Johannes Roither, Gastronom mit Vision

Zielorientiert. Selbständiges Ausprobieren gepaart mit Kreativität hat den leidenschaftlichen Gastronomen Johannes Roither bereits in jungen Jahren vorangetrieben. Sein privates Glück hat er in der Familie gefunden.
Autor: Friederike Ploechl, 23.03.2021 um 11:14 Uhr

Wer hat Sie maßgeblich geprägt auf Ihrem Weg als Gastronom? Mein Vater bis zu seinem Tod im März 2007. Er war mein Freund und Mentor. Dann auch ­viele Größen aus der Gastronomie, die später auch meine persönlichen Freunde geworden sind.  

Was verbinden Sie spontan mit dem Begriff „Mitten in der Welt“?  Kindheit, meine Eltern, Familie, Tradi­tion, Bodenständigkeit und Geselligkeit.  

Wie halten Sie es persönlich mit der Familientradition?  Ich wurde als vierter von vier Buben in diese Familienwirtshaus-Tradition hineingeboren. So wie bereits mein Urgroßvater (der 1906 das Anwesen in Neußerling gekauft hat), übergab auch mein Groß­vater das Haus an den jüngsten Sohn. Ob mein Sohn ebenfalls diese Tradition fortsetzen wird, kann er in den nächsten Jahren selbst herausfinden und sich entscheiden. Bei diesem Prozess werde ich ihn natürlich mit all meinen Möglichkeiten unterstützen. Wenn er sich gegen die Familientradition entscheidet, so ist das für mich völlig in Ordnung – auch wenn damit diese doch sehr lange Tradition enden würde. Denn manchmal müssen Dinge eben ein Ende finden, um wieder neu und größer geboren zu werden. 

Trotz der von Ihnen gebotenen Regionalität und gelebten Tradition sind Sie ein Visionär in der städtischen Gastronomie und auf Expansionskurs. Was treibt Sie an?  Als Sohn einer Unternehmerfamilie kann man nicht anders. Immer von Visionären und tatkräftigen Menschen umgeben, findet man sich selbst automatisch auch in dieser Schiene wieder. Was meine Entscheidung für die Gastronomie anbelangt, war ich anfangs mit dieser Wahl nicht ganz glücklich. Nach mehreren Stationen, in denen ich die Liebe zur Gastronomie erst so richtig entdeckt habe, konnte ich mich auf die Übernahme des elterlichen Betriebes vorbereiten und hatte viele Freiheiten zu Hause. Das selbstständige Versuchen und Ausprobieren bzw. ­kreativ zu sein haben mich bereits in jungen Jahren immer weiter vorangetrieben. Während der Selbstständigkeit in den vergangenen 20 Jahren habe ich nicht nur neue Betriebe eröffnet, sondern auch viel an mir gearbeitet und zusätzliche Ausbildungen gemacht. Schlussendlich sogar auf der JKU Tourismusmanagement studiert.

Steckbrief Johannes Roither

Welche Pläne würden Sie gerne in nächster Zeit realisieren? Bereits vor 20 Jahren hatte ich die Vision eines multiplizierbaren Konzepts, mit der Zentrale in Neußerling. Dort sollten eine Mitarbeiterakademie, die Produktentwicklung und die strategische Unternehmensführung, sozusagen als Headquarter für alle Betriebe, Platz finden. Das ist mir auch in einem gewissen Bereich bereits gelungen. Um diese Vision wirklich komplett umsetzen zu können, benötigt es noch einige Franchisenehmer für „Jack the Ripperl“. Diese Vision treibt mich nun seit mehr als 20 Jahren an und ich bin überzeugt, dass dies auch weiterhin genügend Treibstoff für meine Zukunft beinhaltet. Immer unter dem Motto: „Wenn du Dinge verändern oder voranbringen willst, dann musst du die Dinge selbst in die Hand nehmen und anpacken.“  

Was lieben Sie an den Ripperln be-sonders bzw. welche Erinnerungen verbinden Sie bei ihrem Genuss?  Ripperl sind bei uns im Mühlviertel seit eh und je ein fixer Bestandteil des ­Speiseplans. Früher oftmals gekocht, heute auch als Sur-Ripperl bekannt. Als ­Gastronom macht mir das Produkt ­Ripperl insofern Spaß, als es ein ­lockeres gemeinsames Essen ermöglicht und nicht „Fine Dining“ ist, sondern urig und originell. Ripperl isst man gerne mit den Fingern, das ver­mittelt (so wie Streetfood) einen ganz anderen Genusseffekt. Grundsätzich verbinde ich mit unseren Ripperln viele Kindheitserinnerungen, da ich ja damit aufgewachsen bin. Meine Eltern starteten mit den „Roithers Ripperl“ ja bereits ein Jahr vor meiner Geburt. Das Schönste an Schweineripperln ist, dass man sich nie davon abessen kann. Ich kann das bestätigen – sie schmecken mir nach 45 Jahren noch immer so wie am ­ersten Tag!

Wie finden Sie Erholung bei einem derart hohen Arbeitspensum? Das hohe Arbeitspensum erkennt man selbst nie als solches! Wenn man eine Arbeit aus voller Überzeugung und mit Freude macht, dann empfindet man das, was man macht, nicht als Arbeit. Die notwendige geistige Erholung erhalte ich durch meine Familie. Wenn ich nach Hause komme, dann ist das wie Urlaub. Mein Sohn Laurenz bekommt meine ganze Aufmerksamkeit und auch meine Frau, die nicht mit mir im Betrieb arbeitet und in ihrem Beruf ebenfalls ein sehr hohes Pensum leistet, ist ausschließlich für uns da. Das ist für mich die beste geistige Erholung!

Schmankerl bei Johanns Roither

Haben Sie jemals einen Gedanken damit verbracht, einen anderen Weg einzuschlagen als den des Gastronomen?  Nein! Es gab seitens meiner Eltern nie eine Alternative für mich. Gott sei Dank hatte ich das Glück, mich im Lauf der Jahre für diese Branche zu begeistern. Alles, was mir an meiner Situation nicht gefallen hat, habe ich, bis auf wenige ­Dinge, in den vergangenen 25 Jahren so verändert, dass es für mich passt.

Corona ist für alle in irgendeiner Form eine enorme Herausforderung – haben Sie dennoch einen positiven Effekt daraus ziehen können? Der positive Effekt ist die Welle der ­Solidarität unserer Gäste und der Bevölkerung. Die Gastronomie und ihre Betreiber werden jetzt intensiver denn je als Lebensmittelpunkt und Garant für Wohlstand und Lebensqualität gesehen. In den vergangenen 30 Jahren ist der Wirt im Ort sukzessive vom Stammtischvater und höchst angesehenen Unternehmer zum gebeutelten und gequälten Wirt mutiert – einer, der eh nur jammert. Diese positive Rückbesinnung hätte sich unsere Branche mit keinem Marketingbudget der Welt kaufen können. Die einzig wahre Herausforderung der Corona-Krise für uns Unternehmer ist die schon vor der Pandemie nicht nachvollziehbare schwerfällige und unmenschliche Bürokratie in Österreich. Wie viele Menschen mit diesen ganzen Anträgen für die Hilfspakete richtiggehend gequält wurden, ist ­unvorstellbar. Nicht nur, dass hier Unsummen an Steuergeldern verschwendet werden, unzählige Menschen werden das auch mit psychischen Schäden büßen.  

Worauf sind Sie besonders stolz bzw. was zeichnet Sie aus? Besonders stolz bin ich auf meine Familie, die mir die Kraft, den Freiraum und den Rückhalt gibt, das zu machen, was ich mache. Privates und Berufliches sind irgendwie schwer zu trennen. Was mich aus meiner Sicht grundsätzlich auszeichnet, ist mein Durchhaltevermögen. Alles, was ich bis heute begonnen habe, habe ich auch durchgezogen. Egal, ob privat oder beruflich. Natürlich gab es auch immer wieder Rückschläge, doch das hat mich nie daran gehindert, mein angestrebtes Ziel weiterhin zu verfolgen.