Test: Lexus NX 350h - Was kann der High-Tech-Japaner?

Optisch gehört der neue NX 350h in die Kategorie „Nix-Einheitsbrei“. Im Cockpit wurde gewaltig Hand angelegt, das Fahrwerk hat uns im Test mehr als gut gefallen. Wirklich spannend sind auch die neuartigen Features wie ein elektronischer „Türöffner“, der in Zusammenarbeit mit dem Überwachungssystem sogar herannahende Radfahrer erkennt.
Autor: Werner Christl, 23.05.2022 um 06:30 Uhr

Fahrbericht

Jetzt bin ich schon fast 20 Jahre Motorjournalist und dann das! Ich will aus dem Lexus NX aussteigen suche den Türgriff und finde keinen. Glücklicherweise war der Test-Lexus derart neu, dass am elektronischen Türgriff noch ein Auslieferungs-Pickerl klebte. Da stand: „PUSH-OPEN“. Also mache ich „Push“ und finde tatsächlich den Weg aus dem Lexus. Wenn man das einmal überrissen hat, macht so ein elektronischer Türöffner durchaus Sinn. Vor allem deshalb, weil dieser mit einem Assistenten verbunden ist, der einen herannahenden Radfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer erkennt und dann die Türe blockiert, damit der Radler keinen Abgang über die Fahrertüre macht. Auch auf der Beifahrerseite funktioniert das System. Probiert haben wir es nicht – das glaube wir auch so sicherheitshalber. Safe Exit Assist nennt sich das. Haben wir auch noch nie gesehen. Sehr spannend!

Wie fährt er sich?

Dass man von einem Lexus-Hybrid erwarten kann, dass dieser gut funktioniert, ist klar. Mutterkonzern Toyota ist immer noch eine Benchmark in Sachen Hybridtechnik. Wer möchte kann auch zwischendurch per Knopfdruck auf rein elektrischen EV-Modus schalten. In der Regel ist es aber klüger den Lexus selbständig werken zu lassen. Beim Verbrauch spricht Lexus von durchschnittlich 5,9 Litern, im Test lagen wir bei 6,5 Litern. Für ein 4,7 Meter langes Benziner-SUV mit Allrad ein super Wert. Ein Satz zum Allrad: Dieser wird durch einen zusätzlichen E-Motor an der Hinterachse ermöglicht.  Auch das Fahrwerk haben die Japaner sehr gut hinbekommen. Sicher nicht zu weich, auch nicht zu hart und trotzdem lassen sich enge Kurve flott nehmen. Es wirkt tatsächlich relativ dynamisch. Das mag auch mit der verstärkten Karosserie zusammenhängen. Beim Getriebe setzt man auf die Buchstaben CVT. Wir in der Redaktion sind da generell nicht so die absoluten Fans, auch wenn derartige Automatikgetriebe Vorteile haben. Unter anderem ermöglichen diese sparsames Fahren. Im Gegenzug muss man sich halt an die eher höheren Drehzahlen gewöhnen. Wobei, wenn schon ein CVT-Getriebe, dann so eins wie im Lexus. Im Grund passt es gut und fällt eigentlich nur beim beherzten Tritt aufs Gaspedal auf. kaum auf. Die Platzverhältnisse sind vorne sehr gut und auch hinten gibt es keine Kopfnuss für größer gewachsene Menschen. Trotz Coupéform passt die Kopffreiheit. Im Kofferraum verschwinden zwischen 545 und 1.436 Liter Ladegut.

Foto: ©Werner Christl

Neues Cockpit

Im Innenraum hat Lexus den größten Schritt nach vorne getan. Die Verarbeitung und der Materialmix ist – so wie man es von einem Auto mit Startpreis von über 50.000,- Euro erwarten darf – sehr gut. Hier wackelt nichts und wenn schon ungeschäumter Kunststoff verwendet wurde, dann dort wo es Sinn macht. Auffällig ist vor allem der riesige Multifunktions-Screen, der dem Fahrer zugeneigt ist. Menü und diverse Funktionen sind logisch angeordnet und der Finger erwischt bzw. wischt sein Ziel optimal. Die Klimatemperatur wird per Drehknopf eingestellt. Lexus hat insgesamt gesehen gerade so viele Knöpfe verbaut, wie es notwendig ist.

 

Foto: ©Werner Christl

Optik

Der Lexus NX ist kein Auto, dass mit der Masse mitschwimmt. Man geht doch einen eigenständigen Weg. Optisch gearbeitet wurde vor allem am Kühlergrill, der nun senkrechter steht. Auch das Heck wurde umgestaltet. Hier fällt der Lexus-Schriftzug ins Auge, der sich quasi über die gesamte Fahrzeugbreite zieht. Zusätzlich sind auch die Heckscheinwerfer neu. Die neue Generation Lexus ist leicht kantig und sportlich gezeichnet und doch anders als die meisten anderen Mitbewerber.

Fazit

Technisch fährt der Lexus in der Oberliga. Das zeigt auch der Endpreis, des hochgerüsteten NX 350h  Luxury Line mit allem Drum und Dran, der bei Euro 77.654,- Euro liegt. Preislich startet der 350 NX bei Euro 53.300,-. Ehrlich gesagt, haben wir den kompakten Hybridler gerne gefahren, da er sich kaum Schwächen leistet. Kein Auto, das man oft auf der Straße sieht – aber das macht wohl auch den Reiz am Lexus aus. Langstrecken frisst der Japaner förmlich in sich hinein. Die Dämmung ist ein Hit. Und mit der Zeit haben wir sogar gelernt, wie man ohne Türgriff aussteigt.

 

Daten und Fakten:

Länge: 4,66 Meter

Kofferraumvolumen: 545 bis 1.436 Liter

Motor: Vierzylinder Saugmotor 2.487 ccm

Leistung: 244 PS

Getriebe: CVT

0-100 km/h: 7,7 Sekunden

Verbrauch WLTP: 5,9