Graz. Ein Sozialfall.

Einmal mehr schockiert Graz den Rest der Welt. Die KPÖ hat tatsächlich die Wahlen in der zweitgrößten Stadt dieses Landes gewonnen. Klar, dass da so mancher Kommentator einmal mehr ein linkslinkes Schreckgespenst an die Wand malt. Zu Unrecht, wie die Grazer wissen. Elke Kahr ist eine mehr als redliche Politikerin. Im Grunde macht sie nichts anderes, als das Lebenswerk von Ernest Kaltenegger, dem Heilsbringer der Grazer KPÖ, fortzuführen. Die KPÖ ist nämlich keine politische Partei im herkömmlichen Sinn und sie macht auch nicht wirklich Politik im herkömmlichen Sinn. Sie kümmert sich wenig bis gar nicht um die Veränderung von Strukturen, richtige Steuerungsmaßnahmen oder ideologische Konzepte. Die KPÖ Graz ist vielmehr so etwas wie ein Sozilahilfeverein. Elke Kahr hilft Menschen in Not. So einfach ist das. So redlich ist das.

Kein Sozialverein

Aber ist das wirklich das, was wir Bürger brauchen? Ist die Verteilung von Almosen schon Politik? Mitnichten. Politik hat nicht die Aufgabe, wahllos Geld an Bedürftige zu verteilen, denn das hat man auch an Jörg Haiders Hunderter kritisiert. Politik hat die Aufgabe zu gestalten, die Parameter so festzulegen, dass es den Menschen einer Stadt oder eines Landes entsprechend gut geht. Sollte Elke Kahr tatsächlich Bürgermeisterin werden, wird sie einen neuen Weg einschlagen müssen – weg vom Habitus eines Sozialvereins, hin zur einer politisch konstruktiven Kraft.

Autor: Robert Eichenauer, 26.09.2021