Aus für Verbrenner 2035: Ist das möglich? Interview mit Wolfgang Sonnleitner

In 13 Jahren sollen Diesel und Benziner Geschichte sein. Die EU will es so. Wolfgang Sonnleitner ist Geschäftsführer des größten Renault, Nissan und Dacia Händlers Österreichs. Er erklärt im Talk rund um das E-Auto, ob man das bis 2035 tatsächlich schaffen kann. Der Händler ist allerdings skeptisch.
Autor: Werner Christl, 30.06.2022 um 12:42 Uhr

Weekend: Das Ende für Verbrenner 2035. Ist das realistisch?

Wolfgang Sonnleitner: Ich denke, dass dies die Staaten nicht schaffen werden. Seitens der Hersteller von Elektroautos sehe ich da weniger Probleme. Die sind gut aufgestellt und dürften das hinbekommen. Eines der Hauptprobleme ist die fehlende Infrastruktur. Hier müsste der Staat endlich loslegen.

Weekend: Das heißt? 

Wolfgang Sonnleitner: Damit meine ich weniger das Fehlen von Ladesäulen, sondern vereinfacht ausgedrückt: Es fehlen geeignete Erdkabel bzw. Transformatoren, die die Energie vom Kraftwerk zur Ladesäule bringen. Das Netz ist derzeit noch nicht so weit ausgebaut, dass man zukünftig die E-Autos mit genügend Strom versorgen kann. Stellen Sie sich vor, wenn 2035 im Sommer 160.000 E-Autofahrer an einem Tag alle in den Süden auf Urlaub fahren und dann tanken wollen. Da wird es eng! E-Fuel als Alternative wäre zudem der richtige Weg.

Weekend: Das klingt so, als wäre das E-Auto der falsche Weg? 

Wolfgang Sonnleitner: Nein, verstehen Sie mich nicht falsch! Die E-Mobilität ist eine super Technologie für die meisten Mobilitätsanwendungen. Beispielsweise für Zustellfahrzeuge oder Zweitautos in der Familie. Wir bewegen uns mit E-Autos praktisch emissionsfrei und dazu noch leise. E-Mobilität ist ganz einfach ein unglaublicher Gewinn an Lebensqualität für uns alle. Dazu eröffnet die elektrische Mobilität ganz neue Möglichkeiten in Bezug auf den Antrieb. Ob allerdings ein großes Elektro-SUV der Weisheit letzter Schluss ist, wage ich zu bezweifeln. Auch ein Sattelschlepper oder Wohnmobile mit E-Antrieb sind aus jetziger Sicht nicht umsetzbar.

Weekend: Derzeit gibt es einen Trend hin zu „großen“ Autohändlern. Wird es zukünftig nur noch Big Player geben? 

Wolfgang Sonnleitner: Der Trend, die Vertriebsstrukturen zu verbessern, gibt es schon länger. Die E-Mobilität hat dies nun beschleunigt. Man darf nicht vergessen, dass das Geschäft in der Werkstatt erodiert. Ich rechne mit einem Minus von etwa 30 Prozent. E-Autos sind ja weitaus weniger wartungsintensiv als Verbrenner. Dieses Geld muss der Betrieb auf anderen Wegen ausgleichen und das geht unter anderem, indem man vergrößert und gleichzeitig die vorhandenen Strukturen optimal nutzt.

Weekend: Gebrauchte sind derzeit sehr teuer. Wird das vorerst so bleiben? 

Wolfgang Sonnleitner: Nachdem durch Lieferschwierigkeiten zu wenige Neuwagen am Markt zu kaufen sind und diese dadurch teurer werden, zieht auch der Gebrauchtwagenmarkt nach. Die Gebrauchten verteuern sich praktisch, während sie am Gebrauchtwagenplatz stehen. Das ist alles sehr abartig. Ich gehe aber davon aus, dass sich die Lage generell im nächsten Frühjahr beruhigen wird.