmen?

Und auch der Vergleich mit Deutschland darf natürlich nicht fehlen. So stellt Bülent Celik die Ergebnisse nebeneinander: „Kann @ArminWolf nicht ganz nachvollziehen…in D wird Partei mit 25% Kanzler stellen… in Graz spricht er von 70%, die sie nicht gewählt hätten und stellt Bürgermeister-Posten in Frage.“

Viel Lärm um Nichts

Wolf reagiert Aber natürlich hatte der Anchorman Gründe für die Frage. Auf die Frage von Userin Amela Mircovic, warum Wolf die Bürgermeisterfrage ausgerechnet an Kahr richte, reagiert Wolf mit folgender Antwort: “Ich habs jetzt zigfach erklärt. Weil Kahr die Frage, ob sie überhaupt Bprgermeisterin werden will, mit „Die Menschen von Graz wollen das“, beantwortet hat und nicht mit „Selbstverständlich, deswegen bin ich ja angetreten und wir haben dafür eine Mehrheit bekommen“, oä.“

Autor: Stefanie Hermann, 28.09.2021