Fahrbericht: Cupra Born - "A car is born!"

Wien, 7 Uhr früh, Starkregen und 10-Grad - die Stimmung drückend. Barcelona, zwei Stunden später, 20 Grad - strahlender Sonnenschein. Die Stimmung ist hervorragend. Wir hatten wirklich Glück zwei Traumtage im herbstlichen Barcelona zu erwischen. Genau das richtige Setting für einen ersten Fahrbericht des nagelneuen Cupra Born. Dem ersten rein elektrischen Fahrzeug der noch jungen Performance-Marke im VW-Konzern und ehemaligem Seat-Anhängsel. Der Born ist zwar keine Eigenentwicklung und teilt sich Technik und Plattform mit seinem Konzernbruder dem VW ID.3, allerdings kommt er optisch sehr scharf daher und auch der Innenraum ist mehr als gelungen. Ist er etwa die bessere Wahl als der ID.3?

Technik und Design - Optisch eine Wucht!

Eine erste kurze Begegnung mit dem Born hatten wir bereits bei der Weltpremiere im Frühjahr in Wien. Schon dort war klar, Cupra will den Markt der kompakten E-Autos ordentlich aufmischen, das Design ist äußerst dynamisch, bleibt dabei aber doch elegant. Auch unter der spanischen Sonne hat sich dieser Eindruck mehr als gefestigt. Obwohl er sich die Plattform mit dem ID.3 teilt ist er optisch äußerst eigenständig und traut sich was. Sehr sehr ansehnlich.

Bei der Technik sind die Ähnlichkeiten größer. Es gibt drei Batterieversionen (45 kWH, 58 kWh und 77 kWh) und drei Leistungsstärken (150, 204 und 231 E-PFerde). Da die stärkste Version namens e-boost erst Ende 2021/Anfang 2022 erscheint und die Einstiegsvariante (45 kWh/150 PS) erst ab Quartal 2/2022 auf den Markt kommt nahmen wir Platz im 204-PS starken Born mit der 58 kWh-Batterie. Die vom ID.3 geerbte nüchterne Tachoanzeige begrüßte uns bei rund 90 Prozent mit 300 Kilometer Reichweite (lt. Werk 423 Km WLTP), vorerst völlig ausreichend für einen Tag in Barcelona. Sehr positiv ist das doch andere Infotainment-System. Es wurde "cupraisiert" und ist übersichtlicher, sowie dynamischer als jenes im ID.3. Auch die Bedienung ging flott von der Hand, ohne nennenswerte Stotterer. Android Auto und Apple CarPlay sins natürlich mit von der Partie aber für Internet nicht zwingend erforderlich. Denn der Born ist von Haus aus per e-Sim vernetzt unterwegs und lässt sich per App auch aus der Ferne überwachen. Weniger gut gefallen haben uns die, ebenfalls aus dem ID.3 bekannten, Touch-Flächen für Klima und Lautstärke. Geschmacksache, ja, aber zum schnellen Umschalten doch eher hinderlich und nicht so intuitiv wie Knöpfe. Das fahrerzentrierte Cockpit glänzt mit hochwertiger Verarbeitung und viele, sehr sportlichen 3D-Oberflächen. Wie Cupra uns bei einem Termin mitteilt, legt man Wert auf nachhaltige und recyclebare Materialien.

Fahreindruck - Holla die Waldfee!

Raus aus dem Airport - rein in den Cupra und ab auf die Straßen Kataloniens. Manchmal muss es da schnell gehen mit dem Fahrspurwechsel und das tut es zum Glück auch im Born. Die 310 Newtonmeter Drehmoment kicken ordentlich und befördern den Born flott auf die gewünschte Geschwindigkeit (offiziell 7,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h). Das ganze mit Hinterradantrieb, Allrad bieten die Spanier keinen an. Spannenderweise fahren die Katalonen sehr gesittet, das kennen wir aus dem Süden Spaniens etwas anders, nur beim Fahrspurwechsel auf der Autobahn heißt es höllisch aufpassen, ob der Motorräder und Roller für die die spanische StVo anscheinend nicht gilt. Die erste kurze Ausfahrt führte uns auf einen Bergpass nördlich von Barcelona. Mit vielen Kurven und vielen Rennradfahrern. Mit den Kurven hat der Born null Probleme, er ist sehr sportlich unterwegs und lässt sich ordentlich biegen. Cupra erzählt uns, dass bei der Fahrwerksabstimmung besonders auf Dynamik wert gelegt wurde, so ist der Cupra ab Werk tiefergelegt. Um bis zu 15mm niedriger als sein Konzernbruder, der ID.3. Und zur Erklärung: Rennradfahrer kamen bei unserer Ausfahrt auch keine zu Schaden!

Im Stadtverkehr waren wir dann in Barcelona oft stehend unterwegs, aber auch hier gelingt das Mitschwimmen im Verkehr ruhig und ohne nennenswerte Probleme. Vor allem praktisch sind die vielen Newtonmeter unter dem Allerwertesten wenn sich doch mal eine Lücke auftut und man die Spur wechseln will. Aja und eines ist uns noch aufgefallen: auch die Katalonen dürften den Cupra Born noch nicht allzu oft zu gesicht bekommen haben, denn wir ernteten auffällig oft Blicke.

Fazit - Zeug zum Star!

Bei unserem ersten, etwas längeren Zusammentreffen mit dem Born wird klar. Hier könnte Cupra ein ordentlicher Coup gelungen sein. Man nehme solide Konzerntechnik, hübsche sie optisch innen wie außen auf, gebe eine Prise Premium und jugendlichen Lifestyle dazu und fertig ist ein E-Auto, das nicht nur Emotionen weckt, sondern sich auch besonders gut fährt.

Preislich ist der Cupra Born auch bezahlbar. Das besonders attraktive Einführungsmodell namens Alpha ist laut Cupra bereits ausverkauft. Regulär startet der Born mit 204 PS und 58 kWh-Batterie ab EUR 39.990. Die Preise für das Einstiegsmodell und das sportliche e-Boost-Modell werden später bekanntgegeben.

Technische Daten:

Batteriekapazität: 45 - 77 kWh
Reichweite: 349 - 540 Kilometer (WLTP)
Leistung: 150 - 231 Pferdestärken
Drehmoment: 310 Newtonmeter
Kofferraumvolumen: 385 - 1.267 Liter
Eigengewicht: ab 1.708 Kg
Ladegeschwindigkeit: max. 125 kW
 

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 11.10.2021