Paradies FÜR BIENEN

In den duftenden, aber dicht gefüllten Blüten der Rosen finden nämlich die Bienen kaum Nahrung, denn die Staubgefäße sind bei diesen Züchtungen zu Blüten­blättern umgebildet worden. Die neu erwachte Liebe zu den Bienen und anderen Insekten macht nun die offenen, ungefüllten Blüten so beliebt. Ob in den Gärten, auf den Terrassen oder in den Parks, überall findet man nun neben den traditionellen gefüllten ­Blüten auch die blühenden ungefüllten Rosen. Einerseits wegen des herrlichen Hagebutten-Schmucks der Historischen bzw. Wildrosen im Herbst, andererseits ist der Schutz der Insekten ein wichtiges Kriterium geworden und all jene Blüten, die ungefüllt sind, bilden eine perfekte Futterstelle für die in Not geratenen Insekten.  

Nahrhafte Pollen. Die Strauch­rose Rosa gallica ‘Versicolor‘ gehört bei mir zu den beliebtesten ihrer Gattung. Ihre dunkelrosa, weiß gestreiften und extrem gut duftenden Blüten schmücken einige Wochen lang den Strauch, der gut 1,20 Meter hoch wird. Viele Rosenzüchter haben schon vor einigen Jahren den Trend erkannt und eine ganze Serie von sogenannten Bienenweiden-Rosen auf den Markt gebracht. Hier finden die Insekten zwar keinen Nektar, dafür aber viele Pollen. Diese Rosen gibt es in Rot, Weiß, Gelb und einigen Farb­nuancen.  

Bienen-Hotspot. Eine ebenfalls besonders attraktive Rose ist ‘Souvenir du Docteur Jamain‘. Sie hat samtig ­karmesin- bis purpurrote leicht gefüllte Blüten, die besonders stark duften. Eine jüngst gezüchtete Rose ist ‘Feuerwerk‘. Ihre halbgefüllten Blüten sind orangerot und im Verblühen karminrot. Der Duft ist leicht fruchtig. Eine absolute Besonderheit ist die Rosa ­chinensis ‘Mutabilis‘. Die Blüten sind dunkelgelb, wechseln aber zu Orange und Rosarot. Mit den ebenfalls einfachen Blüten ist diese Rose ein Magnet für Bienen. Bei den Bodendeckerrosen gilt ‘Red Meidiland‘ als extrem robuste und pflegeleichte Sorte. Mit ihren dunkelroten Blüten, die in der Mitte weiß sind und besonders viele Staubgefäße zeigen, ist sie für alle Insekten eine willkommene Nektar-Tankstelle.

Rose in voller Blüte

Duftende Pracht. Auch bei den Kletterrosen gibt es bienenfreundliche Sorten. Neben den stark wachsenden Ramblerrosen, wie zum Beispiel ‘Paul’s Himalayan Musk‘ (rosarot, stark duftend), gehört die historische Kletter­rose ‘Phyllis Bide‘ zu den attraktivsten. Ihre creme-lachsrosa Blüten sind halbgefüllt und haben einen entzückenden gerüschten Rand. Der Duft ist leicht und ihre rotbraunen Hagebutten sind für die Vögel eine willkommene Nahrung im Herbst und Winter.  

Gut für Vögel. Ramblerrosen sind für mich generell die großen Favoriten. Richtig aufmerksam geworden bin ich auf sie bei meinen Gartenreisen nach Großbritannien. Ich erinnere mich noch so gut an jenen Besuch in einem alten Garten, wo am Ende eines langen, herrlich bewachsenen Thymianweges ein großer, über und über mit Blüten geschmückter Baum stand. Gemeinsam mit der damals 80-jährigen Gärtnerin bewunderte ich aus der Ferne die Blütenpracht und wollte wissen, wie alt denn dieser so spät blühende Apfelbaum ist. Die Garten-Liebhaberin lächelte und meinte, ich sei einer von vielen Besuchern, die vermuten, dass dieser Baum ein blühender Apfelbaum sei. Tatsächlich aber hatte eine Ramblerrose, nämlich ‘Paul’s Himalayan Musk‘, den uralten Baum erobert. „Mein Mann wollte ihn umschneiden, aber ich habe ihm mit dieser Rose ein neues blühendes Weiterleben ge-schenkt“, meinte die Garten-Enthusiastin und entfachte in mir die Leidenschaft für diese stark wachsenden Kletterrosen. ‘Kiftsgate‘ mit ihren bis zu 10 Meter langen neuen Trieben pro Jahr erobert eine Hecke. Und das ­Gartenhaus wird durch ‘Goldfinch‘ zu einem Dornröschenschlösschen. Das Schöne bei den Ramblern ist, dass man sie praktisch nicht schneiden muss, die Blüten meist nur halbgefüllt und im Herbst über und über mit Hagebutten voll sind. Ein paradiesisches Leben für die vielen Vögel, die in unserem Garten den Winter verbringen.

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Autor: Friederike Ploechl, 01.06.2021