Anti-Kater-Pille: Neues Wundermittel?

Wirft man das Nahrungsergänzungsmittel ein, bevor man Alkohol trinkt, lindert es angeblich bis zu 70 Prozent der Kater-Symptome.
Autor: Simone Reitmeier, 19.10.2022 um 15:17 Uhr

Dauert das Feierabendbier etwas länger als geplant, kann der Tag danach zum Alptraum werden: Ein fieser Kater mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel machen sich breit. Damit soll nun aber endgültig Schluss sein – dank der Anti-Kater-Pille „Myrkl“, die ab sofort auch nach Österreich geliefert wird. Das aus Schweden stammende Wundermittel soll laut Hersteller Symptome einer feucht-fröhlichen Nacht um bis zu 70 Prozent reduzieren.

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Bakterien-Armee rückt aus

„Myrkl“ ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das nicht wie ähnlich wirkende Arzneien nach einem (exzessiven) Alkoholkonsum geschluckt wird, sondern bereits vorab. In dem Präparat befinden sich Vitamin B12, Zucker, die Aminosäure L-Cystein und vor allem darmfreundliche Bakterien. Sie sollen den Stoffwechsel ankurbeln und Alkohol besonders schnell abbauen – und zwar noch bevor er überhaupt in den Blutkreislauf gelangt. Man bekämpft also nicht die Symptome, man versucht sie bereits im Vorhinein zu vermeiden. Das Ganze funktioniert laut Hersteller aber nur dann, wenn man zwei Pillen mindestens eine Stunde vor dem Alkoholkonsum einnimmt – für spontane Trinkgelage ist die die Anti-Hangover-Tablette demnach nichts.

Weniger Hangover, weniger Rausch

Stimmt das Prinzip hinter Myrkl, wird durch den schnellen Abbau von Alkohol nicht nur der Kater, sondern auch der berauschende Effekt reduziert. Wer sich also betrinken möchte, steigt mit der Anti-Kater-Pille deutlich teurer aus, da man schlicht und ergreifend mehr verträgt. Ist man weder an Kater noch an Rausch interessiert, ist die Pille jedoch einen Versuch wert. Am besten lässt man allerdings gleich die Finger von Alkohol oder genießt Gin, Wein, Bier & Co. in Maßen. „Die Aussicht, durch ein Produkt deutlich mildere Nachwirkungen zu haben, könnte womöglich sogar zu einem verstärkten Alkoholkonsum und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken führen“, zeigt sich Maximilian Bauer von der Apothekerkammer Österreich besorgt.

Dürftige Studienlage

Laut Hersteller De Faire Medical AB war die Pille nach dem Marktlaunch in Großbritannien binnen 24 Stunden ausverkauft. Sieben von zehn Personen seien damit zufrieden gewesen. „Das Produkt ist nicht im Warenverzeichnis und wird daher über Apotheken derzeit nicht vertrieben. Vom Bezug von Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln über das Internet raten wir dringend ab. Es besteht die Gefahr an gefälschte, verunreinigte oder unsachgemäß gelagerte Produkte zu geraten“, informiert Maximilian Bauer von der Apothekerkammer Österreich. Die wissenschaftlichen Grundlagen, auf die sich das Forscherteam stützt, sind eher dürftig. Das Produkt wurde lediglich an 24 Personen getestet, die sieben Tage hintereinander jeweils zwei Pillen schluckten und danach ein einziges Glas Alkohol tranken. Die Studie wurde im Journal „Nutrition and Metabolic Insights“ veröffentlicht.