Test: VW Multivan T7 - Neuer VW-Busfahrplan

Volkswagen hat in Sachen VW-Bus einen neuen Plan. Nach dem T6 kommt nicht der T7, sondern neben dem T6 gibt es nun den T7. Verwirrend? Dann einfach weiterlesen...
Autor: Werner Christl, 20.02.2022 um 15:00 Uhr

Wenn sich ein Designer an einem Monument wie dem VW-Bus vergreift, kann das eigentlich nur schiefgehen. Die eingeschworene Fangemeinde will im Grunde, dass alles so bleibt, wie es ist. Was also tun? Ganz einfach: der T7 Multivan wird ein eigenständiges Modell.  Ist der T7 aber wirklich so komplett anders als ein T6? 

Kein Stein auf dem andern.Verglichen mit dem T6 bzw. T6.1 spielt der „Neue“ vom Fahrgefühl her gesehen in einer anderen Liga. Im Grunde fährt er sich wie ein SUV oder Pkw. Sogar schnelle Kurven verträgt der Multivan, ohne dass einem der Angstschweiß auf der Stirn steht. Wankbewegungen gibt es nur ganz geringe und auf Langstrecken fährt sich der angebliche Bus enorm gut. Warum? Weil er leichter geworden ist, am Fahrwerk ordentlich Hand angelegt wurde, der Radstand länger geworden ist. Zwar sitzt man ein klein wenig tiefer als im T6, aber das fällt überhaupt nicht auf. Etwas nervig ist die dicke A-Säule, die zwar durch ein Dreiecksfenster entschärft wurde, aber wirklich ungut auffällt. Da wurde beidseitig ein enormer toter Winkel geschaffen. Nach hinten gibt es jedoch eine perfekte Rundumsicht. Auch motorisch geht man neue Wege. Erstmals kommt ein Plug-in-Hybrid zum Einsatz. Die Kombi aus E-Motor und Benziner schafft Ruhe im Auto. Die Windgeräusche sind auch verträglich. Nur beim beherzten Tritt aufs Gaspedal wird der 1.5 TSI Benziner mit 150 PS ganz klar hörbar und wirkt etwas angestrengt. Laut Volkswagen sollen 50 Kilometer rein elektrische Reichweite möglich sein. Das haben wir im Test nie erreicht. Die Realität im Winter liegt wohl so um die 40.

Foto: ©Peter Christian Mayr

Verbrauch. Beim durchschnittlichen Verbrauch spricht der Hersteller im Schnitt von 1,5 Liter.  Wer viel Kurzstrecke fährt und oft lädt, kann das zwar unterbieten, im Alltag ist das – wie bei allen Plug-Ins am Markt – natürlich ein frommer Wunsch. Im Test lagen wir beispielsweise bei einer Fahrt mit viel Autobahn, niedrigen Temperaturen, vollgestopft mit Koffer, Skiausrüstung und vier Personen bei 7,6 Litern Durchschnittsverbrauch auf einer Strecke von 250 Kilometern. Das ist ein sehr guter Wert! Interessant noch: es besteht die Möglichkeit, rein elektrisch zu fahren. Wer möchte, kann auch die Batterie mit dem Benziner laden und später die Energie abrufen. Das ist vielleicht nicht unbedingt Sinn der Sache – geladen wird eben in der Regel an der Steckdose. Und: Bis zu 140 km/h kann rein elektrisch gefahren werden. Wer keinen Plug-in will, kann derzeit nur auf Benzinaggregate zurückgreifen. Ein Diesel wird noch nachgereicht. Auffällig auch der Umstand, dass der Multivan um einige Zentimeter in der Höhe geschrumpft ist. Der neue Multivan ist nun um einiges niedriger als der T6 (vier Zentimeter). Das hat einen entscheidenden Vorteil: Panikattacken in Parkhäusern gehören der Vergangenheit an. Mit seinen 1,9 Metern Höhe lassen sich auch niedrigere Tiefgaragen erkunden, ohne dabei das Dach mittels Betondecke abzubauen.

VW-Bus Gene Adé? Bevor Bulli-Fans in Ohnmacht fallen und VW-Bus-Fans ein Sauerstoffzelt benötigen, hier einige Infos darüber, was von den T6-Genen noch vorhanden ist. Das bekannte VW-Bus-Feeling ist noch da. Das sieht man klar an den tollen Platzverhältnissen (sieben Sitze). Bis zu 3.672 Liter in der normalen Version und 4.005 Ladevolumen sind es in der „langen“ Version. Gut gelungen ist wieder das Sitzsystem. Die Sitze lassen sich mit einem Handgriff aus- und einbauen. Dabei hat VW in die Gewichts-Trickkiste gegriffen und das praktische Gestühl um ein Viertel leichter gemacht. Die äußeren Sitze haben übrigens sogar eine Sitzheizung. Gut gefallen hat uns die von hinten bis vorne verschiebbare Mittelkonsole mit Tischfunkton. Auch optisch ist der Multivan ganz klar als Volkswagen zu erkennen. Vorne das typische Gesicht. Der Bulliblick ist erhalten geblieben. Auch von der Seite betrachtet ein echter VW-Bus, aber optisch halt moderner. Nur von hinten gesehen ist er doch eigenständig. Vor allem die schmalen Rückleuchten sowie der große Spoiler zeigen das. 

Bus oder Buzz. Den VW Bus wird es in Zukunft in drei Varianten geben. Der T6.1 bleibt wie er ist. Ein Transporter bzw. Kombi-Caravelle und als Camper (California). Der Multivan ist ein Allrounder, der in Richtung Van unterwegs sein soll. Und dann kommt dieses Jahr noch der ID.BUZZ. Eine lustige Lifestyleversion des VW Busses, auf den wir schon gespannt sind. Warum Volkswagen so viel Energie in dieses Segment steckt. Na ja, wir sprechen hier von einer Transporter-Ikone, die sich mehr als gut verkaufen lässt. Während der Neuwagenverkauf in der Branche 2021 teils desaströs war, legte der T6 um 15 Prozent zu. Und das, obwohl der beliebte Alleskönner preislich alles andere als billig ist. Der getestete Multivan Energetic kostet mit überkompletter Ausstattung stolze 79.000,- Euro (Startpreis eHybrid 64.600,-). Das Multivan Sondermodell Business gibt es ab Euro 56.507,-.

Fazit Werner Christl: Ein Lastesel ist der VW-Bus ohnehin schon lange nicht mehr. Der neue Multivan geht aber zwei Schritte weiter und mutiert in Richtung Van. Das Wort Nutzfahrzeug klingt schon fast beleidigend... 

Technische Daten:

Motor: 1.4 TSI

Spitze rein elektrisch: 140 km/h

Antrieb: Elektro/Benziner (Plug-in)

Systemleistung: 218 PS 

Länge: 4,97 bis 5,17 Meter

Ladeflächevolumen: bis 4.053 Liter

Verbrauch laut Werk/Test: 1,5/7,6 L

Preis eHybrid: ab 64.613,- EUR

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