Die fünf erstaunlichsten Fakten über Taiwan

Die Pazifik-Insel ist als geopolitischer Streitfall in den Schlagzeilen. Aber was wissen wir sonst noch?
Autor: Klaus Schobesberger, 12.08.2022 um 07:18 Uhr

Taiwan ist neben der Ukraine der gefährlichste Ort der Welt. Seit dem Besuch von Nancy Pelosi, der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, ist das Säbelrasseln zwischen den Supermächten China und den USA noch lauter geworden. Aber was wissen wir von der an der Küste Chinas gelegenen Pazifik-Insel, die nur halb so groß ist wie Österreich, aber dreimal so viele Einwohner hat? Herzlich wenig – außer vielleicht, dass es ein hochentwickelter Industriestandort ist und der Bubble Tea dort erfunden wurde. Hier lesen Sie die wichtigsten Fakten, die Taiwan einzigartig machen.
 

1. Taiwan heißt offiziell "Republik China"

Stellen Sie sich vor, König Ludwig XVI. wäre in der Französischen Revolution nicht am Schafott gelandet, sondern auf die Insel Korsika geflohen und hätte dort das des Ancien Régime weitergeführt. Genau das passierte nach dem chinesischen Bürgerkrieg. Dieser endete 1949 mit dem Sieg der Kommunisten, die daraufhin die "Volksrepublik China" ausriefen. Die nationalistische Partei floh nach Taiwan und regierte dort als "Republik China" weiter. Das ist die Basis des Konflikts. Chinas langfristiges Ziel ist die "Wiedervereinigung" mit Taiwan.

2. Taiwan ist das Zentrum der Chip-Industrie

Doch das wollen die USA verhindern. Die Insel ist von enormer strategischer Bedeutung für den Westen, aber auch für China. "Made in Taiwan" ist ein Markenzeichen. 90 Prozent der fortschrittlichsten Mikrochips (etwa für Smartphones) werden von TSMC produziert. TSMC ist der wertvollste Halbleiterhersteller der Welt und im Know-how der Konkurrenz ein Jahrzehnt voraus. Würde TSMC die Produktion einstellen, wäre die ganze Welt betroffen. Auch die Computerhersteller Acer und Asus haben auf der Insel ihren Sitz.  
 

Chiphersteller TSMC

3. Taiwan hat das weltbeste Gesundheitssystem

Die High-Tech-Insel ist ein Vorbild im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Taiwan wurde 2003 vom SARS-Virus hart getroffen und lernte schnell. Neue wissenschaftliche Einrichtungen entstanden und es wurde in die Ausbildung von Fachpersonal investiert. Big-Data-Analysen und digitale Nachverfolgungssysteme bewährten sich. Das Leben der Bevölkerung war kaum beeinträchtigt, die Wirtschaft wuchs 2021 um 6,45 Prozent. Impf- und Maskengegner sind in Taiwan unbekannt. 


4. Taiwan hat die vorbildlichsten Städte

Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte wird in der Hauptstadt Taipeh eine effiziente Flächennutzung gefördert. Wohnungsleerstände sind verboten und die Regierung verpachtet Gebäude an den privaten Sektor. Taipeh hat mehr Grünflächen als Tokio, Geschäfte sind gut zu Fuß erreichbar und die Stadt hat eines der besten U-Bahn-Systeme der Welt. 84 Prozent der Einwohner haben Wohnungseigentum, in Wien sind es rund 20 Prozent. Sowohl Mittelschicht und Arbeiterklasse leben im Stadtzentrum. 


5. Taiwan hat die liberalste Gesellschaft Asiens

Taiwan war das erste asiatische Land, das die Homo-Ehe legalisierte und punkto Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern mit Norwegen den Spitzenplatz einnimmt. An der Spitze des Staates steht mit Tsai Ing-Wen eine Frau, der Frauenanteil der Regierung beträgt 42 Prozent. Das Lohngefälle (Gender-Pay-Gap) zwischen den Geschlechtern ist mit 14 Prozent geringer als in Österreich (19 Prozent).