Karner will Kinder wegsperren: Das steckt hinter dem Plan
- Karner will Intensivtäter unter 14 Jahren „wegsperren“
- Jugendkriminalität: Zahl der Tatverdächtigen steigt deutlich
- 50 bis 60 unmündige Intensivtäter allein in Wien
- Karner kündigt härtere Maßnahmen an
- Jugendkriminalität verlagert sich zunehmend ins Netz
Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) will im Kampf gegen die Jugendkriminalität härter gegen noch nicht strafmündige Intensivtäter vorgehen. Nach dem Vorbild einer Wiener „Auszeit-WG“ sollen entsprechende Einrichtungen auch in anderen Städten entstehen. Karner formuliert seinen Kurs am Donnerstag unmissverständlich: „Es ist notwendig, dass auch Kinder eine gewisse Zeit weggesperrt werden können.“
Karner will Intensivtäter unter 14 Jahren „wegsperren“
Konkret geht es um Kinder unter 14 Jahren, die wiederholt schwere Straftaten begehen, aufgrund ihres Alters aber noch nicht strafmündig sind. Karner befürwortet für diese Gruppe „gefängnisähnliche Unterbringungen“. Als Vorbild dient die sogenannte Auszeit-WG in Wien. Dort ist derzeit ein Kind untergebracht, der Einzug eines zweiten Kindes wird vorbereitet. Die Erfahrungen mit dem Wiener Modell sollen in ähnliche Einrichtungen in anderen österreichischen Städten einfließen.
Für Karner braucht es auch bei sehr jungen Tätern spürbare Konsequenzen. „Wenn Jugendliche oder Kinder Straftaten begehen, andere terrorisieren, schlagen oder mobben, dann muss es klare Konsequenzen geben. Es muss gezeigt werden, dass wir das nicht dulden“, erklärt der Innenminister.
Jugendkriminalität: Zahl der Tatverdächtigen steigt deutlich
Karner bezeichnet die Jugendkriminalität als eines der „Sorgenkinder“ der Sicherheitsbehörden. Die Zahlen des Innenministeriums zeigen einen deutlichen Anstieg: 2021 sind österreichweit 37.185 Tatverdächtige unter 18 Jahren registriert worden, 2025 sind es bereits 49.067. Das entspricht einem Plus von rund 32 Prozent.
Besonders stark fällt der langfristige Anstieg bei den Zehn- bis unter 14-Jährigen aus. Im Vergleich zu 2006 erhöht sich die Zahl der Tatverdächtigen in dieser Altersgruppe laut Innenministerium um rund 137 Prozent. Bei syrischen Tatverdächtigen zwischen zehn und 14 Jahren steigt die Zahl von 318 im Jahr 2021 auf 1.528 im Jahr 2025.
50 bis 60 unmündige Intensivtäter allein in Wien
Besonders angespannt ist die Situation laut Innenministerium in Wien. Derzeit gibt es in der Bundeshauptstadt 50 bis 60 unmündige Intensivtäter. Darunter versteht das Ministerium Kinder, die schwere Straftaten wie Raubüberfälle oder Einbruchsdiebstähle begangen haben.
Auch in anderen Städten gibt es solche Fälle. Laut Innenministerium erreichen sie dort allerdings nicht das Wiener Ausmaß. Eine eigene Auswertung liegt für diese Städte nicht vor. Das Problem bei der strafrechtlichen Verfolgung: Kinder unter 14 Jahren sind in Österreich nicht strafmündig.
Karner kündigt härtere Maßnahmen an
Mit den geplanten Unterbringungen allein will es Karner nicht belassen. „Die Kriminalität wird immer jünger und digitaler“, warnt der Innenminister. Deshalb sollen die polizeilichen und repressiven Maßnahmen verstärkt werden.
Polizeiliche Schwerpunktaktionen reichen aus Sicht Karners jedoch nicht aus. Geplant ist ein umfassenderes Maßnahmenpaket. Dazu gehören sicherheitspolitische Fallkonferenzen, bei denen Polizei sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gemeinsam über besonders problematische Fälle beraten sollen. Karner nennt dabei ausdrücklich „Elfjährige, Zwölfjährige, 13-Jährige“.
Wie stark die Polizei bereits gegen Jugendkriminalität vorgeht, zeigt eine Schwerpunktaktion in Wien-Meidling vom Mittwochabend. Mehr als 80 Polizistinnen und Polizisten kontrollieren 195 Personen, darunter 54 Minderjährige und 16 Strafunmündige. Fünf Personen werden festgenommen, 36 werden angezeigt.
Jugendkriminalität verlagert sich zunehmend ins Netz
Neben klassischen Straftaten rückt auch die Radikalisierung Minderjähriger im Internet stärker in den Fokus der Sicherheitsbehörden. DSN-Direktorin Sylvia Mayer sieht den Online-Raum als zentralen Ort dieser Entwicklung. Foren, Messenger und Gaming-Plattformen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Auch Staatssekretär Jörg Leichtfried (SPÖ) warnt vor der Entwicklung: „Radikalisierung ist längst kein Randphänomen mehr – sie findet zunehmend digital statt, wird jünger, schneller und subkultureller.“ Polizei und Verfassungsschutz wollen deshalb verstärkt auf Früherkennung und Prävention setzen.