Erster Test: Honda HR-V e:HEV

Die Funktionsweise eines Hybrids zu erklären, ist in der Regel für die meisten so spannend wie eine Nationalratssitzung zum Thema Normverbrauchsabgabengesetzesnovelle 2035. Beim neuen HR-V kommt aber ein ziemlich interessantes, intelligentes Hybridsystem zum Einsatz, das schon etwas abgeändert im Jazz und im CR-V verbaut ist. Also, vereinfacht erklärt: Der 1.5-Liter-Benziner ist im Grunde nur dafür da, um den Strom für den E-Motor als Kraftwerk zu liefern. Darum hat der HR-V e:HEV auch kein Getriebe! Der Benzinmotor werkt nur bei hohen Geschwindigkeiten ganz alleine und völlig losgelöst vom elektrischen Antriebsstrang. Im Gegenzug schafft man im EV-Modus einige Kilometer bei braver Fahrweise rein elektrisch (ohne den Benziner als Stromlieferanten).

Und wie fühlt sich das während der Testfahrt an? Unaufgeregt, ruhig, unmerklich – solange man nicht mit dem Gasfuß aufs Pedal latscht. Dann ist der Benziner mit Frontantrieb deutlich zu hören und dreht schon ziemlich hoch. Es klingt ein bisschen nach CVT-Getriebe, ist jedoch ein e-CVT-Getriebe und hat damit einem normalen Getriebe nix zu tun. Im Alltagsbetrieb ohne Beschleunigungsorgien verhält sich der Honda aber eben relativ leise. Und ehrlich gesagt: Es kauft eh keiner ein solches Auto, um dem Beifahrer mit überhöhten Geschwindigkeiten das Fürchten zu lehren.

Auf der Straße

Das Fahrwerk ist eine Mischung aus komfortabel und leichter Straffheit. Also ausgewogen, für alle Situationen gerüstet. Nur ganz leichte Wankbewegungen gibt es, da der Japaner mit einer ziemlich hohen Bodenfreiheit daherkommt. Dies wiederum hat den Vorteil, dass die Übersicht im Straßenverkehr sehr gut ist. Überhaupt ist die Rundumsicht mehr als gelungen. Die Eckdaten zum Motor: Laut WLTP soll der Vollhybrid 5,4 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Den Hunderter schafft er in 10,6 Sekunden. Um das zu erreichen, ist ein E-Motor mit 131 PS verbaut, der vom 109-PS-Benziner unterstützt wird. Zu erwähnen is auch noch der Rekuperationsmodus. Wenn der „Automatik-Ganghebel“ auf „B“ gestellt wird und vom Gaspedal geht, wird automatisch gebremst und Energie für die Batterien zur Verfügung gestellt. Das kennen wir schon, aber eben eher nur von reinen Elektroautos! Die Stärke für die Rekuperation wird über die Schaltpaddles eingestellt.

Die Optik

Mit dem HR-V e:HEV ist den Japanern rein optisch gesehen ein ziemlicher Sprung nach vorne gelungen. Besonders auffällig ist der in Wagenfarbe gehaltene Kühlergrill, der so etwas wie Elektrofeeling zeigen soll. Im Grunde werden sogar Ober-Nörgler am Hybridler-Design wenig auszusetzen haben. Auch der Innenraum ist klar gelungen, wobei die Betonung auf „klar“ liegt. Zusammengeräumt und klare Linien im Cockpit lautet die Devise. Nicht nur optisch interessant sind die seitlichen Belüftungsdüsen in L-Form. Diese blasen einem nicht den Kopf weg, sondern leiten die Luftströme gekonnt dem Fenster entlang ab und erzeugen eine Art Klimavorhang. Der mittige Arbeitsscreen lässt sich ohne viel Hirnanstrengung bedienen. Also „watscheneinfach“! Die Klimaanlage wird übrigens komplett mit Knöpfen bedient, was nerviges herum tippen in irgendwelchen Untermenüs unnötig macht. Apple Carplay (auch ohne Kabel) sowie Andorid Auto (mit Kabel) sind vorhanden.

Die Platzverhältnisse sind auf den Rücksitzen überraschend gut und auch vorne gibt es nichts zu meckern. Wie aus dem Jazz bekannt, gibt es auch das Magic-Seats-Sytem. Mit einigen Handgriffen können die Sitzauflagen nach oben geklappt werden, wodurch extrem viel Platz im Bereich des Fahrzeugboden entsteht. Damit dieser Zusatzstauraum eben größer wird, hat man den Tank unter dem Auto ein Stück nach vorne in Richtung Fahrer- und Beifahrersitz verpflanzt.

Noch ein Detail: Die Heckklappe geht derart weit auf, dass auch Riesen jenseits der 1,90 cm Körpergröße locker darunter stehen können! Zusätzlich kann auf Knopfdruck die gewünschte Höhe eingestellt werden.

Fazit

Ein Kompakt-SUV mit reichlich Platz, sehr gutem Design und ausgereiften Vollhybridsystem. Der Innenraum hat uns wirklich gut gefallen. Auch die Bedienung des Screens im Bereich der Mittelkonsole ist alles andere als kompliziert und damit so wie es sein soll! Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Geräuschkulisse des Motors beim beherzten Tritt aufs Gaspedal. Ansonsten ein Auto, bei dem es schwer fällt, wirkliche Kritikpunkte zu finden. Der Honda HR-V e:HEV startet Anfang 2022.

Foto: ©Honda

Und hier noch einige Fotos zur Testfahrt bei herbstlichem Regen rund um Frankfurt...

Foto: ©Werner Christl

Autor: Werner Christl, 20.10.2021