Porsche vor F1-Rückkehr mit Red Bull – Mercedes-Boss Wolff soll helfen

Die Volkswagen-Gruppe hat hinter den Kulissen ernsthaftes Interesse bekundet, in die Formel 1 einzusteigen. Die Serie braucht dringend neue Hersteller, denn nach dem Honda-Ausstieg Ende des Jahres sind nur noch drei Hersteller vertreten: Mercedes, Ferrari und Renault. Deshalb ist dieses Trio ebenso wie F1-Eigentümer Liberty Media dazu bereit, dass Reglement für spätestens 2026 zu vereinfachen.

Abschreckendes Reglement

Das seit 2014 geltende Motoren-Reglement (V6-Turbo-Hybrid) produziert mega-effiziente technische Wunderwerke, faszinierend und innovativ, die aber vor allem südteuer, extrem kompliziert und ohne Anwendungsmöglichkeit für Serien- und Straßenautos sind. Gerade Honda hat sich nach dem Einstieg 2015 jahrelang blutige Nasen geholt und sich der Lächerlichkeit preisgegeben, ehe man nun aufgeholt hat und dank massiver Investments Augenhöhe mit Mercedes hergestellt hat.

Dieses Beispiel hat allen anderen Herstellern signalisiert: Die Formel 1 in dieser Form ist für Neueinsteiger ein Millarden-Grab mit jeder Menge schlechter PR. Nicht zuletzt deshalb hat sich Honda für den Ausstieg mit Ende des Jahres entschieden.

Gute Erinnerungen an Porsche

Die Marke Porsche gehört seit 12 Jahren zur Volkswagen-Gruppe und es gilt als wahrscheinlich, dass mit mit diesem Namen (allenfalls noch Audi) in die Formel 1 einsteigen würde. Schließlich chauffierten Niki Lauda und Alain Prost zwischen 1984 und 1987 Porsche-Aggregate zu zwei WM-Titeln und 25 Rennsiegen – wenn auch unter dem offiziellen Namen TAG-Turbo. In Stuttgart hatte man damals Angst vor einer Blamage gegen Renault und Ferrari, vor allem aber gegen die damals ebenfalls weltmeisterliche Konkurrenz von BMW.

Weg mit dem Abgashitze-Rückgewinnungs-System?

Das Kernstück der aktuellen F1-Motoren sind die beiden Rückgewinnungs-Systeme, die Bremsenergie (MGU-K) und Abgashitze (MGU-H) rekuperieren und dem Motor in Form von zusätzlicher Leistung zurückgeführt werden. Das Erfolgsgeheimnis von Mercedes in den letzten Jahren war, dass die Abgashitze-Einheit jener der Konkurrenz um Lichtjahre voraus war.

Dennoch soll Mercedes-F1-Boss Toto Wolff laut Informationen des üblicherweise sehr gut informierten Online-Magazins "The Race" bereits Bereitschaft signalisiert haben, die MGU-H aus dem nächsten Motoren-Reglement (das ab 2025 oder 2026 gilt) zu streichen, um der Volkswagen-Gruppe den Einstieg zu erleichtern. Das Wohl des Sports geht ihm über dem Wohl von Mercedes.

Red Bull mit Motoren-Eigenmarke

Einstweilen wird Red Bull, das steht schon fest, die bestehenden Honda-Aggregate übernehmen und als Eigenmarke "Red Bull Powertrains" weiterführen. Am Firmensitz in Milton Keynes in England entsteht dafür eine hochmoderne Infrastruktur, welche VW einfach übernehmen könnte – kostengünstiger und mit mehr Know-How, als wenn man selbst von Null starten müsste. Es wird noch einiges an Tauziehen und Verhandlungen in Detailfragen zum neuen Motoren-Reglement geben, aber auch alle Konkurrenten sind daran interessiert, dass der Volkswagen-Deal mit Red Bull zustande kommt.

Das wäre doch etwas, wenn Max Verstappen in einem Porsche mit Mercvedes um die Krone in der Formel 1 rittern würde. Und wer weiß: Vielleicht ist der Volkswagen-Deal auch eine langfristige Exit-Strategie für den Red-Bull-Konzern. Es wäre nicht das erste Team, das seine langfristige Existenz mit der Übernahme eines potenten Herstellers sichern würde.

Autor: Philipp Eitzinger, 20.09.2021