Letztes Buch von FPÖ-Kandidat: Hitlers "Mein Kampf"

Josef Gschwandegger will in den Gemeinderat von Waidhofen a. d. Ybbs einziehen. Im Rahmen des Wahlkampfs wurde er, ebenso wie andere Kandidaten, in einem Wordrap zu seinen Vorlieben befragt - ein probates Stilelement, um etwas mehr  über eine Person öffentlichen Interesses zu erfahren. Gschwandegger lernte man allerdings besser kennen, als so manchem Wähler lieb war: Auf die Frage, welches Buch er zuletzt gelesen hatte, antwortete er: „Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war 'Mein Kampf'."

Porträt vor künstlich blauem Himmel

Der Einwand des FPÖ-Kandidaten, er sei falsch zitiert worden, ließ zunächst aufhorchen. Allerdings fügte  die  "Korrektur" seiner ersten Aussage nichts wirklich Relevantes hinzu. Auf erneute Nachfrage der "Bezirksblätter" erklärte Gschwandegger:

"Ich habe 'Mein Kampf' schon vor längerer Zeit gelesen. Ich lese generell wenig, vielleicht ein Buch im Jahr."

Gschwandeggers Strategie in der Lektüre-Causa ist vielmehr Gegenangriff.  „Offensichtlich will man wieder einmal eine Woche vor einer Wahl in Niederösterreich mit Dreck werfen, um von den tatsächlichen Problemen – Stichwort Coronachaos – die Bürger abzulenken und versucht, eine Geschichte hochzuziehen, die keine ist“, wird er in einer FPÖ-Aussendung  zitiert. Er lehne die "unfassbaren Menschheitsverbrechen und Gräueltaten der hinter diesem Buch stehenden Ideologie" zutiefst ab.

Unappetitliche Figur

Die Spitzenkandidaten für die Waidhofner Gemeinderatswahl  ließen mit ihren Reaktionen nicht lange auf sich warten. WVP, SPÖ und Liste FUFU meldeten sich via Social Media  zu Wort. „Josef Gschwandegger, du bist die unappetitlichste Figur die ich kenne“, schnaubte Stadtrat Martin Dowalil (Liste FUFU) auf Facebook. Bürgermeister Werner Krammer (WVP): „Tut mir leid, Josef Gschwandegger: ‚Mein Kampf‘ als zuletzt gelesenes Buch geht gar nicht“.  „Lernen‘s Geschichte!“, forderte SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr den FPÖ-Kandidaten auf. 

Autor: Andrea Schröder, 20.01.2022