Die Deppatn gegen die Gspritztn

Wer hat recht? Egal. Am Ende der Auseinandersetzung rund um die Impfung sind wir wohl alle Verlierer. So oder so.
Autor: Robert Eichenauer, 07.08.2021 um 12:33 Uhr

Je länger die Pandemie dauert, desto mehr gerät die Auseinandersetzung zwischen Impfgegnern und Befürwortern außer Kontrolle. Das zeigt auch eine kürzlich veröffentliche Studie des Imas-Instituts, wonach die Spaltung durch Corona noch stärker sei als nach der Migrationskrise 2015. Mittlerweile reißt auch manch gemäßigtem Befürworter der Geduldsfaden. Immer mehr Menschen fordern angesichts der neuerlich ansteigenden Infektionen eine Impfpflicht oder zumindest so scharfe Maßnahmen, dass den Impfverweigerern das Hören und Sehen vergehen möge.

Nun, das Problem ist, dass das Thema nicht nur eine individuelle Dimension hat, worauf sich die Impfgegner gerne zurückziehen möchten, sondern eine gesamtgesellschaftliche. Geringe Durchimpfung bedeutet hohes Infektions- und Sterberisiko. Die Folge davon könnten weitere Lockdowns sein, die irgendwann wirtschaftlich nicht mehr verkraftbar sind und damit auch den Geimpften schaden. Sagen zumindest die Impfbefürworter. Impfzwang ist für die Gegner naturgemäß ein Reizwort, das diese zu noch mehr Aggressivität aufstachelt. Man will mit allen Mitteln und jeder Menge Fake News die Befürworter überzeugen, dass sie falsch liegen. Leider führt dieser Weg oft zu dubiosen Quellen, die nicht selten in den Armen von Verschwörungserzählern enden. Dazu kommt, dass so manche politische Partei die Angst für sich nutzten möchte und die Stimmung noch weiter anheizt, um Wählerstimmen zu generieren.

Unüberwindbare Gräben

Momentan kann man sich kaum vorstellen, dass die beiden Lager die aufgerissenen Gräben überwinden und einen Schritt aufeinander zu gehen. Zu groß ist der Hass, zu sehr möchte die jeweilige Gruppe im Recht sein. Vor allem die Gegner haben sich einbetoniert und verweigern jeglichen vernünftigen Diskurs. Wahrscheinlich ist das die normale Reaktion einer Minderheit, die sich ins Eck gedrängt fühlt. Aber auch die Befürworter, zu denen ich mich zähle, sollten mehr Verständnis für die Bedenken des Gegenübers haben. Den anderen zu akzeptieren und zu verstehen, ist halt wahnsinnig schwer. Vor allem, wenn man ihn für deppat hält.