Im Abgang ein wenig bitter

Häupl, Ludwig. Pühringer. Und jetzt auch noch Hermann Schützenhöfer. Mit ihm geht der Letzte aus der Riege der mächtigen Landeshauptleute.
Autor: Robert Eichenauer, 03.06.2022 um 13:23 Uhr

Landesvater. Integrationsfigur. Konstante. Mit Hermann Schützenhöfer tritt ein Repräsentant einer scheinbar überkommenen Politikergeneration ab, einer Generation, die diese Tugenden noch gelebt hat - oder es zumindest versuchte. Zugegeben, er kam manchmal etwas altväterlich rüber, auch altmodisch vielleicht. Aber zu jeder Zeit integer. Und genau diese Integrität ist es, die zwischen den Untiefen von Social Media und bösartigen Beleidigungen verloren gegangen ist. Kontinuität hat im Leben des Hermann Schützenhöfer immer eine große Rolle gespielt. Er war kein Sprinter, vielmehr ein Marathonmann. Und immer unterschätzt. Kaum jemand hat ihm den Sprung auf den Landeshauptmann-Sessel zugetraut. Immer galt er als ewiger Zweiter, als braver Zuarbeiter. Schützenhöfer hat seine Kritiker am Ende schlecht aussehen lassen. Es waren keine flotten Sprüche oder spektakuläre Ankündigungen, die ihn letztlich auf den Thron gebracht haben. Sondern es war genau jene Konsequenz und Konstanz, die ihn als Spätberufenen in den steirischen Olymp hievten. Und so darf er sich mit Fug und Recht in eine Reihe mit seinen berühmten Vorgängern stellen.

Es war Zeit

Und doch ist es gut, dass er nun abtritt und – wie er selbst sagt – eine geordnete Übergabe einleitet. Schützenhöfer hat instinktiv gespürt, dass es an der Zeit ist, das Zepter einem Jüngeren weiterzugeben. Auch wenn der Abschied sichtlich nicht leicht fällt und die eine oder andere Träne zerdrückt wurde. Mit Christopher Drexler folgt nun ein anderer Typus von Politiker. Kein Landesvater. Aber einer, der, wie sein Vorgänger, über Konstanz, Integrität und jede Menge Intellektualität verfügt. Die Fußstapfen, in die er tritt, sind zwar groß, aber keinesfalls zu groß.