Kolumne: Mein Traumauto ist ein Albtraum

Mein Traumauto säuft wie ein Kamel und ist im Grunde aus der Zeit gefallen... Werner Christl macht sich als Motorjournalist so seine Gedanken über ein echtes Traumauto.
Autor: Werner Christl, 25.04.2022 um 07:02 Uhr

Welches wäre dein Traumauto?

Diese Frage bekomme ich als Motorjournalist oft gestellt. Antwort: Ein 1967er Mustang Cabrio mit V8, das ordentlich stinkt, säuft wie ein verdörrtes Mustang-Pferd, sicherheits­technisch mit dem Wort Selbstmord einhergeht, so verlässlich wie das Wetter im April wäre, bei dem Ersatzteile in Gold aufgewogen werden und das im Regen nicht gefahren werden kann, weil das Verdeck sicher undicht ist. Eigentlich ein Albtraumwagen! Nächste Frage: Und bei den aktuellen? Schwierig, weil da immer das Hirn ein Wörtchen mitzureden hat. Ein Elektrosportwagen mit 800 PS „mit ohne“ Platz? „Mit ohne“ Geld ist auch der Bentley-­Convertible kein Traumwagen.

Leicht bieder...

Ferrari? Lambo? … Midlife-Crisis? Also gut, zurück zur Realität. Tatsächlich fahre ich privat mein „Traumauto“. Ein einigermaßen sparsames SUV mit viel Platz und robustem Innenraum, der Angriffe durch jüngere Familienmitglieder (Wurstsemmelreste, Bananengatsch usw.) überlebt. Leicht bieder, aber praktisch und nicht zu teuer. Es ist wohl weniger ein Traumauto, sondern eines, das im Alltag nicht zum Albtraum wird. Traum und Wirklichkeit klaffen da eben schon leicht auseinander. Letzter Versuch: Mein Traumwagen … fährt elektrisch und hat eine riesige Reichweite, viel Platz und kostet nix. Den gibt es aber nicht bzw. klingt das schon fast nach Straßenbahn! Also bitte, nicht mehr nach meinem Traumwagen fragen …